Tödliches Drama im Wald - Opfer wurde vor den Augen seiner Freundin erschossen

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Marc Eich

Sie treffen sich nachts im Wald, um illegal mit einer Waffe Schießübungen durchzuführen – am Ende ist ein 23-Jähriger tot. Versehentlich erschossen vom eigenen Kumpel. Vor den Augen seiner Freundin.

Als die Polizei am Freitagabend gegen 23 Uhr über die Alte Vöhrenbacher Straße in den Neuhäuslewald einfährt, erfassen die Scheinwerfer des Streifenwagens den Körper des leblosen jungen Mannes, der mitten auf der verschneiten Straße liegt. Auf dem Parkplatz daneben steht – mit offenen Türen – der rote Skoda Fabia des Opfers. Der 23-Jährige, der aus einem benachbarten Landkreis stammt, wird von mehreren Schüssen in Bauch und Brust getroffen. Und zwar vor den Augen seiner Freundin, die anschließend den Notruf wählt. Ein ebenfalls alarmierter Notarzt kann dem jungen Mann nicht mehr helfen – der von der Schussserie Getroffene erliegt den massiven Verletzungen.

Was genau passiert ist, liegt zu dieser Zeit noch im Dunkeln. Noch während der Notarzt vor Ort ist, wird vom Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Tuttlingen die große polizeiliche Maschinerie in Gang gesetzt: Fahndungsmaßnahmen einleiten, Kriminaldauerdienst verständigen, Kriminaltechnik anfordern. Die Beamten vor Ort statten sich mit ihrer Schutzausrüstung aus – denn: Ist der Täter, der mit seinem Wagen geflüchtet war, eventuell noch in der Nähe? Kurze Zeit später kreist bereits der Polizeihubschrauber über dem Waldgebiet.

Währenddessen nimmt der Kriminaldauerdienst seine Arbeit auf. Erste Spuren werden gesichert, während die Freundin von den Beamten betreut wird. Auch die Feuerwehr ruft man an den Tatort – sie soll zu einem späteren Zeitpunkt den Tatort ausleuchten und den Wagen des 23-Jährigen sowie die Leiche mit Zelten schützen. Um 1.49 Uhr wird es dann plötzlich hektisch im Neuhäuslewald. Scheinwerferlicht blitzt durch die Bäume – von Westen her nähert sich ein Wagen der Alten Vöhrenbacher Straße und damit auch dem Tatort. Die Beamten rennen sofort in Richtung des Autos, als aus diesem ein junger Mann aussteigt. Es ist der Moment, als der Schütze an den Ort der tödlichen Schüsse zurückkehrt. Dem 22-Jährigen, der aus einer Nachbarstadt von Villingen-Schwenningen stammt, werden unverzüglich Handschellen angelegt.

Noch spricht niemand von "Mord"

Vorbei an der Leiche seines Kumpels geht es anschließend zu den Kriminaltechnikern. Diese verpacken die Hände des Mannes, der anschließend in einen weißen Overall schlüpfen muss. So sollen wertvolle Spuren geschützt werden. Kurz darauf wird er mit einem Streifenwagen weggebracht. Es geht zur Wohnung des Schützen. Dort händigt er den Beamten die Waffe aus. Es handelt sich laut Polizei um eine Schnellfeuerwaffe – ähnlich einer Maschinenpistole. Anschließend wird der 22-Jährige nach Rottweil zur dortigen Kriminalpolizeidirektion gebracht. Hier hat man eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, die die Hintergründe des Tötungsdelikts aufklären soll. Zu diesem Zeitpunkt hat der Schütze bereits erklärt, dass es sich bei dem tödlichen Zwischenfall um einen „Unfall“ gehandelt habe. Auch deshalb nehmen Polizei und Staatsanwaltschaft gegenüber der Presse und der Öffentlichkeit das Wort „Mord“ noch nicht einmal in den Mund. Doch stimmt diese Version, die die tödlichen Schüsse als tragisches Unglück darstellt, tatsächlich?

Während am Tatort weiter Spuren gesichert werden, vernehmen die Kriminalbeamten auch die Freundin des Opfers. Die Aussagen der beiden und die weiteren Ermittlungen der Polizei sorgen schließlich dafür, dass schnell Licht in das Dunkel dieses schrecklichen Falles gebracht wird. Keine 24 Stunden nach der Tat gibt die Polizei bekannt: Die Tötung stellt sich als tragischer Unglücksfall beim verbotenen Umgang mit der Waffe dar. Die beiden jungen Männer, die sich von der Arbeitsstelle kennen, sollen sich getroffen haben, um gemeinsam mit der Freundin des späteren Opfers Schießübungen durchzuführen. Vermutlich als der Jüngere der beiden seinem Kompagnon die Waffe übergeben wollte, löste sich – laut Polizei „infolge ungeübter Handhabung“ – eine Schussserie aus der Schnellfeuerwaffe. Sie sorgt für die tödlichen Treffer in Brust und Bauch des 23-Jährigen.

Der Schütze muss sich nun wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Da keine Haftgründe vorliegen, wird er auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Konstanz auf freien Fuß gesetzt. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft sind allerdings noch lange nicht abgeschlossen.

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