Aalen, Kiel und Antakya rücken zusammen

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Brüder- und Schwesterlichkeit, Frieden und wohlgesonnene Sicht – auf diesem Werte-Dreieck fußt die Brücke, die der Aalener Städ
Brüder- und Schwesterlichkeit, Frieden und wohlgesonnene Sicht – auf diesem Werte-Dreieck fußt die Brücke, die der Aalener Städtepartnerschaftsverein, der Kieler Arbeitskreis „Brücken bauen“ und der türkische Kulturverein Ukud aus Antakya / Hatay vereinbart haben. Den anderen Brückenpfeiler bilden die Städte selbst. Unser Foto zeigt (von links) Necmettin Colak und Adnan Tas von Ukud, Ulrich Kuder und Sükriye Bilgili(„Brücken bauen“), Roland Hamm (Städtepartnerschaftsverein Aalen), Klaus Onnasch und Marianne Kuder („Brücken bauen“). (Foto: Thorsten Vaas)
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In politisch angespannten Zeiten wollen sie Brücken bauen. Die Grundpfeiler dafür haben Aalen, Kiel und Antakya / Hatay nun erarbeitet. Auch Ideen haben der Aalener Städtepartnerschaftsverein, der Kieler Arbeitskreis „Brücken bauen“ und der türkische Kulturverein Ukud gesammelt.

Einer der Grundpfeiler sind die drei Städte selbst, denn „gemeinsam können wir mit unseren antakyanischen Freunden mehr erreichen, als wenn jeder alleine agiert“, sagt Roland Hamm vom Aalener Städtepartnerschaftsverein. Auf der anderen Seite fußt die Brücke auf den Werten Brüder- und Schwesterlichkeit, Frieden und wohlgesonnene Sicht – soll heißen: „Wir wollen uns auf Augenhöhe, mit Respekt und Akzeptanz gegenübertreten“, sagt Hamm, der die Delegationen aus Kiel und Antakya an einen Tisch in Aalen gebracht hat. Unter ihnen ist Klaus Onnasch vom Kieler Arbeitskreis „Brücken bauen“, dem nach dem Sieg Erdogans bei der Präsidentschaftswahl in der Türkei eines besonders wichtig ist: „Wir wollen vereint arbeiten und diejenigen unterstützen, die hinter diesen historisch gewachsenen Werten stehen.“

Konkrete Ziele sind beim Treffen des Aalener Städtepartnerschaftsvereins, von „Brücken bauen“ und Ukud entstanden, die sie nicht nur in, sondern mit ihrer gemeinsamen Partnerstadt Antakya / Hatay erreichen wollen. Sowohl Aalen als auch Kiel pflegen eine jahrelange Städtepartnerschaft mit Antakya. Ein gemeinsames Projekt sei nach gut 20 Jahren ein neuer Antakya-Reiseführer, der all die Geschichten, die wechselseitige geschichtlichen Bezüge und die Beweggründe der Zusammenarbeit vereine, sagt Hamm, wohlwissend, dass noch einige Zeit vergehen wird, bis der Reiseführer erscheint. Zunächst brauche es ein Konzept und einen Zeitplan.

Ausstellung „Kriegskinder“ wandert nach Kiel

Zudem soll die Aalener Ausstellung „Kriegskinder“, die das Schicksal syrischer Flüchtlingskinder in Antakya dokumentiert und in Zusammenarbeit zwischen der Aalener Stadtverwaltung und den „Aalener Nachrichten“ entstand, bald in Kiel zu sehen sein – „erweitert um die Hoffnung der Kinder“, sagt Onnasch, dessen Stadt wie auch Aalen in der Türkei eine Schule für Flüchtlingskinder finanziert hat. Die Ausstellung sei ein sichtbares Zeichen dafür, „dass sich das Engagement in Aalen und Kiel gelohnt hat“, sagt Hamm. Auch für die Expo, die 2021 in Hatay stattfindet, schmiedet die Gruppe Pläne. Geht es nämlich nach der türkischen Partnerstadt, sollen sich Aalen und Kiel an der Schau beteiligen, die sich um nachhaltiges Wirtschaften und Ernährung drehen wird. Nun prüfe man, ob eine Beteiligung zustande kommen kann.

All diese Zusammenarbeit soll keine Eintagsfliege sein. „Wir wollen die Kontakte weiterführen und ausbauen“, sagt Hamm. Und das nicht nur auf bürgerschaftlicher, sondern bestenfalls auch auf offizieller Ebene. Unter anderem wollen Aalen, Kiel und Antakya / Hatay eine Regionalkonferenz ins Leben rufen, um Städte zusammenzubringen, die wie Freiberg an Neckar Partnerschaften in die Türkei pflegen, oder wie Mannheim und Karlsruhe Projekte und Partnerschaften planen. Eben dieses Netzwerk, deren Basis am Freitag in Aalen gelegt wurde, sei ein gutes Modell für die Verständigung der Welt, glaubt Onnasch. „Christen, Juden, Muslime leben in Hatay in Frieden zusammen“, ergänzt Adnan Tas, der neben Necmettin Colak den vor zwei Jahren in Hatay gegründeten, internationalen Kulturverein Ukud vertritt. Partnerschaft und Freundschaften, Jugend- und Schüleraustausche fördert der Verein, er will helfen, die Kulturgeschichte Antakyas zu verstehen, die zeigt, dass Menschen verschiedener Religionen von alters her friedlich zusammenleben können. „Denn Antakya ist das Modell, wie man auf Fundamentalismus antworten kann“, sagt Onnasch.

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