Öffentlicher Dienst: Warnstreik trifft auf breiter Front

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Das Schild mit der Aufschrift „Warnstreik!“ begrüßte am Donnerstag die Besucher am Eingang des Aalener Rathauses.
Das Schild mit der Aufschrift „Warnstreik!“ begrüßte am Donnerstag die Besucher am Eingang des Aalener Rathauses. (Foto: Eva-Marie Mihai)
Schwäbische Zeitung
Redakteurin/DigitAalen

Wer am Donnerstag im Bürgeramt des Aalener Rathauses einen Personalausweis oder Reisepass beantragen wollte, hatte Pech. Aufgrund des Warnstreiks, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte, war das Bürgeramt der Stadt geschlossen. Auch die geplante Fundsachenversteigerung fiel deshalb ins Wasser.

Dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi, die Arbeit niederzulegen und zur zentralen Kundgebung nach Ulm zu fahren, sind am Donnerstag etliche Beschäftigte im Öffentlichen Dienst gefolgt. Der Betrieb im Aalener Rathaus war deshalb eingeschränkt. Der Unmut der Bürger habe sich aber in Grenzen gehalten, sagt Karin Haisch, Pressesprecherin der Stadt Aalen, auf Nachfrage der „Aalener Nachrichten“. Einige Anrufer seien zwar ungehalten gewesen, weil sie wegen des Warnstreiks nicht weiterverbunden werden konnten, aber im Großen und Ganzen seien die Reaktionen relativ gelassen gewesen.

Auch die Befürchtung, dass zahlreiche Bürger wegen der verschlossenen Türen des Bürgeramts, des Bürgerbüros Bau und des Ausländeramts zornig von dannen ziehen, sei nicht eingetreten. Vielmehr sei die Besucherfrequenz im Rathaus deutlich geringer als an normalen Tagen gewesen, sagt Haisch und führt dies darauf zurück, dass die Ankündigung des Warnstreiks viele Menschen erreicht habe und sie deshalb ihre Termine verschoben hätten.

Eine Alternative für die Betreuung ihrer Kinder mussten sich die Eltern im Vorfeld des Warnstreiks überlegen. Denn auch in den städtischen Kindertagesstätten Milanweg, Zochental und Hokuspokus legten die Beschäftigten ihre Arbeit nieder, um auf den Missstand der geringen Bezahlung im Öffentlichen Dienst aufmerksam zu machen. „Eine Notfallbetreuung konnten wir nicht anbieten“, sagt Haisch. Die Eltern seien allerdings Tage vorher vom Amt für Soziales schriftlich darüber informiert worden, dass an diesem Tag die Betreuungseinrichtungen geschlossen sind. Rechtzeitig kommuniziert haben auch die Stadtwerke Aalen, dass das Hallenbad einschließlich Sauna und Fitnessraum aufgrund des Warnstreiks am Donnerstag geschlossen hat.

Notdienst für Patienten

Am Donnerstag nicht gearbeitet haben auch rund 60 Mitarbeiter im Ostalb-Klinikum. „Mit der Gewerkschaft Verdi wurde wie auch bei den vergangenen Streikmaßnahmen eine Notdienstvereinbarung getroffen. Darin werden Mindest-Personalbesetzungen für die Bereiche definiert und festgelegt“, sagt der Pressesprecher des Ostalb-Klinikums, Ralf Mergenthaler. Dies könne beispielsweise bedeuten, dass eine Station am Streiktag nur mit einer Wochenendbesetzung arbeitet, was in den betroffenen Bereichen zu längeren Wartezeiten führen kann. Beschwerden habe es deshalb am Donnerstag allerdings nicht gegeben, sagt Mergenthaler.

Nicht gestreikt wurde im Landratsamt Ostalbkreis. Und das obwohl hier zwei Drittel der 1900 beschäftigten Köpfe tariflich Beschäftigte sind. Da allerdings nur ein sehr geringer Anteil von ihnen in der Gewerkschaft ist, blieben Arbeitsniederlegungen aus. „Alles ging seinen gewohnten Gang“, sagt die Pressesprecherin des Landratsamts, Susanne Dietterle.

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