Die GEMA, also die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“, kümmert sich grob gesa
Die GEMA, also die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“, kümmert sich grob gesagt darum, dass die Urheber von Musik bei Abspielen der Musik vergütet werden. (Foto: sbo)
Schwäbische Zeitung

Die GEMA, also die "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte", kümmert sich grob gesagt darum, dass die Urheber von Musik bei Abspielen der Musik vergütet werden. (

Villingen-Schwenningen (nk/sbo) - Der Aufschrei ist groß gewesen, als die Weihnachtsmärkte in Villingen-Schwenningen wegen hoher Gema-Kosten plötzlich ohne Musik aus Lautsprechern stattfanden. Ein „Opfer“ der Gema blieb indes von vielen unbemerkt: die Eisdisco auf der Schwenninger Kunsteisbahn.

Viele Jahre gab es die Veranstaltung auf der Eisfläche. Für Jung und Alt hieß es ein Mal im Monat: Schlittschuhe an und zu heißen Rhythmen ab aufs Eis.

Die Discoveranstaltung gibt es jedoch seit etwa drei Jahren nicht mehr. Und auch in der komplett erneuerten Eiskunsthalle wird es sie - zumindest in der einstigen Form - nicht mehr geben. Diese Auskunft gab Klaus Hässler, Geschäftsführer der Kunsteisbahn (KEB) GmbH, jüngst in einem Pressegespräch. Als Grund nannte er die immensen Kosten, die durch Gema-Gebühren anfallen würden. Pro Veranstaltung müssten 1800 Euro gezahlt werden. Um das in Relation zu betrachten: Die jährliche Gema-Pauschale, die für Musik während der allgemeinen Eislaufzeit anfällt, liegt bei knapp 3000 Euro. Für jede Eisdisco also 1800 Euro on top zu zahlen, das ist laut Hässler einfach nicht rentabel. Er ist dennoch zuversichtlich, dass statt der Eisdisco ein anderes Angebot in derselben Richtung gefunden wird: „Wir lassen uns etwas neues einfallen“, sagt Hässler. So hat die neue Eishalle sogar extra eine Partybeleuchtung bekommen.

Die Resonanz auf die Wiedereröffnung der Eishalle sei indes „überwältigend“ gewesen, berichtet der Geschäftsführer. „Die haben uns richtig überrannt.“ Eine Einweihung, besser gesagt einen Tag der offenen Tür, soll es im Dezember am Standort geben, wenn dann auch die Sanierung der Curling-Halle abgeschlossen ist.

Doch zurück zum alten Aufregerthema „Musik auf den Weihnachtsmärkten in Villingen-Schwenningen“. Dort ist alles wie gehabt - diese Auskunft gibt Ulrich Cramer, Pressesprecher der Messe- und Ausstellungs-GmbH. Bedeutet: Weiterhin gibt es keine weihnachtliche Musik aus Lautsprechern. Die Messegesellschaft richtet die Märkte seit 2013 aus. Seit 2015 verzichtet sie auf die Allgemeinbeschallung. Damals hatte die Gema die Gebühren erhöht, auf 3800 statt wie zuvor 1800 Euro.

Man habe keinen neuerlichen Kontakt zur Gema zwecks Verhandlung von Lautsprechermusik-Gebühren gesucht, berichtet Cramer. Stattdessen setze die Messe- und Ausstellungs-GmbH weiterhin auf das Musikprogramm auf den Bühnen. Für die dortigen Auftritte von Posaunenchören, Kindergärten und Co. würden Gema-Gebühren bezahlt, versichert Cramer weiter. Hierzu würde der Gema standardmäßig eine Liste mit den gespielten Liedern eingereicht. Je nach Liederauswahl falle dann eine höhere oder niedrigere Gebühr an.

Dass über Lautsprecher gemafreie Musik gespielt wird, schließt die Messegesellschaft indes weiterhin aus. Ansonsten könnten sich die Anwohner an der sich immer wieder wiederholenden Liedauswahl stören - so die Begründung. Ob die Wiederholungen aber wirklich für Beschwerden sorgen würden? Diese Antwort bleibt der Weihnachtsmarktveranstalter schuldig - bei Anwohnern nachgefragt hat er nämlich bisher laut eigener Auskunft nicht. Dies sei auch gar nicht möglich, da es so viele Beteiligte gäbe, meint Cramer. Er weist darauf hin, dass auch große Weihnachtsmärkte anderenorts - etwa Konstanz oder Mannheim - ohne Allgemeinbeschallung stattfinden. Indes stehe es den Standbetreibern in Villingen-Schwenningen ja frei, für ihre Stände jeweils Gema zu bezahlen und individuell Musik abzuspielen.

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