Adlerträger wollen Aalen ärgern

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Aalener Nachrichten
Michael Dick

Die Tabelle lügt nicht, heißt eine Fußball-Weisheit. Geht man von der derzeitigen Rangliste der 3. Liga aus, ist die Partie zwischen dem Gastgeber VfR Aalen und Aufsteiger Preußen Münster (Samstag, 14 Uhr, Scholz-Arena) bereits entschieden. Die Ostälbler haben 49 Punkte auf dem Konto und sind Zweite, Aufsteiger Münster steht mit 32 Punkten auf Rang zwölf. Doch Münster hat auch ein oder zwei Spiele weniger absolviert als der Großteil der Konkurrenz.

Und so nimmt der Kapitän der Adler-Träger, Stefan Kühne, seine Aufgaben ernst und geht verbal voran: „Es ist ja Blödsinn zu sagen, wir müssen da gar nicht hinfahren. Wir werden uns nicht verstecken, sondern kämpfen - um mindestens einen Punkt.“ Sein neuer Trainer Pavel Dotchev, der Ende Januar sein Amt von Aufstiegsmacher Marc Fascher übernommen hat, kommt auch nicht mit schlotternden Knien nach Aalen: „Ich denke, dass wir beim VfR eine Chance haben“, so Dotchev.

Trotz der Kampfansage loben sowohl Trainer als auch Mannschaftsführer den Kontrahenten von der Ostalb. Dotchev sieht den VfR „souverän“ und „eingespielt“. Kühne geht sogar noch weiter: „Für mich ist es klar: Aalen spielt den besten Fußball in der Liga.“ Das sagt er auch mit einem Blick zurück aufs Hinspiel: „Unser 1:0-Sieg war glücklich. Der VfR war sehr ballsicher und unheimlich stark im Zweikampf.“

Wie will der neue Preußen-Chef die Mannschaft in die Schranken weisen, die die vergangenen sieben Spiele gewonnen hat? „Wir werden uns nicht auf die Spielweise Aalens konzentrieren. Wir werden nicht nur reagieren, sondern agieren, selbst Fußball spielen“, verspricht Dotchev, der als Spieler unter anderem beim HSV und Hansa Rostock und als Trainer in Sandhausen aktiv war. Offensiver ist Münster unter dem ehemaligen Bundesliga-Kicker geworden: Statt - wie unter Fascher - einer, stürmen nun zwei Angreifer auf die Abwehrreihen los.

Preußen zeigt Angriffslust

Dotchevs Zwischenbilanz ist gut, sollte aber angesichts von nur zwei Begegnungen gegen Drittliga-Kellerkinder auch nicht überbewertet werden: Die Preußen schlugen Babelsberg auswärts mit 2:0 und trennten sich im eigenen Stadion 0:0 vom Werder-Nachwuchs. „In beiden Partien haben wir uns viele Torchancen erarbeitet.“, sagt Dotchev. Der 46-Jährige hebt sich, was die Formulierung von Saisonzielen angeht, von vielen Liga-Kollegen ab. Er formuliert sie so, wie er spielen lässt: offensiv.

Zuerst wolle er seinen Klub stabilisieren. Das heißt bei Dotchev auch: den jetzigen Tabellenplatz schrittweise verbessern. Und dann? „Es ist alles möglich. Ich gucke nur nach oben. Wenn es am Ende der dritte Platz wird, sage ich nicht nein. Ganz im Gegenteil.“

Der Kapitän des Traditionsvereins (Deutscher Vize-Meister 1951, Bundesliga-Gründungsmitglied 1963) ist da vorsichtiger: „Der Abstiegskampf ist noch nicht abgehakt, sondern schwirrt im Hinterkopf.“ Daher gelte es 45 Punkte zu sammeln. Aber wenn es um das VfR-Spiel geht, ist er wieder ganz bei seinem Trainer: „Wir wollen den kommenden Aufsteiger ein bisschen ärgern.“ Da blitzt es durch, das neue Preußen.

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