Der Gesamtelternbeiratsvorsitzende Srdjan Zivkovic blättert im Haushatsplanentwurf 2020 der Stadt. Er weiß um die vielen Aufgab
Der Gesamtelternbeiratsvorsitzende Srdjan Zivkovic blättert im Haushatsplanentwurf 2020 der Stadt. Er weiß um die vielen Aufgaben des Oberzentrums – aber die Familien sollten das doch, bitteschön, nicht ausbaden müssen. (Foto: Spitz)
sbo und Cornelia Spitz

„500 Euro pro Monat für einen Ganztagskindergartenplatz, nach der geplanten Erhöhung vielleicht sogar 600 oder 700 Euro, das tut weh, das wird happig“, findet Srdjan Zivkovic, der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Kindergärten in Villingen-Schwenningen.

Dass die Gebühren im Oberzentrum zu den günstigsten in der Region gehören, ist ihm wie vielen anderen Eltern durchaus bewusst. Dennoch findet er es ungerecht, dass Eltern bald stärker zur Kasse gebeten werden sollen. Angesichts solcher Ausgabenposten lohne es sich für den zweiten Elternteil in einer Durchschnittsfamilie mit ebenfalls durchschnittlichem Einkommen fast kaum mehr, arbeiten zu gehen. „Wir sind zwar günstig, aber dabei sollten wir es auch belassen“, meint Zivkovic. Er hofft daher auf viele Mitstreiter unter den Eltern am kommenden Mittwoch. Dann wird die große Demo gegen die geplante Kindergartengebührenerhöhung in Villingen-Schwenningen ab 16.30 Uhr vor dem Matthäus-Hummel-Saal in Villingen steigen. Es gehe darum, der Stadt zu zeigen: „Wir können das nicht, was ihr von uns fordert! Wir können die Stadt nicht aus ihrer finanziellen Notlage holen.„

Anfangs sollte der Protest noch ein kleiner sein. Mit seiner Präsenz in der Sitzung des Verwaltungs- und Kulturausschusses und vielleicht dem einen oder anderen Plakat wollte der Gesamtelternbeirat stellvertretend für die Eltern in VS ein Zeichen setzen. Doch eine ins Leben gerufenen Whatsapp-Gruppe explodierte schnell. Der Zuspruch war riesig, die Empörung der Eltern über die geplante Gebührenerhöhungen in diesem und den Folgejahren enorm. „Also ziehen wir es groß auf“, beschloss das Gremium daher und rief zur ordentlichen Demo am kommenden Mittwoch, 15. Januar, auf – inklusive Warnwesten, Plakaten und lautstarkem Protest.

Entscheidung fällt über die Köpfe der Eltern hinweg

Ein Engagement, das letztlich auch widerspiegelt, dass vielen Eltern die aktuelle Situation in Sachen Kinderbetreuung in Villingen-Schwenningen stinkt. Der Mangel an Erziehern und Kita-Plätzen beispielsweise. Beides war auch ausschlaggebend für Srdjan Zivkovic sich im Elternbeirat zu engagieren. Entrüstet musste er nun aber feststellen, wie wenig Gewicht das Gremium bei der Stadtverwaltung hat. Das zeigte sich bei der Festlegung des Punktesystems zur Vergabe der Kita-Plätze: „Wir hatten gar kein Mitspracherecht!“, bemängelt der Vater zweier Kinder im Alter von eineinhalb und fünf Jahren und fordert: „Wir wollen einbezogen werden.“ Stattdessen sei das Punktesystem von der Stadtverwaltung über die Köpfe der Eltern hinweg installiert worden. Und nun müssten diese die Mängel ausbaden: Eltern müssten in diesem System in die Zukunft gerichtete Fragen beantworten, deren Antworten sie noch gar nicht kennen können. Vielfach werde auch einfach gelogen und beispielsweise behauptet, dass beide Elternteile ganztags arbeiten würden, um die eigenen Chancen zu steigern. Der Ehrliche ist dann der Dumme, rutscht in der Rangliste zur Vergabe der Kindergartenplätze immer weiter nach hinten. „Eine Prüfung gibt es vermutlich gar nicht“, mutmaßt der Gesamtelternbeiratsvorsitzende.

Punktesystem zur Platzvergabe sei mangelhaft

Bei den Eltern in der Stadt rumore es gewaltig, wenn es um das Punktesystem zur Vergabe der Kindergartenplätze gehe. Der Gesamtelternbeirat wollte die Kritik in vernünftige Bahnen lenken und fundiert aufnehmen und startete deshalb eine Aktion: In jedem Kindergarten der Stadt hängt der Aufruf an die Eltern, Rückmeldung zum Punktesystem zur Platzvergabe zu geben. „Wir wollen für die Evaluationsphase dieses Punktesystems einen Katalog erstellen, der möglichst alle ihre Fragen und zu verbessernden Punkte enthält“, erklären der Vorsitzende Zivkovic und Schriftführer Matthias Jakob – Vertraulichkeit wird den Eltern dabei zugesichert. Noch bis zum 10. Februar sollen die Anregungen gesammelt werden. Im Anschluss daran will der Gesamtelternbeirat die Rückmeldungen strukturieren und an die zuständige Stelle bei der Stadtverwaltung weiterleiten – in der Hoffnung, wenigstens damit Gehör zu finden und einbezogen zu werden.

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