1:0! VfR Aalen überrascht auf dem Betzenberg

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 Später Held: Petar Sliskovic (rechts in der Jubeltraube) machte das Siegtor.
Später Held: Petar Sliskovic (rechts in der Jubeltraube) machte das Siegtor. (Foto: imago images)
Sportredakteur/DigitAalen

1. FC Kaiserslautern: Grill - Kraus, Sickinger, Hainault - Schad, Löhmannsröben, Albaek, Pick (76. Sternberg) - Bergmann (17. Zuck) - Thiele, Kühlwetter (83. Huth).

VfR Aalen: Bernhardt - Ristl (46. Büyüksakarya), Schoppenhauer, Rehfeldt, Funk (76. Schorr) - Geyer, Fennell, Papadopoulos - Sessa - Sliskovic, Schnellbacher (71. Morys).

Tor: 0:1 Sliskovic (88.). Schiedsrichter: Oliver Lossius (Sondershausen). Zuschauer: 18 317. Gelbe Karten: Hainault, Löhmannsröben, Sickinger, Kühlwetter - Rehfeldt, Ristl, Funk, Papadopoulos, Fennell.

Den Satz des Tages formulierte Mart Ristl. „Das war ein dreckiger Sieg – dreckiger geht es kaum“, erklärte der Rechtsverteidiger, der schon gar nicht mehr auf dem Platz stand, als ein gewisser Petar Sliskovic gar nicht so dreckig für den Siegtreffer sorgte. Ausgerechnet Petar Sliskovic. Zuletzt nicht gerade glücklich im Spiel und auch an diesem Samstag eher der unauffällige Arbeiter, aber lange Zeit unglückliche Stürmer.

Dass er auch anders kann, zeigte diese 88. Minute. Ein langer Ball von Matthias Morys über Rechtsaußen, der die richtige Entscheidung fällte lang zu spielen statt zu dribbeln, eine sehenswerte Ballannahme von Sliskovic im Strafraum, ein sich verschätzender Gegenspieler, der Ex-Heidenheimer Kevin Kraus, und ein eiskalter Abschluss der bewies, weshalb Sliskovic schon mal in der Bundesliga spielte.

1:0 für den VfR Aalen. Auf den Betzenberg. Beim 1. FC Kaiserslautern. „Grandios“, freute sich VfR-Trainer Rico Schmitt nach dem unerwarteten Auswärtssieg. Irgendwie ist der VfR als abgeschlagenes Schlusslicht der Tabelle der 3. Fußball-Liga ja zum Siegen verdammt, wie selbst FCK-Trainer Sascha Hildmann vor der Partie schon treffend feststellte. Und solche Siege wie dieses 1:0 (0:0) am Samstagnachmittag, an einer der Kultstätten des deutschen Fußballs, sind die schönsten im harten Abstiegskampf. Lange Zeit sprach nicht viel für den VfR – aber „Leidenschaft und Kampf“, wie Torschütze Sliskovic richtig analysierte oder „purer Wille“, wie Mittelfeldmann Royal-Dominique Fennell anmerkte. „Das ist eine Sensation“, formulierte er das, womit niemand, außer die daran glaubende Mannschaft gerechnet hatte.

Die Szene am Ende

Die Sliskovic-Szene, die spielentscheidende Szene, bahnte sich auch nicht unbedingt an, aus der Partie heraus gelang dem VfR nicht viel (Lautern allerdings auch nicht). „Als Stürmer musst du in die Szene kommen“, sagte Sliskovic, der vorher lange Zeit mit seinem Sturmpartner Luca Schnellbacher viel ackerte, denen aber beiden wenig gelang.

Er hatte seine Szene. „Ich freue mich sehr, dass er getroffen hat. Bei den Torchancen, die er hatte“, frohlockte sein Trainer. Damit meinte Schmitt nicht dieses Spiel, da hatte er keine, sondern eben nur diese eine. Er bezog das auf die vorangegangenen Partien. Die vier vor Lautern hatte der VfR auch nicht verloren, aber zuletzt auch nur drei Mal Remis gespielt. Danach schrie es am Samstag förmlich. Der FCK bekam wenig hin. „Ich bin wahnsinnig enttäuscht“, sagte ein sichtlich bedienter Hildmann und wollte lieber nicht nicht mehr sagen und brach seine Worte zum Spiel mit „okay, danke“ ab.

Lautern am Drücker

Diese wahnsinnige Enttäuschung drückte sich bei den treuen Fans auf dem „Betze“ in Form eines gellende Pfeifkonzerts aus, nachdem der VfR auch die Nachspielzeit überstanden hatte (in der der FCK aber auch nichts mehr hinbekam). „Das müssen wir uns selbst zuschreiben“, ärgerte sich FCK-Torwart Lennart Grill. Lautern war in der ersten Halbzeit noch mehr am Drücker, die Aalener hatten ihre Beschäftigung in der Verteidigung gefunden. Bei dem was aufs Tor flog, was eher halbwegs gefährlich war, stand ein durchweg konzentrierter VfR-Schlussmann Daniel Bernhardt im Weg. Ohne ihn hätte es in einer aus FCK-Sicht noch schlechteren zweiten Halbzeit in der 54. Minute allerdings 1:0 stehen können, wenn nicht sogar müssen. Nach einem kapitalen Ballverlust von Thomas Geyer konterte der FCK mit einem Mann, der 50-Meter-Sololauf von Timmy Thiele scheiterte aber am bravourösen Bernhardt.

Kurz davor hatte der VfR den Prä-Sliskovic-Moment, doch der frei stehende Patrick Funk jagte den Ball nach einem Pass in den Rückraum von Fennell in die später pfeifende FCK-Fan-Basis namens Westtribüne – dem gegenüber standen 300 lautstarke VfR-Fans. Mit dem Ball hatte nicht nur der FCK ein Problem, zu viele Verluste des Spielgeräts verhinderten weitere aussichtsreiche Aalener Angriffe. Ein Nullnull lag in aussichtsreicher Reichweite. Bis Sliskovic seine Torjägerqualitäten zu seinem dritten Tor nach seinem Winterzugang nachwies. 1:0 vor „geiler Kulisse“ (18 317 Zuschauer), wie Fennell befand. „Das tut uns gut“, gestand Morys ein. Dem ganzen Verein und einem Petar Sliskovic.

1. FC Kaiserslautern: Grill - Kraus, Sickinger, Hainault - Schad, Löhmannsröben, Albaek, Pick (76. Sternberg) - Bergmann (17. Zuck) - Thiele, Kühlwetter (83. Huth).

VfR Aalen: Bernhardt - Ristl (46. Büyüksakarya), Schoppenhauer, Rehfeldt, Funk (76. Schorr) - Geyer, Fennell, Papadopoulos - Sessa - Sliskovic, Schnellbacher (71. Morys).

Tor: 0:1 Sliskovic (88.). Schiedsrichter: Oliver Lossius (Sondershausen). Zuschauer: 18 317. Gelbe Karten: Hainault, Löhmannsröben, Sickinger, Kühlwetter - Rehfeldt, Ristl, Funk, Papadopoulos, Fennell.

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