Sierra Hull und Ethan Jodziewicz haben im Wasseralfinger Schloss neue Freunde gefunden.
Sierra Hull und Ethan Jodziewicz haben im Wasseralfinger Schloss neue Freunde gefunden. (Foto: Thomas Siedler)

„Happy melodies, depressive lyrics“ – Fröhliche Melodien und deprimierende Texte. Mit einem Augenzwinkern hat Sierra Hull aus Byrdstown, Tennessee, das zusammengefasst, was ihrer Meinung nach Bluegrass ausmacht.

Aber Spaß beiseite. Der für die Veranstalter sprechende Joachim Wagenblast hatte im Innenhof des Wasseralfinger Schlosses in seiner Begrüßung der knapp 100 durchaus fachkundigen Zuschauer nicht zu viel versprochen: nämlich einen Gegenentwurf zur Massenkultur, „etwas für den feinen Geschmack“.

Sierra Dawn Hull, 27-jährige Mandolinistin, hat früh den Stempel „Wunderkind“ abbekommen. Und es ist der richtige Stempel. Meisterlich beherrscht sie das sicher nicht einfache Instrument, von dem sie gleich drei verschiedene mitgebracht hatte: eine elektrische, Jahrgang 1964, ein Oktavmandoline, die dank doppelter Saitenzahl etwas voller klingt, und ihr Prachtstück, die Standard-Mandoline, die sie als Achtjährige von ihrer Großmutter geschenkt bekam.

Wer klassischen Bluegrass, also ländliche Volksmusik mit Banjo, Fiddle und Yeehaw erwartetet hatte, der drehte verdutzt den Kopf Richtung Bühne. Hull und der nicht minder beschlagene Kontrabassist Ethan Jodziewicz boten etwas ganz Eigenständiges. In manchen Arrangements war Bach rauszuhören, in anderen Straßenmusik, das Repertoire reichte von Bluegrass-Traditionals über Loretta-Lynn-Countrystücke bis hin zu „Mad world“ von Tears For Fears mit der passenden Textzeile „I find it kind of funny, I find it kind of sad“.

Die Stücke erzählen Geschichten – Tragisches, Trauriges. Nicht umsonst heißt ihr aktuelles Album „Weighted Mind“, was sich grob mit „beladenem Geist“ übersetzen lässt. Trotzdem: Vom ersten Stück an hatte sie das Publikum mit ihrer sympathischen Art auf ihrer Seite, übte sich fleißig in der korrekten Aussprache von „Woserolfinga“.

In guter Erinnerung wird ihr – neben dem dankbaren Publikum und der malerischen Kulisse – zudem das Chili con carne bleiben, das Joachim Wagenblast eigens zum Bluegrass-Abend gekocht hatte. „Es muss gut sein“, freute sich der Koch, „der Bassist hat drei oder vier Teller gegessen.“ Guten Appetit.

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