Tolle, kräftige, sanfte und ausdrucksvolle Stimme: Lia Reyna (Verena Köder) eröffnete am Klavier mit selbst komponierten Songs
(Foto: Markus Lehmann)
Markus Lehmann

Mit einer Kunstausstellung im Bürgerhaus sind die 44. Wasseralfinger Festtage eröffnet worden. Auch in der 43. Auflage ist die „Kunst zum Fest“ wieder für eine Überraschung gut. Nicht umsonst heißt die Ausstellung des Stadtverbands für Sport und Kultur von Jan-Hendrik Pelz „Bilder mit doppeltem Boden“: Denn die offenbaren sich erst bei genauer, zweiter Betrachtung. Dann aber umso intensiver.

Der flüchtige Blick irritiert: Hat da einer nur eine großformatige Fotografie am PC bearbeitet und das wesentliche „verpixelt“? Der zweite Blick ist’s der zählt. Der junge Künstler, aber bereits mehrfache Kunstpreisträger malt höchst akribisch und klassisch in Öl, aus den Pixeln werden gemalte Mosaike und Farbflächen, die genau Bezug auf die Landschaft nehmen. Aus dem scheinbar Unscharfen, aus dem „Fehler“ einer vermeintlichen Fotografie wird plötzlich ein neues Bild mit neuer Bildsprache. Und die hat durchaus eine Botschaft, die der Betrachter selbst definieren und interpretieren kann. Wie etwa das „Selbstporträt vor der Zentrale der NSA“ in Stuttgart-Vaihingen. Pelz arbeitet aber nicht nur mit diesen Entfremdungen wie etwa beim grafisch angeordneten Bild „Moderne Landschaft“, sondern auch bei dem „Junge mit Lampe“ oder „Zwei“ mit eigentümlichen Stimmungen und ausgesuchter Farbwahl. Auf den Punkt bringt das Hermann Schludi bei seinen Anmerkungen zur Vernissage so: „Es sind Bilder höchsten handwerklichen Könnens. Es sind sehr eigenständig kreierte Arbeiten. Aber noch mehr als das, es sind Tableaus, die sich bei aller qualitätsvoller Präsenz gleichzeitig selbst in Frage stellen. Sie reflektieren ihre eigene Glaubwürdigkeit vor dem Hintergrund heutiger gesellschaftlicher Seh- und Wahrnehmungserfahrungen.“

Begleitet hatte die Ausstellungseröffnung Lia Reyna (Verena Köder) am Klavier mit ihrer wunderschönen, voluminösen wie sanften Stimme und Titeln wie „The forest“ oder „Give me something like Hollywood“. Mit einer originellen und durchaus launig-hintersinnigen Ansprache hatte Michael Ruoff (Vorstandsmitglied im Stadtverband für Sport und Kultur) die ersten Gäste begrüßt, darunter auch Oberbürgermeister Thilo Rentschler und Ortsvorsteherin Andrea Hatam. Rentschler hatte dem Stadtverband zu dem „grandiosen Festprogramm“ bis Sonntagabend gratuliert und den Stadtverband die „größte Bürgerbewegung“ genannt. Auf sie könnten die Wasseralfinger völlig zu Recht stolz sein.

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