Winfried Burr an der Geige und Siegfried Klaiber an der Gitarre ließen das Publikum im Fachsenfelder Schloss an ihrer Auffassung
Winfried Burr an der Geige und Siegfried Klaiber an der Gitarre ließen das Publikum im Fachsenfelder Schloss an ihrer Auffassung von Blues teilhaben. (Foto: Peter Schlipf)

„Blues and more“ war angekündigt, im Freien sogar. Aber das Duo Burr & Klaiber musste am Sonntagabend auf Schloss Fachsenfeld dem Wetter Tribut zollen. Sicherheitshalber fand das Konzert im Trockenen in der Pleuer-Galerie statt. „Das Open Air müssen sie sich im Herzen denken“, begrüßte Winfried Burr das Publikum. Gut 50 Zuschauer erlebten allerdings eher „More“ statt Blues.

Der aus Heidenheim stammende Winfried Burr (Geige, Gesang) und Siegfried Klaiber (Gitarre, Gesang) machen keinen Blues, sie machen „More“, mehr eben. Beispiel gefällig? Kurz vor der Pause stimmen sie den 60er-Jahre-Nilsen-Brothers-Schlager „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“ an. „Dieser Schlager hat so viel Blues“, kündigt Burr lachend an. Gut, da kann man geteilter Meinung sein.

Aber eins steht fest: Burr & Klaiber beschränken sich nicht auf klassische Blues-Literatur. Auch wenn etwa Bill Withers’ „Ain’t no sunshine“ ansatzweise dieser Kategorie zuzuordnen ist. Die beiden erfahrenen Musiker reißen nunmal gerne die Grenzen zwischen den Genres ein, Soul, Jazz, Schlager, Blues, gerne auch Folk – whatever. Dass dieser Ansatz bestens funktioniert, das bewies nicht nur Klaibers Version von „Spinning Wheel“ von Blood Sweat & Tears. Kaum zu glauben, aber man kann ein eigentlich bläserlastiges Soulstück auch überzeugend auf einer Akustikgitarre spielen, Klaiber meistert auch die waghalsigsten Griffkombinationen.

Auch Burrs Geige hat viel zu leisten. Als Soloinstrument in den Folknummern wie „Alle Zeit der Welt“ gleich zu Beginn oder „Frühlingserwachen“ fügt sie sich wie selbstverständlich in die sphärischen, verträumten Klänge ein. Aber bei den Bluesnummern, da muss Burr alles aus seinem Instrument herausholen. Fast wie eine E-Gitarre tobt die Geige über den Akkorden von Siegfried Klaiber. Schließlich hatten sie ja „Blues and more“ versprochen – nicht mehr und nicht weniger.

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