Viel Herzblut in Moleküle & Co.
Viel Herzblut in Moleküle & Co. (Foto: sbo)
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„Professor Doktor Magnus Schmidt“, so steht es an der Tür im Gebäude C der Hochschule Furtwangen University, Campus Schwenningen. Im zweiten Obergeschoss, in der Fakultät Medical and Life Sciences, befindet sich das Zimmer des studierten, promovierten und mittlerweile an die HFU berufenen Chemikers, das seit September vergangenen Jahres zu seiner zweiten Heimat geworden ist.

Hier sitzt Magnus Schmidt und bereitet seine Vorlesungen rund um die chemischen Grundlagen vor, die er in den Bachelor-Studiengängen für Angewandte Biologie sowie in der Molekularen und Technischen Medizin hält.

Es sei immer sein Traum gewesen, einmal Professor im Rahmen eines Lehrauftrags zu werden, berichtet der 39-jährige gebürtige Donaueschinger mit strahlenden Augen. Dass es so schnell und noch dazu vor der eigenen Haustür geklappt hat, „das ist grandios“.

Zehn Jahre, von 2000 bis 2010, hat Schmidt an der Universität Konstanz Chemie auf Diplom studiert und seinen Doktor auf dem Gebiet der bioorganischen Chemie gemacht. Praktische Erfahrungen in Forschungsprojekten und in der Produktion gab es anschließend achteinhalb Jahre in einem Konstanzer Start-up-Unternehmen, ein Sechs-Mann-Betrieb. „Das hat mir sehr viel gebracht und mein Wissen erweitert“, kommentiert der Jung-Professor.

Hier kommt er auch viel mit der interdisziplinären Arbeit in Berührung. Als die Firma 2012 nach Donaueschingen expandiert, zieht Schmidt mit seiner Familie – er ist verheiratet und hat achtjährige Zwillinge – dorthin zurück, wo er geboren wurde: auf die Baar. Durch Kooperationsprojekte lernt er auch die HFU in Schwenningen kennen.

2018 ist dann aber Schluss in der Industrie. Es folgen Monate der beruflichen Neuorientierung. Schmidt schreibt viele Bewerbungen, auch auf die Stellenausschreibung der HFU Anfang 2019 hin. Denn die Voraussetzungen für eine Hochschul-Professur, unter anderem die fünfjährige Industrieerfahrung, erfüllt er alle. Und es klappt, der Wolterdinger fängt seine Stelle im September 2019 an. Er fühlt sich von Beginn an wohl und gut aufgenommen. „Es war sehr angenehm zum Reinkommen, weil die Vorlesungen erst im Oktober begonnen haben.“ Dennoch wird schnell klar: Die Arbeit an der Hochschule ist eine andere als in der Industrie.

Nach etwas mehr als einem Vierteljahr kann Magnus Schmidt das erste Fazit ziehen: „Mir gefällt’s hier sehr gut.“ Die HFU in Schwenningen sei eine „schnuckelige, kleine Campus-Uni“, und der Medical and Life Sciences-Bereich „keine ganz kleine, aber auch keine ganz große Fakultät“.

Er ist froh, dass sie zu den stärksten Fakultäten an der Hochschule zählt. Hier erforschten Studenten neue Dinge im Rahmen der Lehre. Stark sei man besonders bei den Praxissemestern und den Studienarbeiten. Denn die Forschung soll auch in der Arbeit des Chemie-Professors nicht zu kurz kommen. „Ich habe schon immer gerne geforscht.“ Oft gehe es um die Frage, wo die Grenze zwischen Lehre und Forschung liegen. „Meiner Meinung nach darf man die Linie nicht so eng ziehen, sondern beides miteinander verknüpfen.“

Die Verknüpfung von verschiedenen Wissenschaften, das Interdisziplinäre, habe man in der Medical and Life Sciences-Fakultät vom Feinsten. „Man muss einfach zusammenkommen. Die Zeiten des Universalgelehrten sind vorbei“, findet der 39-Jährige. Und auch wenn die Chemie eigentlich nur als „Nebenfachlieferant“ angesehen werde, sei sie oftmals der Anfang des Interdisziplinären und die Grundlage für vieles. „Ich schreibe ihr einen hohen Stellenwert zu“, zeigt der Professor viel Herzblut für sein Fach.

Die Lehre nimmt derzeit einen hohen Anteil in Schmidts Tätigkeit ein, sein Stundenplan wird zum anstehenden Sommersemester hin sogar noch praller gefüllt sein. Dennoch möchte er auch seine Forschungstätigkeit noch stärker ausweiten – und sie natürlich immer wieder mit der Lehre verbinden.

Erste Erfolge konnte er bereits verbuchen: Seinem Förderantrag für das sogenannte NMR-Gerät für die Kernspin-Resonanz-Spektroskopie, das als analytisches Instrument in der Lehre eingesetzt wird, über den Fonds der chemischen Industrie wurde stattgegeben. „Dass es schon innerhalb meines ersten halben Jahres an der HFU geklappt hat, finde ich klasse“, freut sich Magnus Schmidt, der vor sechs Jahren mit seiner Familie ein Haus in Wolterdingen gebaut hat. Schon im nächsten Wintersemester könne das Gerät zur sogenannten Strukturaufklärung eingesetzt werden.

Auch im Labor hat der Chemie-Fachmann Visionen: Im Bereich der pharmazeutischen Moleküle möchte er sich ein einheitliches Baukastensystem aufbauen und daraus große, also makromaterielle Strukturen entwickeln. Was für einen Laien kompliziert und trocken klingt, ist für Schmidt eine „spannende Geschichte“. Hier gäbe es auch Schnittstellen zu den Masterstudiengängen.

Die Herausforderung, aber auch der persönliche Anspruch bei seinen Tätigkeiten: „Ich möchte die Lehre so attraktiv gestalten, dass man mit den Studenten in der Forschung etwas anfangen kann.“ Das Wichtigste sei, die Studenten mitzunehmen, und sie aktiv in das Thema einzubeziehen. Dann, so hofft er, könne es dem einen oder anderen vielleicht auch so ergehen wie ihm selber: Nach einem „herausfordernden Anfang“ im Studium habe er sich zum „Vollblut-Chemiker“ gemausert, wie er findet.

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