Aalen und Saint-Lô feiern ihre 40-jährige Städtepartnerschaft

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Ein Bild von Künstlerpfarrer Sieger Köder und eine Bericht über die Entstehung der Städtepartnerschaft waren die Geschenke der
Ein Bild von Künstlerpfarrer Sieger Köder und eine Bericht über die Entstehung der Städtepartnerschaft waren die Geschenke der Stadt Aalen für die französischen Gäste. Unser Bild zeigt von links Klaus Schilling, OB Thilo Rentschler, seinen Amtskollegen aus Saint-Lô, François Brière, Ulrich und Margret Pfeifle, Marie-Noël Dupuis und Françoise Lelandais. (Foto: Thomas Siedler)
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

„Die Partnerschaft mit Saint-Lô ist seit 40 Jahren ein leuchtendes Beispiel dafür, dass friedliches Zusammenleben in Europa funktioniert!“ Dies hat Oberbürgermeister Thilo Rentschler beim Partnerschaftsabend in der Stadthalle im Beisein der Vertreter aller Aalener Partnerstädte unterstrichen. Man dürfe sich aber nicht zurücklehnen und „nur“ zufrieden zurückblicken. „Es bleibt weiterhin ein Stück anstrengende Arbeit. Ja – es ist Arbeit und Verantwortung!“ Sein Amtskollege aus Saint-Lô, François Brière, sagte, man sei stolz auf das Erreichte und wolle den Weg der Vorgänger fortsetzen. Er schloss auf Deutsch: „Zum Geburtstag viel Glück!“

An der Partnerschaft mit Saint-Lô hätten viele Menschen aktiv gearbeitet, betonte Rentschler. Stellvertretend ehrte er dafür Marie-Noël Dupuis, deren verstorbener Mann Bernard als damaliger Bürgermeister die Städteverbindung besiegelt hatte, und Françoise Lelandais, deren Mann Michel sich viele Jahre der Partnerschaft angenommen hatte, sowie Hélène d'Aprigny, die als stellvertretende Bürgermeisterin und Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins für die Partnerschaft gearbeitet hatte. Zudem ehrte der OB die beiden Aalener „Gründerväter“ Ulrich Pfeifle und Klaus Schilling. Dank galt auch Hildegard Stehle und Hermann Schludi, die seit vielen Jahren den Aalener Städtepartnerschaftsverein leiten. Rentschler: „Ohne sie wäre die tiefe Verwurzelung der Partnerschaft in der Bevölkerung nicht möglich gewesen.“

Brautschau war nicht einfach

Diese Städteverbindung sei ein Beispiel dafür, dass sich Menschen in Europa aussöhnen und begegnen und Frieden und Freiheit miteinander genießen könnten. Dabei sei vor 40 Jahren die „Brautschau“ nicht einfach gewesen, sagte der OB weiter. Zuvor habe sich Aalen in Albi und Saint-Lô eine Abfuhr geholt. Was danach mit dem Schüleraustausch unter Klaus Schilling begonnen habe, sei gewachsen und habe sich zu einer aktiven Städtepartnerschaft entwickelt. Dabei gehe es nicht nur um Kontakte zwischen den Amtsträgern, die Partnerschaft habe vielmehr eine breite Basis in der Bevölkerung beider Städte.

Er sei überzeugt, fuhr der OB fort, dass seit 1978 die Ziele der damaligen Gemeinderäte erfolgreich praktiziert worden seien, nämlich die Verständigung über Grenzen hinweg, kulturelle Beziehungen und Gedankenaustausch zwischen Bürgern und Jugendlichen sowie eine Einigung Europas in Frieden und Freiheit.

Sein Kollege Brière sprach von einer fruchtbaren und lebendigen Partnerschaft, auch wenn der Anfang nicht einfach gewesen sei. Denn zuvor habe sich Saint-Lô in Merzig und Homburg im Saarland Absagen eingefangen. Der Gemeinderat von Saint-Lô habe mit der Verbindung mit Aalen den Wunsch nach Verständigung, kulturellen Beziehungen und einem Beitrag zu einem Europa in Frieden und Freiheit verbunden. Diese Ziele habe man erreicht und darauf sei man stolz. Er wünsche sich, dass die Partnerschaft weiterhin im Herzen der Bürger lebe. Dabei spiele die Jugend eine essenzielle Rolle. Die Partnerschaft sei durch sie erst entstanden und die Jugend gebe der Idee eines friedlichen Europa ein Gesicht.

Riesige Zustimmung der Bürger

Ehrenbürger und Alt-Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle sagte, dass die Partnerschaft sich in 40 Jahren als erstaunlich stabil erwiesen habe, liege an ihrem Fundament, nämlich der Verankerung in der Bürgerschaft. Das Europa der Bürger müsse von unten gebaut werden, und dazu bedürfe es eines ständigen Bemühens um die Partnerschaft.

Als sie vor 40 Jahren geschlossen worden sei, sei das auf riesige Zustimmung in der Bürgerschaft gestoßen. Als aber der seinerzeitige Bürgermeister Dupuis mit seiner Frau und seinen fünf Kindern in Aalen Urlaub gemacht habe, während sich die fünfköpfige Familie Pfeifle zur gleichen Zeit in der Partnerstadt in der Normandie erholt habe, sei dies auf völliges Unverständnis gestoßen. „Das konnten die Aalener nicht fassen!“ Schmunzeln fügte Pfeifle hinzu: „40 Jahre später ist das das Geschäftsmodel von Airbnb!“ Und als sie dann auch noch erfahren hätten, dass er während des Besuchs der französischen Gäste keinen einzigen Schrank abgeschlossen habe, sei für manche eine Welt zusammengebrochen.

Der Vorsitzende des Aalener Städtepartnerschaftsvereins, Hermann Schludi, erinnerte an die Ängste in den sechziger Jahren auf beiden Seiten des Rheins. Die Versöhnung zwischen beiden Völkern habe sich nicht einfach überstülpen lassen, die Idee von Europa habe nach und nach wachsen müssen. Heute reichten die Städtepartnerschaften weit über die Dimension der Versöhnung hinaus. Die deutsch-französische Freundschaft sei unumkehrbar und die Städtepartnerschaft zwischen Aalen und Saint-Lô habe Vorbildcharakter. Der Städtepartnerschaftsverein wolle diese Erfolgsgeschichte weiterschreiben und dabei auch neue Wege gehen. Aus der Erbfeindschaft von einst solle eine Erbfreundschaft werden.

Musikalisch umrahmt hatte die Feier das Duo Swing Affairs mit Reinhard S. Hiebel und Andreas Holdenried. Sie klang aus mit den Nationalhymnen von Frankreich und Deutschland und der Europahymne.

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