Tontarra für soziales Engagement ausgezeichnet

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Freuten sich über die Auszeichnung, von links: Thomas Dautel, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenni
Freuten sich über die Auszeichnung, von links: Thomas Dautel, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen, Klaus Schellenberg, Wurmlingens Bürgermeister, Antje Tontarra, Personalabteilung Tontarra, Roland Klinger, KVJS-Ver (Foto: Alexandra Schneid)
Schwäbische Zeitung

Das Medizintechnikunternehmen Tontarra aus Wurmlingen ist am Montagnachmittag vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) Baden-Württemberg als beispielhaft behindertenfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet worden. Die Firma beschäftigt acht Menschen mit Behinderung, die in allen Bereichen des Unternehmens tätig sind.

Die beiden Geschäftsführer Alberto Petrella und Thomas Tontarra freuten sich bei einer Feierstunde in den Räumen des Medizintechnikunternehmens über die Urkunde. Petrella meinte, dass es Vorurteile gebe und Behinderung oft als Belastung gesehen werde. Menschen mit Behinderungen könnten aber eine „wertvolle Bereicherung“ sein. Und Tontarra sagte: „Die Auszeichnung ist nicht alltäglich.“

Das zeigen auch die Zahlen, die Roland Klinger, Verbandsdirektor des KVJS, vorstellte: In Baden-Württemberg gebe es knapp 22 000 Unternehmen mit mehr als 20 Arbeitsplätzen, die gesetzlich verpflichtet wären, schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Mehr als die Hälfte erfülle die Pflicht nicht oder nur unzureichend. Im Landkreis Tuttlingen betreffe das etwa 160 von rund 400 beschäftigungspflichtigen Firmen.

Thomas Dautel, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen, berichtete, dass es in jenem Bereich der Agentur für Arbeit mehr als 500 Menschen mit schwerer Behinderung ohne Beschäftigung gebe. Ziel sei, sie zu integrieren. „Für Menschen mit Behinderung ist die Arbeit der Schlüssel zur Unabhängigkeit, zum selbstbestimmten Leben und zur Anerkennung in der Gesellschaft“, sagte er.

Praktikum ebnet Weg

Seit einigen Jahren sind acht Menschen mit Behinderung bei Tontarra beschäftigt, drei haben eine feste Bezugsperson, „ohne die es nicht funktionieren würde“, wie Antje Tontarra von der Personalabteilung sagt. Zwei der drei hätten 2012 über die Lebenshilfe ein Praktikum im Unternehmen gemacht und seien seither fester Bestandteil des Mitarbeiterteams, berichtete Tontarra im Gespräch mit unserer Zeitung. Eine weitere Mitarbeiterin, sie ist seit 2013 im Unternehmen, habe sich damals aus eigener Initiative gemeldet und unterstütze seither das Team. Tontarra sagte: „Sie sind in den Bereichen Beschriftung und Verpackung, Zerspanung und Montage tätig.“

Auch Wurmlingens Bürgermeister Klaus Schellenberg gratulierte dem Unternehmen zu der Auszeichnung. Cyra Scharnberger von der Lebenshilfe merkte an, dass „Behinderung allen passieren“ könne und sich die Lebenshilfe einsetze, Menschen mit Behinderung passende Tätigkeiten zu vermitteln.

Die Auszeichnung als beispielhaft behindertenfreundlicher Arbeitgeber wird seit 1995 verliehen und würdigt besonderes soziales Engagement. In der Jury sitzen Vertreter von Gewerkschaft, Arbeitgebern, VdK und KVJS. Jährlich werden vier bis fünf Unternehmen ausgezeichnet. Tontarra ist mittlerweile das fünfte Unternehmen im Landkreis Tuttlingen, das die Ehrung erhielt. Die weiteren Unternehmen sind: Werma Signaltechnik Rietheim-Weilheim (2007), Marquardt Rietheim-Weilheim (2011), die Stadt Tuttlingen (2013) und SDN Präzisionstechnik Denkingen (2015).

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