Aalen wird zum Treffpunkt der Kulturen

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Das Internationale Festival lebt vom Engagement der Vereine. Mit Vorführungen geben sie einen Einblick in ihre Kultur.
Das Internationale Festival lebt vom Engagement der Vereine. Mit Vorführungen geben sie einen Einblick in ihre Kultur. (Foto: Archiv: Peter Schlipf)
Redakteurin/DigitAalen

Nur noch wenige Tage und es wird in Aalen wieder nach Frühlingsrollen, gegrillten Doraden oder überbackenen Bananen duften. Das Internationale Festival ist allerdings mehr als nur ein Festle, auf dem die Besucher einen Streifzug durch die internationale Küche der in Aalen lebenden Migranten machen können. Vielmehr wird auch die Kultur groß geschrieben, sagt Uta Singer vom Amt für Kultur und Tourismus. Dabei denkt sie nicht nur an das Bühnenprogramm der Vereine, sondern auch an die musikalischen Leckerbissen, die es am kommenden Samstag und Sonntag wieder geben wird.

In dem prall gefüllten Veranstaltungskalender der Stadt Aalen ist und bleibt das Internationale Festival für OB Thilo Rentscher das bunteste, vielfältigste und mitunter auch das schönste Fest in der Kreisstadt. Und es stehe dafür, dass Aalen eine tolerante und weltoffene Stadt ist und das auch bleiben wird. Aalen bekenne sich ganz klar zur Vielfalt und dazu, dass der Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ für alle gelte – unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Herkunft, machte Rentschler beim Pressegespräch am Dienstagmittag im Rathaus deutlich.

Früherer Start ist geplant

Schade sei es, dass das Internationale Festival als ein Fest des Miteinanders und der Begegnung nur eineinhalb Tage geht und aufgrund des Aalener Wochenmarktes erst am späten Samstagnachmittag beginnt. „Im kommenden Jahr wollen wir allerdings versuchen, ob wir nicht schon um 10 Uhr starten können – auch, um den Umsatz für die Vereine zu erhöhen“, sagt Rentschler. Bereits in diesem Jahr können sich die Besucher schon am Samstag ab 15 Uhr an den Ständen mit kulinarischen Köstlichkeiten stärken und müssen nicht bis zur offiziellen Eröffnung warten, sagt Singer.

Die Hauptbühne wird auch beim 35. Internationalen Festival auf dem Gmünder Torplatz sein. Das habe sich bewährt. Ebenfalls bewährt habe es sich, das Spiegler-Areal im Westlichen Stadtgraben einzubeziehen. Damit ist zwischen den einzelnen Ständen mehr Platz, und für die Besucher arte die Hocketse nicht in eine Drucketse aus, durch die sie sich quetschen und schlängeln müssen, sagt Rentschler.

Das Engagement der Vereine ist auch in diesem Jahr groß. An 31 Ständen werden an beiden Tagen Spezialitäten, Schmuck, Gewürze und Kunsthandwerk geboten. Im Laufe der Jahre immer wichtiger seien auch Informationsstände geworden, sagt Singer und denkt unter anderem an die Teilnahme der Aalener Hochschule mit ihrem Smoothie-Rad, die Unesco-AG des Theodor-Heuss-Gymnasiums oder die Agendagruppen Kulturküche und Internationaler Garten.

Auch bei der 35. Auflage des Internationalen Festivals wird viel Wert auf Kultur gelegt. So sorgt am Eröffnungsabend am Samstag ab 20 Uhr das Sextett Tumba-Ito aus Dresden mit Salsa, Mambo, Samba und Bossa Nova auf der Bühne am Gmünder Torplatz für gute Stimmung. Das laut Singer eher träge und schwerfällige Aalener Blut in Schwung bringen wird auch ein DJ der Tanzschule „Saal 3“, der am Samstag ab 18 Uhr auf der Bühne auf dem Spiegler-Areal auflegen wird. Wer sich zwischendrin vom Tanzen erholen möchte, kann in bequemen Sitzgelegenheiten einen erfrischenden Cocktail oder ein Glas Wein genießen.

Der Sonntag steht dann auf dem Gmünder Torplatz ganz im Zeichen der Vereine und Gruppierungen, die mit Aufführungen einen Einblick in ihre Kultur geben werden. Anschließend tritt hier ab 18 Uhr das Romeo-Franz-Ensemble auf, das Sinti-Jazz vom Feinsten präsentieren wird. Mit im Boot sind beim Internationalen Festival auch lokale Künstler. Die Eröffnung bestreiten wird ein preisgekröntes Schlagzeug-Sextett der Aalener Musikschule und am Sonntag treten auf dem Spiegler-Areal das Javier-Herrera-Trio und die Nachwuchsgruppe Slide auf, deren Musiker sich im Bandcamp 2018 gefunden haben. Ausklingen wird das Internationale Festival hier mit gepflegtem Jazz, den die Gruppe Jazzding servieren wird.

Wichtig ist den Organisatoren auch, dass die Veranstaltung ein Fest für die Familie ist. Der Bereich zwischen Kreissparkasse und Reichsstädter Markt gehört den Kindern. Das Haus der Jugend bietet ein buntes Unterhaltungs- und Mitmachprogramm an. Spiele im XXL-Format, aber auch eine Slackline und Frisbee hat das Team im Gepäck. Kochschürzen können bei der Kulturküche bemalt werden. Hier werden auch knifflige Quizfragen gelöst.

Schüler legen sich ins Zeug

Im Vorfeld haben sich auch die Kinder der Aalener Schulen unter dem Motto „Aalen, weil...“ mächtig ins Zeug gelegt. Auf einem riesigen Banner malten sie unter der Leitung von Lamia Fetzer auf, warum es sich gerade lohnt, ihren Stadtbezirk zu besuchen. Noch ist das Banner im Rathaus zu bewundern. Zum Internationalen Festival, bei dem Menschen aus über 120 Nationen gemeinsam feiern, wird es auf der Rückwand der Bühne am Gmünder Torplatz aufgehängt.

Wo drückt der Schuh?

Wird beim Internationalen Festival gemeinsam gefeiert, geht es eine Woche später darum, gemeinsam zu reden und auch unterschiedlichen Meinungen mit Respekt zuzuhören, sagt die Beauftragte für Chancengleichheit der Stadt Aalen, Uta-Maria Steybe. Unter dem Motto „Wann ist Integration eigentlich gelungen?“ lädt sie alle Bürger zu einer Veranstaltung am Freitag, 13. Juli, ab 16.30 Uhr ins Foyer des Rathauses ein. Nach einem Anfangsimpuls, bei dem OB Thilo Rentschler und Pfarrer Wolfgang Sedlmeier unter anderem der Frage nachgehen, wann Stadt und Kirche klare Kante zeigen und eindeutig Stellung beziehen müssen, sind die Bürger an der Reihe. „Wir wollen wissen, wo der Schuh drückt und was sie bewegt“, sagt Steybe. An fünf Tischen sollen die Themen Bildung und Sprache, Ausbildung und Arbeit, bürgerschaftliches Engagement, interkultureller und interreligiöser Dialog sowie die Teilhabe in der Gesellschaft erörtert werden. Die Ergebnisse werden dann in das neue Integrationskonzept der Stadt Aalen einfließen, das dem Gemeinderat im Herbst zur Beschlussfassung vorgelegt wird, sagt Steybe.

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