In diesem Haus hat sich am 1. Mai die Tragödie abgespielt – nach dem Brand im Obergeschoss des Mehrfamilienhauses starb ein 13
In diesem Haus hat sich am 1. Mai die Tragödie abgespielt – nach dem Brand im Obergeschoss des Mehrfamilienhauses starb ein 13-jähriger Junge. (Foto: Eich)
Marc Eich

Fünf Monate nach dem tödlichen Brand in der Espanstraße in Schwenningen hat die Staatsanwaltschaft Konstanz weitere Ermittlungen eingeleitet. Es könnte um fahrlässige Tötung gehen. Im Fokus: die Mutter des 13-Jährigen, der ums Leben kam.

Was ist an jenem Dienstagmorgen im Dachgeschoss des Mehrfamilienhauses in der Espanstraße passiert? Diese Frage beschäftigt fast ein halbes Jahr nach dem verheerenden Feuer am 1. Mai dieses Jahres noch immer die Ermittlungsbehörden.

Rückblick: Es sind dramatische Szenen, die sich am Tag der Arbeit am Einsatzort abspielen. Denn nachdem in dem dortigen Haus ein Feuer ausgebrochen war, waren beim Eintreffen der Feuerwehr alle Bewohner bereits im Freien – bis auf einen 13-jährigen Jungen. Aus der betroffenen Wohnung konnte sich die Mutter selbstständig retten, der Vater brachte zunächst die beiden drei und elf Jahre alten Töchter in Sicherheit. Als dieser den 13-jährigen Sohn retten wollte, konnte er die Wohnung nicht mehr betreten.

Unter Atemschutz holte die Feuerwehr den Jungen schließlich aus dem Wohnzimmer, das sich in Vollbrand befand. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde er in eine Spezialklinik nach Stuttgart gebracht, wo er aufgrund der Rauchgasvergiftung vier Tage später verstarb.

Die Ermittlungen zur Brandursache gestalteten sich überaus kompliziert – über Wochen hinweg war ein Sachverständiger damit beschäftigt, Erkenntnisse zu dieser Tragödie zu gewinnen. Das Gutachten liegt nun der Kriminalpolizei vor. Polizeisprecher Dieter Popp erklärt: „Der Sachverständige geht von einem von Menschenhand entstandenen Feuer aus – mit überwiegender Wahrscheinlichkeit.“

Es sei möglich, dass der Brand, der im Wohnbereich an einem Sofa ausgebrochen war, durch ein offenes Feuer ausgelöst wurde. „Eine technische Ursache kann ausgeschlossen werden“, sagt Popp. Das große Rätsel allerdings: Wer ist für das Feuer verantwortlich? Offenbar ist es unklar, ob der 13-jährige Junge aufgrund seiner Behinderung dazu in der Lage gewesen ist, ein Feuer zu entfachen.

In den Fokus der Ermittlungen rückte deshalb die Mutter des Jungen. Denn da aufgrund des Gutachtens nicht abschließend verifiziert werden konnte, wer die Verantwortung für den Brand trägt, habe man zur Entscheidung ein Ermittlungsverfahren gegen die Mutter eingeleitet. Popp: „Die Akten gingen mittlerweile an die Staatsanwaltschaft in Konstanz.“ Seinen Angaben zufolge stehe immerhin eine fahrlässige Tötung im Raum. „Die Sache ist allerdings aufgrund der nicht abschließenden Erkenntnisse ein schwieriges Unterfangen für die Ermittlungsbehörden“, unterstreicht Popp die Problematik. Die Akte zu diesem dramatischen Fall, der für einen 13-Jährigen tödlich endete, kann also noch immer nicht geschlossen werden.

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