35 Jahre Eckard Scheiderer: „Journalismus ist kein Job zum Ausruhen“

35 Jahre bei den Aalener Nachrichten/Ipf- und Jagst-Zeitung: Eckard Scheiderer ist an seinem Arbeitsplatz mit einem Frühstückskorb sowie einem Buch seitens der Geschäftsführung überrascht worden. (Foto: Lämmerhirt)
Leiter der Redaktionen Aalen und Ellwangen

Die Welt ist schnelllebig, die Arbeitswelt noch vielmehr, alles verändert sich gefühlt täglich. Stichwort: Digitalisierung. Alle Veränderung aber kommt nicht ohne gewisse Konstanten aus. Konstanten, an denen man sich bei aller Veränderung festklammern kann. Eine solche Konstante ist zweifellos Eckard „Ecki“ Scheiderer, sowohl im Aalener Stadtgeschehen, vor allem aber bei den „Aalener Nachrichten/Ipf- und Jagst-Zeitung“.

Der Fast-60-Jährige, in drei Wochen hat er Geburtstag, feiert an diesem 1. März sein 35. Dienstjubiläum. Einige seiner Kollegen sind noch nicht einmal so alt. Aber auch diese schätzen ihn als umgänglichen, fleißigen, fast immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht behafteten Kollegen, mit dem man immer wieder auch über andere Dinge als die Arbeit sprechen kann.

Und bei Schlagwörtern wie Veränderung, Digitalisierung oder Schnelllebigkeit kann Scheiderer nur müde abwinken, so viele Veränderungen hat der Wasseralfinger in den vergangenen 35 Jahren schon erlebt.

Ein Leben in Aalen

Nach seinem Geschichte- und Kunstgeschichte-Studium in Stuttgart absolvierte er sein Volontariat bei der „Schwäbischen Post“, ehe er dann am 1. März 1987 bei den „Aalener Nachrichten“ auf Raimund Contrael folgte, ebenfalls Wasseralfinger.

1983 hatte er seine Anita kennengelernt, die er 1985 heiratete. 1991 dann kam Tochter Jacqueline, und die Scheiderers sahen ein Leben auf der Ostalb vor, ein Leben in Aalen – wenngleich die Tochter nun am Bodensee lebt. Also heuerte er bei der „Aalener Volkszeitung“ an, wie sie damals noch hieß. Als freien Mitarbeiter kannte man ihn bereits.

Damals redigierte man die Texte noch auf Papier und schickte sie mit dem Kurierfahrer in die Zeitungstechnik nach Ellwangen. Später galt dann ein Faxgerät als letzter Schrei. Abends bastelten dann an der Jagst ein sogenannter „Umbruch-Redakteur“ und Metteure im Spätdienst die Seiten nach einer Art „Planskizze“ aus den ausbelichteten Texten zusammen.

Kunst als Ausgleich

Was nicht passte, wurde mit dem Skalpellmesser und geschickten Fingern passend gemacht. Das Prinzip war aber damals wie heute: Schnell musste es gehen, möglichst ohne Fehler. Mit der Kultur ist Scheiderer bei der „Aalener Volkszeitung“ gestartet. Er besuchte Ausstellungen, traf sich mit Künstlern, porträtierte diese.

Ohnehin ist die Kunst ein steter Begleiter Scheiderers. Bereits in den 80ern stellte er erstmals aus, bis die Ausstellungen irgendwann größer wurden. „Das ist ein guter Ausgleich zum ständigen Zwang des Schnellen. Das Malen bringt mir Ruhe“, sagt er. Dazu ist er der Wasseralfinger Kirchengemeinde Sankt Stephanus stark verbunden, hilft dort mit, wenn er gebraucht wird.

Bereits 1990 ging es für ihn nach Ellwangen. Johannes Müller, noch heute freier Mitarbeiter, bekam ein anderes Aufgabengebiet, Scheiderer musste einspringen. Vom Kulturberitt musste er sich dort dann verabschieden. „Da ging es dann quer durchs Gemüsebeet, mit Gemeinderäten und der Kommunalpolitik.

Was mich bis heute am Lokaljournalismus fasziniert, sind die Themen nahe an den Menschen.

Eckard Scheiderer, Redakteur

Aber ich habe da schon noch Ausstellungen besucht“, erinnert er sich. In Ellwangen blieb er 14 Jahre, ehe er 2004 wieder nach Aalen zurückkehrte. Damaliger Chef: Viktor Turad, ebenfalls heute noch als freier Mitarbeiter tätig. „Was mich bis heute am Lokaljournalismus fasziniert, sind die Themen nahe an den Menschen."

„Das bringt Reibung mit sich, die Spaß macht und die es auch zum Arbeiten braucht. Bei uns rufen die Leute an, beschweren sich oder loben – im Überregionalen machen sie das nicht“, sagt Scheiderer. Und das ist häufig intensiv.

„Journalismus ist kein Job zum Ausruhen. Du musst schnell sein, darfst aber nicht schlampern und manchmal weißt du morgens nicht, was du mittags machen musst.“ Dazu solle man nur schreiben, was man auch definitiv wisse, eine Maxime, die sich die „Schwäbische Zeitung“ ohnehin auf die Fahnen geschrieben hat.

Von Mauerfall bis Unesco

Themen gab es viele. In seinen Anfängen war es der Mauerfall, den man natürlich auch lokal gespielt hatte. Dann erinnert sich Scheiderer noch an die Diskussionen, ob denn nun eine Giftmüll-Verbrennungsanlage nach Hüttlingen oder eine Giftmüll-Deponie nach Zöbingen kommen solle.

„Aktuellstes Beispiel ist die Corona-Pandemie, mit der wir uns als Redakteure bereits seit zwei Jahren auseinandersetzen müssen“, sagt Scheiderer.

Für den kulturbegeisterten Wasseralfinger gab es ein Highlight, an das er sich noch genauestens erinnert. 2005 wurde der Obergermanisch-Raetische Limes in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen, Scheiderer konnte diesen „beeindruckenden Ablauf“ mit drei Ministerpräsidenten in der Aalener Stadthalle journalistisch begleiten.

Rückkehr nach Aalen

Noch einmal dann musste er beruflich wechseln – wieder aber nur intern. 2005 ging es noch einmal nach Ellwangen, wieder musste ein Loch gestopft werden. Scheiderer stopfte, ehe er 2011 dann endgültig nach Aalen zurückkehrte.

„Da bin ich dann wirklich stark in die Kommunalpolitik und die Entwicklung der Stadt eingetaucht. Immer aber auch stark kommentierend. Wir als Zeitung müssen Stellung beziehen“, so sein Verständnis.

Und das tut er. Regelmäßig. Und hoffentlich noch möglichst lange – so hoffen es die Kollegen und Vorgesetzten gleichermaßen, ob nun jung oder alt.

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Persönliche Vorschläge für Sie