Aalener radeln von der Ostalb nach Afrika

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Redakteurin/DigitAalen

Wer mehr über die Reise von Simon Bihr und Tanya Edwards erfahren möchte, findet unter www.rock-road-rhino.com weitere Informationen.

„Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ lautet der Titel einer bekannten Doku-Soap auf Vox. In dieser kommen der Aalener Simon Bihr und seine Freundin Tanya Edwards zwar nicht vor, doch auch sie sagten Deutschland erst einmal goodbye. Vor einem Jahr sind sie zu einem großen Abenteuer aufgebrochen. Ziel ihrer Reise, auf der sie mit dem Fahrrad bereits über 9000 Kilometer zurückgelegt und 15 Länder durchquert haben, ist in einem Jahr Südafrika.

Eine Auszeit gönnen sich viele junge Menschen nach ihrem Studium. Und eine solche wollten sich auch Simon Bihr und seine Freundin Tanya Edwards nehmen. Und darüber hinaus etwas von der Welt sehen. Denn dazu kamen beide während ihrer Ausbildung nicht. Kennengelernt hat sich das Paar an der Universität in Heidelberg. Hier studierte der 32-jährige Aalener Simon Bihr Physik und promovierte dort anschließend ebenso wie seine 28-jährige Freundin in Astrophysik.

Ursprünglich wollte das Paar mit einem VW-Bus quer durch Europa touren. „Doch das erschien uns dann doch etwas zu langweilig“, sagt Simon, der im Pelzwasen aufgewachsen ist und am Theodor-Heuss-Gymnasium sein Abitur machte. Um Land und Leute hautnah zu erleben und die Natur bewusst wahrzunehmen, entschieden sich die beiden deshalb dazu, mit dem Fahrrad Europa und Afrika zu durchqueren. Die Reise, die sie ein Jahr lang geplant haben, organisieren und finanzieren sie selbst. „Dafür haben wir während unseres Studiums und auch danach Geld gespart“, sagt Simon. Darüber hinaus stellten beide keine großen Ansprüche. „Die meiste Zeit kochen wir selbst und statt in Pensionen oder Hostels übernachten wir auf Campingplätzen oder wild am Straßenrad“, erzählt der 32-Jährige.

Nach einer Sternenpracht in der Sahara geht’s im Sudan in den Spa

Gestartet sind er und seine Freundin Tanya, die 16 Jahre lang in Port Edward in Südafrika lebte und vor ihrer Promotion in Heidelberg in England studierte, am 8. Mai vergangenen Jahres in Aalen. Seither haben sie bereits unter anderem Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro, Albanien, Griechenland, die Türkei, Ägypten, den Sudan, Kenia und Äthiopien bereist und über 9000 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Während ihrer Reise hat das Paar bereits viel gesehen und erlebt. Simon erzählt von der Durchquerung der Sahara, in der sie mehrere Tage keine Menschenseele zu Gesicht bekommen hätten. Die endlose Weite am Tag und die Sternenpracht in der Nacht seien einzigartig gewesen. Genauso einzigartig wie der Sudan. Die Gastfreundlichkeit der Menschen hier sei grenzenlos. Regelmäßig seien Simon und Tanya hier zum Essen oder zum Übernachten eingeladen worden. Zwei Wochen lang lebten sie sogar bei einer Familie in der Hauptstadt Khartum, wo sie mit den Menschen und den Sitten und Gebräuchen hautnah in Berührung kamen. Dass dazu auch das Verzieren der Arme und Beine mit Henna und das Rasieren der Augenbrauen mit einer simplen Rasierklinge gehört, durfte Tanya im sudanesischen Spa hautnah erleben. Und auf den Geschmack gekommen seien beide beim landestypischen Jabana. Spätestens nach dem Genuss des Kaffees, der über einem kleinen Feuer gebrüht und mit unterschiedlichen Gewürzen wie Kardamom und Ingwer verfeinert wird, hätten sie ihre mit auf die Reise genommene Espressomaschine nicht vermisst, die sie bereits in der Türkei per Post wieder in die Heimat geschickt haben.

