Aalens Partnerstadt Antakya: 107 Kinder haben ihren Abschluss

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Wenn der Konflikt in Syrien weiter an Intensität gewinnt, ist der Verein Hilfe für syrische Flüchtlinge in Aalens Partnerstadt Antakya mehr denn je gefordert. Denn unweit der Grenze zu Syrien bereiten syrische Truppen den Sturm auf die Rebellen-Hochburg Idlib vor.

Idlib gilt als die letzte Bastion der Rebellen, die Syriens Staatspräsident Baschar al-Assad zurückerobern will. Derzeit bringt er seine Truppen in Stellung. Eine neue Offensive habe das Potenzial, eine wahre Katastrophe zu werden, zitiert „Die Zeit“ einen Sprecher des Auswärtigen Amtes, denn in Idlib lebten rund drei Millionen Menschen, 1,5 Millionen davon seien Binnenvertriebene. Eine Flucht scheint für sie ausweglos. Auf türkischer Seite „sind Grenzsicherungen im Gange. Es ist zu befürchten, dass die Türkei dieses Mal die Grenzen ganz zu macht“, sagt Antakya-Kenner Roland Hamm bei der Hauptversammlung des Aalener Vereins Hilfe für syrische Flüchtlinge. Angesichts dessen sei der Verein mehr denn je gefordert, ergänzt Oberbürgermeister und Vereinsvorsitzender Thilo Rentschler.

Rund 65 000 Euro hat der Verein auf dem Konto. Die Hälfte davon sind Spenden aus Aalen und der Region, die andere Hälfte ist ein Zuschuss des Landes Baden-Württemberg, das jeden gespendeten Euro verdoppelt hat. Insgesamt hat der Verein so 433 506 Euro eingesammelt und dafür eine Schule nebst Sportplatz in Reyhanli finanziert. Mehr als 1000 syrische Flüchtlingskinder werden dort unterrichtet, mittlerweile haben 107 Schüler hier ihren Abschluss geschafft. „Sie beginnen nun ein Studium“, berichtet Dolmetscherin Nihal Büyükasik. Nun gehe es darum, für das restliche Geld einen „sinnvollen Verwendungszweck für die Schule zu finden, um das Projekt zu Ende zu bringen“, sagt Aalens ehemaliger Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle. Konkrete Vorschläge wollen die Aalener mit Antakyas Oberbürgermeister Lütfü Savas erarbeiten, der mit einer Delegation am Freitag zu den Reichsstädter Tagen anreist. Und hier vielleicht etwas durchatmen kann.

Unterschwellig brodelt es

Denn in seiner Stadt „hat er zuletzt Federn gelassen“, berichtet Büyükasik. Unter anderem wegen einer Novellierung der Kleinbus-Unternehmen, die Menschen vom Dorf in die Stadt bringen. Die Betreiber sollten neue Busse kaufen und Preise ändern, „viele haben dadurch ihre Lebensgrundlage verloren“, erzählt Büyükasik. Vor der OB-Wahl im März 2019 sehe es deshalb für Savas eher mau aus. Zudem mache der Absturz der türkischen Lira den Menschen zu schaffen. Gerade für Unternehmen sei es eine schwierige Situation, sagt Stadtrat Hamm (Die Linke). „Einerseits profitieren sie von der Lira-Abwertung, halten sich deshalb jedoch mit weiteren Engagements zurück.“

Kriegskinder
Sie haben den Tod erlebt. Jahrelang. Hunderttausende Menschen fliehen vor dem Bürgerkrieg aus Syrien, suchen Zuflucht in der benachbarten Türkei, wo ihre Kinder in Sicherheit aufwachsen sollen.

Auch wenn es gesamtpolitisch nach der Wiederwahl von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan momentan sehr ruhig sei, wie Büyükasik sagten, brodle es unterschwellig, berichten Hamms Quellen. „Die Notstandsgesetze sind zwar ausgelaufen, aber das, was danach implementiert wurde, ist auch nicht viel besser. Es gibt eine Menge Konfliktpotenzial“, so Hamm.

Ein Preis, Explorhino und Kiel

Aalens besonderes Engagement in der der türkischen Partnerstadt Antakya für syrische Flüchtlinge wird mit einem Preis des Magazins Özelkalem ausgezeichnet. OB Rentschlers ehrenamtliche Stellvertreterin Uschi Barth, Alt-OB Ulrich Pfeifle und Claus Schmiedel als Ideengeber des Schulbaus reisen am 17. September nach Istanbul, um dort zusammen mit einer Delegation aus Kiel den Preis entgegen zu nehmen. Denn wie Aalen haben die Kieler in der gemeinsamen Partnerstadt eine Schule für Flüchtlingskinder gebaut. In Zukunft wollen die drei Städte noch enger zusammenrücken und ihre Aktivitäten bündeln. Unter anderem solle es einen neuen Antakya-Reiseführer geben, zudem wollen die Kieler die Ausstellung „Kriegskinder“, die das Schicksal syrischer Flüchtlingskinder in Antakya dokumentiert und in Zusammenarbeit zwischen der Aalener Stadtverwaltung und den „Aalener Nachrichten“ entstand, in Schleswig-Holstein zeigen. Andererseits planen die deutschen Partnerstädte, sich an der Expo 2021 in Hatay zu beteiligen. Wenn bis dahin alles glatt läuft, könnte es Explorhino nach Aalener Vorbild auch in Antakya geben: Im August besuchte der Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät Explorhino in Aalen – was ihm so gut gefallen hat, dass es nun in Hatay implementiert werden soll.

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