Auch eine neuerliche Verhandlung vor dem Amtsgericht Villingen erbrachte keine Klarheit.
Auch eine neuerliche Verhandlung vor dem Amtsgericht Villingen erbrachte keine Klarheit. (Foto: Archiv)
sbo und Marc Eich

Der Skandal um den Finanzbeamten, der sich als Hausverwalter an Konten von Wohnungseigentümergemeinschaften bedient hat, schlägt hohe Wellen. Auch eine neuerliche Gerichtsverhandlung konnte kein Licht ins Dunkel bringen. Klar scheint nur: Der Schaden ist wohl noch größer als zunächst vermutet.

Die Nachricht schlug ein: Zahlreiche Wohnungseigentümer in Villingen-Schwenningen und dem Schwarzwald-Baar-Kreis befürchten, Opfer des betrügerischen Hausverwalters zu sein, der sich an den Konten von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) in Villingen bedient hatte.

„Das Telefon steht seit dem nicht mehr still“, erzählt Danijela Neducic von der Resonanz nach der Berichterstattung. Bei der Inhaberin von MD Hausverwaltung & Immobilien, die im Namen der Wohnungseigentümer weiterhin die finanziellen Ungereimtheiten aufdeckt, hatten sich seit Bekanntwerden des Skandals zahlreiche betroffene Gemeinschaften gemeldet, welche hinsichtlich des Hausverwalters einen ähnlichen Verdacht hätten. „Die Betroffenen wollten von uns ein Angebot, ich habe jedoch abgelehnt – wir können aufgrund der Angelegenheit derzeit keine weiteren Objekte mehr annehmen“, so Neducic.

Die Haus- und Grundstücksfachverwalterin hatte in mühevoller Arbeit herausgefunden, dass sich ein Finanzverwalter, der gleichzeitig als Hausverwalter für zahlreiche Mehrfamilienhäuser in VS und Umgebung tätig ist, an Geldern von Wohnungseigentümern bedient hatte. So hob er nachweislich über Jahre hinweg unerlaubt fast 77 000 Euro von einem schwarzen Konto ab, auf welches die Eigentümer Vorauszahlungen für die Warm- und Kaltwasserversorgung überwiesen hatten.

Im Raum steht darüber hinaus eine mögliche Steuerhinterziehung, da für die Gelder voraussichtlich keine Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer gezahlt wurden. Dass diese Taten jedoch nur die Spitze des Eisberges sind, beweisen nun weitere Nachforschungen von Neducic.

Weitere 30 000 Euro fehlen

Diese hatte die Einbuchungen eines Objektes in der Villinger Innenstadt überprüft, welches ebenfalls vom betroffenen Hausverwalter betreut und mittlerweile von Neducic übernommen wurde. „Wir können jetzt abschließend bestätigen, dass hier definitiv über 33 000 Euro Rücklagen fehlen“, so die neue Hausverwalterin. Der bislang bezifferte Schaden beläuft sich demnach auf mehr als 100 000 Euro. Es deutet sich ihren Angaben zufolge außerdem an, dass noch bei weiteren Hausgemeinschaften im Schwarzwald-Baar-Kreis Geld fehlt.

Bei Uwe Strittmatter, Geschäftsführer der gleichnamigen Hausverwaltung aus Villingen, dauert die Aufarbeitung der von dem Finanzbeamten übernommenen Objekte noch an. „Wir kümmern uns nun um drei Eigentümergemeinschaften von ihm“, berichtet Strittmatter im Gespräch. Sauber sei in dem Fall der bereits überprüften Objekte zwar nicht gearbeitet worden, dass Geld fehlt, konnte noch nicht nachgewiesen werden. Allerdings gibt Strittmatter zu bedenken, dass weiterhin Unterlagen zu den Wohnungseigentümergemeinschaften fehlen würden.

Überhaupt sei es bislang schwierig gewesen, an die Unterlagen zu den WEGs zu gelangen, die beim dubiosen Hausverwalter liegen. Demnach musste zunächst auf Herausgabe geklagt werden. Obwohl der neuen Hausverwaltung hierbei Recht gegeben wurde, hätten die Unterlagen erst im Rahmen einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt werden können, um diese rechtmäßig zu übergeben. Strittmatter bestätigt derweil, dass die Nachricht für Unsicherheit unter den Eigentümern sorgt. „Wir haben mehrere Anfragen, ob wir betroffene Wohnanlagen übernehmen“, erklärt der Geschäftsführer, „aber wir haben aufgrund der Aufarbeitung der Fälle derzeit keine Kapazitäten mehr und sind natürlich auch gegenüber unserer Bestandskunden verpflichtet.“

Wie schwierig sich die Aufarbeitung der dubiosen Vorgänge rund um den Finanzbeamten gestaltet, zeigt eine weitere Verhandlung in dieser Sache am Freitag vor dem Villinger Amtsgericht. Im Mittelpunkt standen hierbei unter anderem die Barabhebungen in Höhe von fast 77 000 Euro. Wohin dieses Geld verschwunden ist oder was damit gemacht wurde, konnte jedoch nicht geklärt werden, weil der beschuldigten ausverwalter der Verhandlung erneut fern blieb. Auch der zuständige Richter stellte fest, dass „seit Monaten keine Erklärung gefunden“ werden konnte.

Selbst sein anwesender Verteidiger konnte kein Licht ins Dunkel bringen. Hinsichtlich eines Vergleichs für die fehlenden Gelder sei ein anderer Rechtsanwalt zuständig.

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