Unvergesslich seien auch die Momente in Kenia gewesen. An Zebras, Giraffen und sogar an Löwen vorbeizuradeln, sei beeindruckend gewesen. Eine fast persönliche Begegnung hatten Simon und Tanya auch mit einem Elefanten, der nachts 20 Meter neben ihres Zeltes schnaubte und grummelte und dessen Geräusch sich mit den Rufen von Hyänen, die in der Nähe heulten, mischte. Die Flucht vor dem Dickhäuter durch die „Hintertür“ blieb den beiden aber erspart. Er trottete schließlich selbst von dannen.

Ein tierisches Erlebnis der berührenden Art hatten Simon und Tanya in Kroatien. In der Stadt Omis versorgten die beiden über Tage eine Streunerkatze, die bereits ein Auge verloren hatte. „Das zweite war bereits eitrig und wurde von uns behandelt“, erzählt Simon. Da das Paar die Katze nicht mitnehmen konnte, wurde sie in ein Tierheim in Split gebracht und fand bereits nach einer Woche ein neues Heim. Ein Happy End, das die Aussteiger auf Zeit besonders freute.

Tierschutz als  Ziel

Während ihres Trips haben Simon und Tanya aber nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Unfreundlichkeit und Aggressivität sei den beiden in Äthiopien entgegengeschlagen. Ein Grund, warum sie hier rund 1000 Kilometer nicht per Rad, sondern mit dem Bus zurückgelegt haben. Vor allem die Kinder und Jugendlichen machten den beiden zu schaffen. Neben ständigem Anpöbeln und Belästigen seien sie auch regelmäßig mit bis zu faustgroßen Steinen beworfen worden. „Tanya wurde sogar von einer Gruppe Kinder vom Fahrrad gestoßen“, erzählt Simon.

Die Reise des Paares dient aber nicht nur ihrer Abenteuerlust. Von Anfang haben sich die beiden auch den Schutz der Nashörner in Afrika zum Ziel gesetzt. „Wir wollen helfen, dass diese wunderbaren Tiere nicht aussterben und einen Teil dazu beitragen, diese zu erhalten“, sagt Simon. Die Nashörner würden wegen ihres Horns, das in der traditionellen asiatischen Medizin als Pulver eingesetzt werde, aufs Bitterste gejagt. Durch die hohe Nachfrage sei der Preis für solch ein Horn extrem gestiegen und mehr wert als pures Gold. Deshalb sei eine bewaffnete Bewachung rund um die Uhr für die Nashörner wichtig. „Da diese allerdings viel Geld kostet, sammeln wir auf unserer Homepage Spenden für eine britische Organisation namens ,Save the Rhino’, die wiederum den Wildschützern und auch der lokalen Bevölkerung hilft und alles dafür tut, dass die Nashörner nicht von der Erde verschwinden“, sagt Simon.

In einem Jahr wollen die beiden in Südafrika sein

Mittlerweile sind er und Tanya in Uganda angekommen. Von hier aus geht die Reise nach Tansania, Malawi, Sambia, Namibia und schließlich nach Südafrika. Wenn alles klappt, werden die beiden nach weiteren 11 000 Kilometern in einem Jahr in Südafrika sein.

Was nach der Reise kommt, sei noch unklar, sagt Simon. „Wir wollen uns beruflich neu sortieren und nicht in der Wissenschaft.“ Eine Deadline, wann die beiden zurück sein wollen, haben sie nicht. In Deutschland hätten sie alles aufgegeben. Und auch das Ziel, in einem Jahr in Südafrika zu sein, sei nicht in Stein gemeißelt. „Wenn es uns wo gefällt, bleiben wir einfach länger“, sagt Simon, der mit Tanya seine Auszeit nach dem Motto genießt: „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.“

Wer mehr über die Reise von Simon Bihr und Tanya Edwards erfahren möchte, findet unter www.rock-road-rhino.com weitere Informationen.

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