0:1 – Der VfR Aalen scheitert an sich selbst

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 Die Aalener standen wieder mit Nichts da.
Die Aalener standen wieder mit Nichts da. (Foto: Thomas Siedler)
Sportredakteur/DigitAalen

VfR Aalen: Bernhardt - Ristl (46. Traut), Schoppenhauer, Rehfeldt, Funk, Fennell, Papadopoulos (72. Trianni), Sessa, Geyer, Schnellbacher (46. Andrist), Morys.

Hallescher FC: Eisele - Schilk, Heyer, Landgraf - Ajani, Bahn, Washausen, Manu (45. Pronitschew) - Lindenhahn (75. Arkenberg) - Sohm, Fetsch (87. Guttau).

Tor: 0:1 Ajani (45.+2). Zuschauer: 3015. Gelbe Karten: Sessa - Washausen, Lindenhahn, Ajani. Schiedsrichter: Sven Waschitzki (Essen).

Als Nicolas Sessa die Szene in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit noch einmal durchging, sparte er nicht mit Kritik. Mit Selbstkritik, wohlgemerkt. Mit einem Schuss Eigensinn beim Abschluss im Strafraum, der ihm vielleicht geholfen hätte, lag eine Führung des VfR Aalen im Bereich des Möglichen.

„Da muss ich ganz klar schießen. Ich muss egoistischer vor dem Tor sein. Da habe ich die falsche Entscheidung getroffen. Ich habe auch einen guten Schuss und muss den Ball mit Überzeugung rein hämmern“, erklärte der Offensivwirbler, und da hatte sein Trainer Rico Schmitt noch nicht einmal einen Satz dazu gesagt. Er sagte es später aber auch: „Nicolas Sessa kann schießen, er hat einen tollen Abschluss und man kann sagen, er legt die Verantwortung ab“, befand Schmitt. Generell befand er, in Anbetracht von mehreren verpassten Schussmöglichkeiten im Spiel: „Schießen ist nicht verboten, das gehört zum Fußball dazu.“

Diese Szene, die sich wieder einmal in einer Nachspielzeit zutrug, hatte noch einen negativen Ausgang. Im Gegenzug schlug der Hallesche FC, wenn auch „glücklich“, wie Trainer Torsten Ziegner hinterher anmerkte, zu. Mit einem auch noch von Kapitän Clemens Schoppenhauer abgefälschten Flachschuss von Marvin Ajani zischte der Ball vorbei an Daniel Bernhardt in das Tor. 0:1 – das war es. „Prägend“, wie Schmitt anmerkte zu dieser Szene. Wobei: Es gab vorher und nachher noch genug Chancen für den VfR, der weil er sie zu oft vergibt, aus seiner misslichen Lage einfach nicht herauskommt. Das 0:1 (0:1) des Schlusslichtes der 3. Fußball-Liga aus Aalen in einem hart umkämpften Duell gegen Schmitts Ex-Klub, den Aufstiegskandidaten aus Halle, lässt die Hoffnung auf den Klassenverbleib weiter schwinden.

Und an diesem Sonntag mussten Sessa, Bernhardt und Co. mit diesem ärgerlichen 0:1 statt mit einem 1:0 in die Kabine. Und später dann wieder. Sessa und Bernhardt kamen wieder heraus. Erstgenannter weiß, dass sich die Situation zugespitzt hat. „Für uns ist es schwer. Wir versuchen alles zu geben“, merkte Sessa an – er kassierte aber seine fünfte gelbe Karte und wird beim nächsten schweren Spiel beim Karlsruher SC an diesem Mittwochabend nicht mithelfen können. Der Abstieg rückt nach dieser Heimniederlage näher, viele Beobachter sagen, es ist schon so weit. Wenngleich, rein rechnerisch ist noch alles möglich, doch bei noch elf verbleibenden Spielen wird die Zeit extrem knapp bei neun Punkten Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz.

Meister der Effektivität

Wie ein Absteiger traten die Aalener vom Engagement her an diesem windigen, regnerischen Sonntag nicht auf. Der VfR kam nach einer Schrecksekunde nach Bernhardts Ausrutscher nach drei Minuten gut ins Spiel, gewann Kontrolle, versuchte viel, hatte die Chancen – siehe diese Szene um Sessa. Der entschied sich übrigens quer auf Thomas Geyer zu legen, der noch einmal quer legte zu Matthias Morys, in der Folge entwickelte sich der Konter zum entscheidenden Tor.

Ganz ungefährlich waren auch die Hallenser in ihrer besseren zweiten Halbzeit nicht, einmal musste Bernhardt seine ganze Klasse zeigen im Eins-gegen-Eins-Duell gegen Toni Lindenhahn nach einer guten Stunde. Und musste hinter beklagen: „Halle macht aus zwei Chancen ein Tor. Das ist der große Unterschied.“ Der Meister der Effektivität hat eben wieder zugeschlagen. „Traurig, dass Halle mit seiner destruktiven Spielweise als Sieger vom Platz“, sagte Jörg Mangold, VfR-Aufsichtsratsvorsitzender. „Es gehört im Fußball auch mal dazu dreckig zu gewinnen. Da tut der Wille natürlich sein übriges. Es war schwer bei dem Wind hier gescheit zu spielen, aber am Ende ist uns das dann auch egal“, erklärte Torschütze Ajani gegenüber „Magenta Sport“.

Um gegen den Zweitliga-Kandidaten zu gewinnen, was in der Retroperspektive gesehen durchaus im Bereich des Möglichen war, nahm Schmitt im Vergleich zum 0:4 in Münster zwei Veränderungen in der Startelf vor: Für Sascha Traut begann Mart Ristl als Rechtsverteidiger, für Peter Sliskovic (verletzt) kehrte der Ex-Hallenser Royal-Dominique Fennell zurück. Nach späteren Verletzungen von Ristl (Sprunggelenk) und Luca Schnellbacher (Fuß) musste der Coach zur Pause wieder umbauen. Zum Beispiel kam Stephan Andrist, der zwei Mal vergab und auch sonst wenig zum möglichen Aufschwung beitrug. Sessa versuchte da schon mehr, auch wenn er nicht immer die richtige Entscheidung traf.

Aalen -

VfR Aalen: Bernhardt - Ristl (46. Traut), Schoppenhauer, Rehfeldt, Funk, Fennell, Papadopoulos (72. Trianni), Sessa, Geyer, Schnellbacher (46. Andrist), Morys.

Hallescher FC: Eisele - Schilk, Heyer, Landgraf - Ajani, Bahn, Washausen, Manu (45. Pronitschew) - Lindenhahn (75. Arkenberg) - Sohm, Fetsch (87. Guttau).

Tor: 0:1 Ajani (45.+2). Zuschauer: 3015. Gelbe Karten: Sessa - Washausen, Lindenhahn, Ajani. Schiedsrichter: Sven Waschitzki (Essen).

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