20 Stunden Sex am Stück: Einrichtung kämpft gegen Zwangsprostitution

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Redakteurin/DigitAalen

Als erste ihrer Art in ganz Baden-Württemberg ist am Mittwoch die Solwodi-Beratungsstelle in Aalen eingeweiht worden. Solwodi steht für Solidarity with women in distress (deutsch: Solidarität mit Frauen in Not).

Im Erdgeschoss der Gartenstraße 133 tummeln sich viele Frauen und ein paar Männer. Lillet wird verteilt, Häppchen stehen auf dem Tisch, daneben liegen schwarze Flyer, auf denen mit roter Schrift steht: „20 Stunden Sex am Stück, oder Ivana sieht ihre Kinder nie wieder“.

Auf der Rückseite stellt sich die Organisation vor: „Bekämpfung des modernen Sklavenhandels“ steht da und ein Spendenkonto ist aufgeführt. In ganz Deutschland gibt es 19 Beratungsstellen. Die in Aalen wird geleitet von Marietta Hageney und Ingrid Krumm und steht unter der Schirmherrschaft von Landrat Klaus Pavel und Oberbürgermeister Thilo Rentschler.

Bei ihm seien eines Tages sehr engagierte Frauen aufgetaucht, sagte Landrat Pavel. „Mein Eindruck bei den ersten Infos war: Das kann doch alles gar nicht sein.“ Er gehöre zu denen, die vorher vieles nicht gewusst hätten.

Die Gesellschaft muss aufwachen und sagen, dass sie das so nicht haben wollen. Landrat Klaus Pavel

„Und ich glaube so geht es vielen Menschen.“ Er habe sich überzeugen lassen, dass es da ein gesellschaftliches Missachtungsproblem gebe und dass es Prostitution - sei es unbedingt notwendig das Wort Zwang“ davor zu setzen, fragte der Landrat und bekam spontan Beifall dafür - auch hier gebe.

Ostalb ist keine Insel der Glückseligkeit

„Als Landrat denkt man gerne, dass bei uns die Insel der Glückseligkeit ist.“ In diesem Punkt sei das nicht der Fall. „Das gibt es bei uns im Ostalbkreis genauso wie in anderen Problemgebieten Deutschlands.“ Und Deutschland sei nunmal das Land mit den freizügigsten Prostitutionsgesetzen. „Die Gesellschaft muss aufwachen und sagen, dass sie das so nicht haben wollen.“ Die Öffentlichkeitsarbeit sei hier ganz wichtig. Auch OB Rentschler machte den Frauen ein „Riesenkompliment“ zum Aufbau ihres Netzwerkes.

Hier müsse auch eine politische Botschaft gesetzt werden, sagte Bärbl Mielich, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration. Die Zahl der jungen Mädchen und Frauen, die anschaffen gehen müsse, steige auch in Europa. Neben den bulgarischen und rumänischen Frauen steige in jüngerer Zeit der Anteil der nigerianischen Frauen. Nur 30 Prozent der Frauen seien in der Lage sich zu befreien.

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