Lehrer fordern mehr Bedeutung für Gemeinschaftsschulen

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 Schulleiterin Stefanie Müller (links) diskutiert mit Dorothea Wehinger, grüne Landtagsabgeordnete im Wahlkreis Singen, über die
Schulleiterin Stefanie Müller (links) diskutiert mit Dorothea Wehinger, grüne Landtagsabgeordnete im Wahlkreis Singen, über die Situation an der Konzenbergschule in Wurmlingen. (Foto: Alexandra Schneid)

Bei ihrem Besuch der Konzenbergschule Wurmlingen am Montag hat Dorothea Wehinger, grüne Landtagsabgeordnete im Wahlkreis Singen und Betreuungsabgeordnete im Landkreis Tuttlingen, nicht nur einen Einblick in den Alltag der Gemeinschaftsschule bekommen. Die Schulleitung sowie Lehrkräfte sprachen auch an, wo der Schuh bei ihrer Arbeit drückt.

Bei dem Rundgang durch die Schule schaute sich Wehinger die Räume der Ganztagsschule sowie der Krippe an und bekam beim Unterrichtsbesuch einen Eindruck, wie die Schüler lernen. Schulleiterin Stefanie Müller informierte, dass die Schüler der Konzenbergschule bis von Böttingen und Geisingen nach Wurmlingen kämen. Zudem bestünden langjährige Verbindungen zu Mutpol und zur Einrichtung in Heiligenbronn. Eine Schulsozialarbeiterin sei an der Gemeinschaftsschule ebenso im Einsatz.

Fehlende Standards bei der Leistungsbewertung

Bei einem anschließenden Gespräch bemängelte Müller, dass es keine Standards bei der Verbalbeurteilung der Schüler gebe. „Es gibt keine Standards, wie die Note in Worte ausgedrückt werden kann“, kritisierte sie. Und das hat Folgen für die Schüler. Aus Erfahrung berichtete ein Schulmitarbeiter, dass manche Ausbildungsbetriebe Zeugnisse mit Noten gewohnt seien und die Verbalbeurteilungen schwer einordnen könnten.

Das sorge für Verunsicherung bei den Eltern und stärke wiederum die Stellung von Realschulen und Gymnasien. Gleichwohl hält er an dem Angebot der Schule, Jugendliche bei der Berufsorientierung zu unterstützen und zu begleiten, fest. Dieses Angebot soll fortgeführt werden, forderte er.

Wurmlingens Bürgermeister Klaus Schellenberg wünscht sich eine verlässliche Aussage zur Zukunft der Gemeinschaftsschule. „Die Investitionen sollen nachhaltig sein. Deshalb brauchen wir Klarheit“, bekräftigte er. Gleicher Meinung ist Konrektorin Helgrid Kager-Kunze. Sie bemängelte zudem, dass Gemeinschaftsschulen in Diskussionen kaum noch eine Rolle spielten.

Wehinger entgegnete, sie sei überzeugt von dem Konzept der Gemeinschaftsschulen und schätze den Einsatz der Lehrer. Sie hob die Bedeutung der Gemeinschaftsschulen hervor und sieht es als Aufgabe des Landes Baden-Württemberg, ein gemeinsames Konzept auf die Füße zu stellen. Eine Lehrerin meinte, es sei zwar gut, was Wehinger sage, aber: „Wir an der Basis merken davon nichts.“ Und das trage nicht unbedingt zur Motivation bei. Auch die Bezahlung müsse fair geregelt werden.

Laut Müller würden manche Lehrer trotz gleicher Arbeit unterschiedlich bezahlt. Wehinger kennt das Problem. Sie findet, dass die Bezahlung nicht zu gering sei. Einen Vergleich mit den Gehältern aus der Wirtschaft dürfe man nicht ziehen. Aber als Lehrer hätte man auch Vorteile, beispielsweise die Ferien.

Bezahlung liegt unterhalb des Mindestlohns

Schellenberg regte an, dass die Bezahlung von Ehrenamtlichen, die sich im Rahmen des Jugendbegleiterprogramms des Landes Baden-Württemberg für Bildungs- und Betreuungsangebote außerhalb des Unterrichts engagieren, nicht mehr zeitgemäß sei. 7,50 Euro seien zu wenig. Kager-Kunze fügte hinzu, dass Lehrbeauftragte vom Schulamt lediglich sieben Euro bekämen. „Das ist weniger als der Mindestlohn“, sagte sie. Bernhard Jäger von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg (GEW) wollte wissen, wie das Thema Teilzeit künftig gehandhabt werde, nachdem Kultusministerin Susanne Eisenmann angekündigt hat, die Teilzeit einschränken zu wollen.

Wehinger entgegnete, dass sie Eisenmann in diesem Punkt teils verstehen könne. Ein Lehrer, der nur wenige Stunden arbeitet, könne nicht als Klassenleiter eingesetzt werden. Andererseits kenne sie den Trend zur Teilzeit. „Es ist ein Umdenken da“, stellte sie fest und schlug ein Treffen mit Eisenmann vor. Wehinger versprach, die Anliegen der Gemeinschaftsschule Wurmlingen weiterzugeben, fügte aber hinzu: „Ich kann nicht zaubern.“

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