Auf der Suche nach dem richtigen Klang (von links): Hans-Roman Kitterer, Walter Johannes Beck vom Collegium Vocale Schwäbisch G
Auf der Suche nach dem richtigen Klang (von links): Hans-Roman Kitterer, Walter Johannes Beck vom Collegium Vocale Schwäbisch Gmünd und Thomas Baur vom Aalener Kammerchor. (Foto: Franz Graser)

Karten für die Konzerte in Schwäbisch Gmünd (Samstag, 20. Oktober, 19 Uhr im Heilig-Kreuz-Münster) und Aalen-Wasseralfingen (Sonntag, 21. Oktober, Sankt Stephanus) gibt es beim i-punkt am Marktplatz in Schwäbisch Gmünd (Telefon 07171 / 6034250), der Tourist-Information Aalen (Telefon 07361 / 522358) und der Buchhandlung Henne in Wasseralfingen.

Das Ende der Welt kündigt sich in Takt 111 an. An dieser Stelle steht der Vermerk „tutta forza“ („mit aller Kraft“) in der Partitur. Und das ist auch notwendig. Denn jetzt erklingen die Posaunen des Jüngsten Gerichts. Wenig später setzt auch der Chor mit aller Kraft ein: „Tuba mirum spargens sonum“ lautet der Text, zu Deutsch etwa: „Laut wird die Posaune klingen“ – die Posaune, die die Auferstehung der Toten und den göttlichen Richter ankündigt.

Um nichts weniger als die letzten Dinge geht es in der „Messa da Requiem“ von Giuseppe Verdi (1813 bis 1901). Die monumentale Totenmesse erklang erstmals 1874 anlässlich des ersten Todestages des italienischen Dichters Alessandro Manzoni in Mailand. Derzeit studieren der Aalener Kammerchor unter Leitung von Thomas Baur und der Gmünder Chor Collegium Vocale unter Leitung von Walter Johannes Beck das Werk gemeinsam ein. Am Samstag, 20. Oktober, wird das „Requiem“ um 19 Uhr im Gmünder Heilig-Kreuz-Münster erklingen, tags darauf wird das Werk ebenfalls um 19 Uhr in der Wasseralfinger Sankt-Stephanus-Kirche aufgeführt.

Collegium Vocale und Aalener Kammerchor proben zwei Tage

Zwischen 90 und 100 Chorsängerinnen und Sänger werden in Schwäbisch Gmünd und Wasseralfingen an dem monumentalen Werk mitwirken. Ein etwa 70 Köpfe starkes Orchester sowie vier Solistinnen und Solisten von internationalem Rang werden die beiden Chöre dabei unterstützen. Erstaunlich ist, dass das Collegium Vocale als auch der Aalener Kammerchor an einem einzigen gemeinsamen Probenwochenende einen gemeinsamen Klang gefunden haben. „Ich denke, dass wir von unseren klanglichen Vorstellungen her sehr ähnlich sind“, sagt Thomas Baur über seinen Gmünder Kollegen Beck. Daher habe das gemeinsame Musizieren sehr schnell geklappt. Dennoch werde jede der beiden Aufführungen einen eigenständigen Charakter haben – wegen der unterschiedlichen Kirchengebäude, aber auch wegen der beiden Dirigenten: Beck wird am Samstag, 20. Oktober, in Gmünd dirigieren, Baur am Folgetag in Wasseralfingen.

Wortmächtige Schilderung des Jüngsten Gerichtes

Ein Kernstück des Requiems ist die lateinische mittelalterliche Sequenz „Dies irae“ (Tag des Zornes), eine wortmächtige Schilderung des Jüngsten Gerichtes. Jahrhundertelang war das „Dies irae“ fester Bestandteil der katholischen Beerdigungsliturgie, 1970 wurde es im Zuge der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils gestrichen, weil es nicht mehr zeitgemäß erschien. Auf heutige Zuhörer mag die Schilderung des Weltendes fremdartig wirken. Aus Sicht von Thomas Baur, der Leiter des Aalener Kammerchores, hat dieser Teil des Werkes auch heute seine Berechtigung: „Die historischen Texte sind für den Komponisten höchst spannend. Da kann er sich richtig austoben.“ Französische Komponisten wie etwa Gabriel Fauré (1845 bis 1924) hätten das „Dies irae“ weggelassen. „Das gibt insgesamt eine glattere Komposition, aber es fehlt eben der emotionale Ausbruch, der Verdi so interessant macht.“

Bei der Erstaufführung im Jahr 1874 ist Verdi scharf angegriffen worden: „Eine Oper im Kirchengewande“ habe er geschaffen, erklärt Walter Johannes Beck die Kritik der damaligen Zeit. Beck hält diese Einwände für Unsinn: „Das Requiem ist mit den Mitteln des italienischen Dramatikers geschrieben. Und es ist wirklich das einzige seiner Art, das die liturgischen Texte so direkt und authentisch - und manchmal auch schrecklich - vertont.“ Das Requiem sei eine Mischung aus Liturgie und Drama, erläutert der Leiter des Collegium Vocale: Teilweise habe die Musik liturgischen Charakter, teilweise handele es sich um „unglaubliche Bühnenmusik“: „Die katholische Kirche bezeichnet die Messe ja zu Recht als theatrum sacrum, als heiliges Theater. Und Verdi hat diese Idee aufgegriffen.“

Karten für die Konzerte in Schwäbisch Gmünd (Samstag, 20. Oktober, 19 Uhr im Heilig-Kreuz-Münster) und Aalen-Wasseralfingen (Sonntag, 21. Oktober, Sankt Stephanus) gibt es beim i-punkt am Marktplatz in Schwäbisch Gmünd (Telefon 07171 / 6034250), der Tourist-Information Aalen (Telefon 07361 / 522358) und der Buchhandlung Henne in Wasseralfingen.

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