Regen und Wind zum Trotz zeigen sich die stolzen Narros beim Historischen Umzug durch die Villinger Innenstadt.
Regen und Wind zum Trotz zeigen sich die stolzen Narros beim Historischen Umzug durch die Villinger Innenstadt. (Foto: Kienzler)
Merlin Hilbertz

Sturmtief „Bennet“ zieht über Deutschland. Auch Villingen wird am Montag nicht von heftigen Böen und Schauern verschont. Dem Wetter zum Trotz versammeln sich zahlreiche Villinger, als ab 9 Uhr die Innenstadt wieder fest in der Hand der Narren ist.

Bereits um 8 Uhr zieht die Katzenmusik durch die Villinger Innenstadt und bereitet die Frühaufsteher auf den großen Zug der Historischen Narrozunft vor. Pünktlich ab 9 Uhr ertönen die ersten lauten „Narri! Narro!“-Rufe. Anfangs regnet es nur sehr leicht, sodass die Zuschauer sich ganz auf die imposanten Stachi, Morbili und Alt-Villingerinnen konzentrieren können. Die zahlreich anwesenden Kinder wissen genau, wie sie an ihre Süßigkeiten kommen – lautstark singen sie: „Giizig, giizig, giizig isch de Narro und wenn de Narro nit giizig wär, no gäb er au en Malzer her!“ Meistens gibt es dann auch vom Narro die erhoffte Belohnung. Doch Vorsicht: Das Vokabular muss entsprechend angepasst werden, sonst hagelt es keine Malzer, sondern ein beleidigtes: „He, ich bin eine Villingerin und kein Narro!“ Der starke Wind macht allerdings so manchen Narren beim Werfen einen Strich durch die Rechnung. Statt im Publikum anzukommen, bleiben die Malzer vor der Absperrung liegen.

Eine Alt-Villingerin kommentiert das mit: „Tut mir Leid, es war Gegenwind!“ Damit nichts liegenbleibt, werden die meisten Süßigkeiten aufgehoben und erneut in die hungrige Menge geworfen. Zack, da ist die Mütze weg. Diesem Schicksal musste sich so mancher unachtsame Umzugsbesucher stellen – wenn ein mit Schere bewaffneter Nachwuchs-Stachi das Gefühl hat, dass die Kopfbedeckung jemand anderem besser stehen würde. Wegen des regnerischen Wetters gab es glücklicherweise einige potenzielle Ziele.

„Butz, butz, butz, zwo, drei, vier“ – plötzlich kommt er angerannt: Der schelmische Butzesel. Er ist seinen Treibern offenbar schon einige Male ausgebüxt, da er schon viele Würste an seinen langen Ohren hängen hat. Diese verteilt er nach eigenem Ermessen an das fröhliche Publikum. Unter lautem Peitschenknall wird er mit seinem Geäst die Straße entlang getrieben. Doch auf einmal sieht er ein neues Ziel und bricht durch die Absperrung. Eine Würstchenbude zieht seine Aufmerksamkeit an nun müssen einige leckere Bratwürste als Tribut herausgerückt werden. Die Feierstimmung hält sich den ganzen Umzug über, obwohl der Regen gegen Ende nochmals kräftig anzieht – die Villinger wissen eben, wie man feiert.

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