Aalener Tafel feiert 20. Geburtstag

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Johannes Müller

Mit einem Festakt im evangelischen Gemeindehaus ist am Freitagabend das 20-jährige Bestehen der „Aalener Tafel“ – volkstümlich Kocherladen – gefeiert worden. Was einst in der Friedrichstraße 17 begann, wird heute in der Bahnhofstraße 55 mit großem Erfolg fortgeführt. Von etwa 1000 Berechtigten kaufen 80 bis 90 täglich das Lebensnotwendige dort ein, berichtete Pfarrer Bernhard Richter als erster Vorsitzender des bedeutenden ökumenischen Sozialprojektes.Fetzig und lautstark eröffnete der Fanfarenzug Essingen unter Leitung von Philipp Weller den Festakt. Ohne kirchliche Verwurzelung wäre die Gründung dieser segensreichen Einrichtung nicht zustande gekommen, sagte Richter in seinem Grußwort. Von Anfang an habe die Tafel „im Zeichen ökumenischen Weitblicks“ und im Fokus der Politik gestanden. Weil die Einrichtung die Kinder- und Familienarmut zwar nicht beseitigt, aber immerhin gemildert habe.

Wie in Aalen so seien die derzeit 934 Tafelläden in Deutschland mit insgesamt 20 000 ehrenamtlichen Mitarbeitern auf Spenden angewiesen. Wichtig seien dabei vor allem die Warenspenden der Supermärkte und Discounter. Ihnen und den vielen freiwilligen Mitarbeitern sei zu danken,sagte Richter. Ebenso wie übrigens auch den unfreiwilligen Helfern, die als Straffällige durch die juristische Maßnahme „Schwitzen statt Sitzen“ ihre Fristzeit im Kocherladen leisten würden. Manche von ihnen hätten auch danach noch im Laden weitergeholfen, berichtete Richter.

Nicht zu vergessen seien neben den Höhen auch die T efen der Einrichtung. „Nur knapp sind wir an der Insolvenz vorbei geschrammt“, bekannte der Vorsitzende. Kräftige Unterstützung habe er von katholischer Seite durch Diakon Ottmar Ackermann und später Diakon Michael Junge sowie den tüchtigen Projektleiter Gerhard Vietz erfahren. „Heute gehört der Aalener Tafelladen genau so zur Stadt wie der Kocher“, schloss Pfarrer Richter.

Leider sei man mit der Armutsbekämpfung im reichen Deutschland noch nicht so weit, bedauerte OB Thilo Rentschler in seinem Grußwort. Er zeigte sich überzeugt, dass man in fünf Jahren wohl auch noch das 25. Jubiläum des Kocherladens feiern könne.

Die „Erfolgsgeschichte des Kocherladens“ sei nur durch die vielen kreativen Helfer möglich, lobte Landrat Klaus Pavel. Wie notwendig die Einrichtung sei, werde durch die 10 000 Bezieher von Hartz IV im Ostalbkreis deutlich, darunter immerhin 2600 Kinder. Dekan Ralf Drescher sprach auch im Namen von Pfarrer Wolfgang Sedlmeier dann auch den vielen Helfern Dank und Gottes Segen für ihre weitere Arbeit zu.

Vom Gleichnis des brennenden Dornbusches ausgehend lieferte der aus Aalen stammende Oberkirchenrat Dieter Kaufmann eine tiefgreifende Deutung der Begegnung mit der Armut als „Ausgrenzung und Benachteiligung am Leben“. Das Niedrige habe Gott erwählt, um die Wohlhabenden zu beschämen. Die Armen hätten dagegen keinen Grund sich zu schämen. „Gott ist auch für sie derjenige, der da ist“. Die Helfer in den Tafelläden stünden somit im Dienst der Anwesenheit Gottes.

Diakon Junge interviewte noch die früheren Dekane Christoph Class und Erich Haller über die spannenden Anfänge des Aalener Tafelladens.

Geehrt wurden für 20jährige Mitarbeit im Kocherladen: Almut Braasch, Heidi Rödel, Hannelore Melcher und Gerburg Tull.

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