Drei Tote hat es vor sieben Monaten bei einem Unfall auf der Schwenninger Steig gegeben.
Drei Tote hat es vor sieben Monaten bei einem Unfall auf der Schwenninger Steig gegeben. (Foto: Eich)
sbo und Marc Eich

Über sieben Monate nach dem verheerenden Verkehrsunfall mit drei Toten auf der Schwenninger Steig steht nun die gerichtliche Aufarbeitung an. Am 25. März beginnt der Prozess gegen einen jungen BMW-Fahrer. Dieser ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Die Erinnerungen an das schreckliche Ereignis am 6. Juli 2019 dürften beim Amtsgericht in Villingen bei den Beteiligten bald noch mal sehr präsent sein. Denn am 25. März verhandelt das dortige Schöffengericht gegen einen jungen BMW-Fahrer, der für den tödlichen Unfall verantwortlich sein soll.

Die Schwenninger Kulturnacht war an jenem Abend noch nicht zu Ende, da war die Steig zwischen den großen VS-Stadtteilen Schauplatz des tödlichen Verkehrsunfalls. Damals geriet gegen 23 Uhr ein 24-jähriger BMW auf seiner Fahrt aus Richtung Villingen kurz nach der Abfahrt zur Sonnhalde in einer Rechtskurve von der Überholspur auf die Gegenfahrbahn. Dort krachte er mit voller Wucht in einen entgegenkommenden Ford. Der Fünfsitzer, der mit insgesamt sieben Personen überladen war, überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Neben dem 37-jährigen Fahrer starb zudem der 29-jährige Beifahrer sowie dessen einjähriges Kind, welches aus dem Auto geschleudert wurde. Ein weiteres Kind des Fahrers ist seit dem Unfall behindert.

Die umfangreichen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft brachten schließlich schockierende Details zum Vorschein, die durch ein Unfallgutachten bestätigt wurden. Demnach ist der junge Mann mit offenbar getunten 2er-BMW ein Rennen gefahren.

Freiheitssatrafe bis zu zehn Jahren droht

Weitere Beteiligte habe es zwar nicht gegeben, jedoch habe er seinen Wagen auf die höchstmögliche Geschwindigkeit beschleunigen wollen. Die Ermittler sind überzeugt davon, dass er „um des bloßen Schnellfahrens willen sein Fahrzeug auf eine Geschwindigkeit von mindestens 146 Stundenkilometer beschleunigte und über eine Strecke von 100 Metern bergwärts von der rechten über die linke Spur bis auf die Gegenfahrbahn driftete“. Er fuhr damit doppelt so schnell als erlaubt. Der BMW-Fahrer habe „wegen der Dunkelheit und wegen des Kurvenverlaufs die Fahrstrecke nicht vollständig einsehen“ können und habe „jederzeit mit dem Auftauchen von Gegenverkehr rechnen“ müssen.

Nach dem Ende der Ermittlungen sah die Staatsanwaltschaft deshalb einen dringenden Tatverdacht, sich eines Verbrechens schuldig gemacht zu haben – nämlich eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge. Das Amtsgericht Villingen-Schwenningen hatte deshalb am 6. Dezember auf Antrag der Staatsanwaltschaft Konstanz Haftbefehl erlassen, woraufhin der junge Mann von seinem Wohnort in einem VS-Ortsteil in Untersuchungshaft gebracht wurde.

Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Johannes-Georg Roth auf Anfrage erklärt, ist der BMW-Fahrer mittlerweile aber wieder auf freiem Fuß. „Der Haftbefehl wurde aufgehoben“, berichtet Roth.

Zwar bestehe weiterhin der dringende Tatverdacht, man sehe jedoch keinen Haftgrund mehr. Demnach bestehe auch aufgrund der Verwurzelung des jungen Mannes in der Region keine Fluchtgefahr. Das Amtsgericht in Villingen ist sich demnach sicher, dass der Mann zur Verhandlung erscheinen wird. Nach Angaben des Pressesprechers am Amtsgericht, David Boehm, ist am 25. März der erste Verhandlungstag vorgesehen, das Urteil soll am 1. April gesprochen werden. Die Verhandlung vor dem Schöffengericht ist öffentlich und beginnt jeweils um 13.15 Uhr.

Im Strafgesetzbuch ist unter Paragraf 315d für diesen Fall folgendes definiert: „Wer im Straßenverkehr sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Verursacht der Täter durch die Tat den Tod oder eine schwere Gesundheitsschädigung eines anderen Menschen oder eine Gesundheitsschädigung einer großen Zahl von Menschen, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.“

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