Bestellung von Papieren gegen Geld – dieser Fall wurde vor dem Amtsgericht verhandelt.
Bestellung von Papieren gegen Geld – dieser Fall wurde vor dem Amtsgericht verhandelt. (Foto: Marc Müller)
Cornelia Spitz

Eine gültige Arbeitserlaubnis gewünscht, eine bulgarische Aufenthaltserlaubnis oder etwa ein neuer Führerschein? Wie man an täuschend echte, gefälschte Papiere kommt, das wusste ein Mann in Villingen offenbar ganz genau. Er nutzte seine Kontakte zu einer serbischen Bande von Urkundenfälschern und gab die Bestellungen gegen Entgelt weiter. Nun musste sich der Mittsechziger wegen der Anstiftung zur Urkundenfälschung vor dem Villinger Amtsgericht verantworten.

Der Fall zieht weite Kreise. Nicht nur nach Schramberg und Rottweil, sondern bis nach Serbien. Dort nämlich saßen sie, die Fälscher, welche dank der Nachfrage nach entsprechenden Dokumenten angefangen von falschen Passpapieren über Führerscheine bis hin zum kompletten Identitätspaket mit Reisepass, Führerschein und ID-Karte für 1 200 Euro einen schwunghaften Handel betrieben hatten. 2017 hatte die Kriminalpolizei mehrere Personen wegen banden- und gewerbsmäßiger Urkundenfälschung in Tateinheit mit dem Verschaffen von falschen amtlichen Ausweisen dingfest gemacht. Die zentralen Akteure waren dabei nicht nur in Serbien zu finden, sondern auch in Rottweil und Schramberg. Und die Aufarbeitung all dessen dauert bis heute an.

Viele Gerichtsverhandlungen fanden schon statt. So war bereits im Juli 2017 ein 29-jähriger ebenfalls serbischer Staatsangehöriger vor dem Amtsgericht Rottweil verurteilt worden – seinen Lebensunterhalt hatte er mit gefälschten Dokumenten finanziert. Kroatische, belgische, italienische Reisepässe, ID-Karten und Führerscheine unter anderem für Kunden aus Schramberg und Villingen-Schwenningen. Seine Freundin aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis unterstützte ihn bei dem Transfer der Daten und Geldüberweisungen.

Im Zuge der Ermittlungen habe sich zwar herauskristallisiert, dass der Serbe aus Villingen kein richtiges Bandenmitglied ist – aber er habe seine Kontakte spielen lassen und die vorhandene kriminelle Struktur ausgenutzt, um selbst Kasse zu machen, indem er entsprechende Kunden vermittelte. Hergestellt wurden die Dokumente in Serbien mit einer Druckmaschine.

Villinger wurden zwei Straftaten nachgewiesen

Vor Mitte Oktober 2016 soll der Villinger einem Mann eine bulgarische Aufenthaltserlaubnis vermittelt haben – das dafür notwendige Passbild habe er sich übermitteln lassen. In einem weiteren Fall, der ihm nachgewiesen worden ist, soll er einen bulgarischen Führerschein besorgt haben – dafür habe er ein Bild der Kundin abfotografiert und digital an die Bande gesendet.

Seit 1991 lebt der Serbe selbst in Deutschland, zunächst habe er 13 Jahre in einer Fabrik gearbeitet, mittlerweile sei er im Baugewerbe tätig. Dass er all das getan hat, gab er im Villinger Amtsgericht zu. Entsprechend milde fiel die Strafe nun aus – zehn Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur dreijährigen Bewährungszeit. Wäre er tiefer in den Strudel der Bande geraten, hätte das Urteil schärfer ausfallen können.

Im Rahmen der Ermittlungen waren viele belastende Chat-Verläufe gesichtet worden, die bereits im November bei einer Verhandlung im Rottweiler Amtsgericht Thema waren. Ohne sie hätte es diese Verfahren wohl nie gegeben, machte ein Ermittler der Kripo damals deutlich. Von einer Vertrauensperson habe man einen Tipp zu gefälschten Dokumenten für Nicht-EU-Bürger bekommen und 2016 mit der Telefonüberwachung der Verdächtigen begonnen.

Bei Durchsuchungen wurden später gefälschte Dokumente gefunden, die manchmal in nur einem Tag entstanden sind und doch qualitativ hochwertig waren. Überrascht hat immer wieder das professionelle Vorgehen. Später habe man gefälschte Dokumente in Folge von Durchsuchungen sichergestellt.

„Die Fälschungen waren gut genug, um unter anderem bei den Städten Villingen und Schramberg einen Wohnsitz anzumelden, Mobilfunkverträge abzuschließen und Polizeikontrollen zu passieren“, so ein Ermittler vor Gericht in Rottweil. Und auch für einen Zeugen stand fest: „Es war klar: Das ist ein eingespieltes Team.“

Die Bande habe sich ein ganzes Netzwerk aufgebaut, darunter auch einige Gastronomen in Villingen-Schwenningen. Für die Geldüberweisungen und die Kundenvermittlung seien Strohmänner eingebunden worden – einer von ihnen saß nun also vor dem Villinger Amtsgericht.

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