Birgit Heinig

Wer hat sich nicht schon einmal über eine Ampelschaltung geärgert? Wer weiß, welch umfangreiche und vielfältige Arbeit so eine „Lichtsignalanlage“ macht, vor allem, wenn sie schon fast 25 Jahre in Betrieb ist, der übt künftig Nachsicht.

Ginge es nach Herbert Beha, dem Leiter des Sachgebietes Verkehrs- und Systemtechnik im Amt für Straßenbau, Stadtgrün und Altlasten, wären alle 90 Ampelanlagen in Villingen-Schwenningen inklusive der Ortschaften auf dem neuestem Stand der Technik, ausgerüstet mit sparsamen LEDs und passgenau programmiert. Zwei Drittel des Bestandes sind derzeit aber noch nicht durch intelligente Anlagen ersetzt.

Jedes Jahr kann Herbert Beha für die im Haushalt eingestellten Mittel „drei bis fünf“ Anlagen austauschen. So wie zuletzt an der „Salzgrube“ auf Höhe des Klosterhofes. Dort leuchten Rot, Gelb und Grün für die Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger mit einem Energiebedarf, der um 90 Prozent geringer ist als der der bisherigen Glühlampen. Der Einsatz moderner LED-Technik wird seit 2005 forciert und momentan aus einem Bundesförderprogramm zu 30 Prozent bezuschusst. Dort erkennen in die Fahrbahn eingelassene Induktionsschleifen oder oberhalb der Ampeln angebrachte Detektoren das Verkehrsaufkommen und lassen die Ampelschaltungen entsprechend reagieren. Bei Bedarf erhalten Einfahrer aus den Seitenstraßen Grün, und die Grünphasen werden zu bestimmten Tageszeiten in die jeweils verkehrsreichere Richtung verlängert. Das ist – bei modernen Anlagen wie dieser – alles eine Frage der Programmierung.

Grüne Welle

Die wiederum gehört zum Leistungspaket des Herstellers und erfolgt nach den Angaben der Verkehrsplanung und der Verkehrskommissionen der Stadt. Auch Behas Erfahrungen und die seiner vier Techniker fließen mit ein. Wo braucht es eine grüne Welle? Wo ist zu welcher Uhrzeit der meiste Verkehr? Wo sollte man die Ampeln auch nachts eingeschaltet lassen? Wo stellt man sie besser generell auf Rot, um nächtliche Autofahrer nicht zum Rasen zu verleiten? Ist die passende Programmierung eingesetzt – zum Beispiel die grüne Welle von der Villinger Straße bis zum Bärenplatz, von der Schwenninger Straße bis zum Bickentor – heißt das nicht, dass das für immer so bleibt.

Auf die derzeit zahlreichen Baustellen heißt es zu reagieren. Das geschehe in der Regel nicht immer sofort, weiß Herbert Beha aus Erfahrung. In manchen Fällen warte man die sich durch Umleitungen neu bildenden Verkehrsströme erst einmal ab – wie zuletzt bei den Kanalarbeiten in der Richthofenstraße – dann werde nach der Entscheidung der städtischen Verkehrsbehörde umprogrammiert. Bei älteren Anlagen sind dabei enge Grenzen gesetzt und das Ergebnis entspricht nicht immer zur Zufriedenheit aller Verkehrsteilnehmer.

Eine der ältesten Lichtsignalanlagen ist momentan in Villingen an der Obereschacher Straße, am Eingang in das Wohngebiet Haslach, noch in Betrieb. Hier kann es passieren, dass man als Autofahrer mutterseelenallein bei Rot an der Kreuzung steht und den gesamten Ampelzyklus abwarten muss. „Die wird als nächstes ersetzt“, verspricht Beha.

Nicht wie im Krimi

Es gibt Spielfilme, da setzten Hacker mit einem Mausklick das komplette Verkehrssystem einer Stadt außer Gefecht. Herbert Beha lacht bei dieser Vorstellung. „Das kann uns nicht passieren, wir haben in Villingen-Schwenningen keine zentrale Leitstelle wie in Metropolen“, sagt er. Liegt eine Störung vor, dann müssen er und seine Männer ausrücken – und das ganzjährig zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ein entsprechender Bereitschaftsplan hängt im Kellerbüro der Abteilung im Schwenninger Rathaus. Ziel des Einsatzes sind dann die grauen Metallkästen, die Schaltschränke, die in der Nähe jeder Ampelanlage stehen.

Im Gepäck der Techniker sind dabei immer auch Glühlampen der überholten Sorte, denn in die alten Anlagen einfach eine LED-Lampe hineinzuschrauben, das geht nicht. „Da muss schon die ganze Anlage ersetzt werden“, sagt Beha. Die Entstörung ist eine Sache, die regelmäßigen Wartungsarbeiten sind eine andere. Elektrik, Funktion und Sicherheit werden nach Wartungsplan regelmäßig überprüft, auch die Lampengehäuse und die Scheiben müssen gesäubert werden.

Fußgänger und Radfahrer

Immer wieder sind es vor allem Fußgängertaster, die Vandalen zum Opfer fallen und ersetzt werden müssen. Von den „Streichelampeln“, die man nur mit der Hand berühren muss, komme er derzeit wieder ab, berichtet Herbert Beha lachend. „Der Mensch braucht einfach was zum Drücken“. Fasziniert ist er von den intelligenter werdenden Leitsystemen für Menschen mit Sehbehinderungen. Inzwischen passen sich die Taktgeräusche bei Grün der Lautstärke heranfahrender Fahrzeuge an. Zurzeit wird die Ampelanlage mit Bedarfsübergang für Fußgänger und Radfahrer in der Goldenbühlstraße vor den Stadtwerken komplett erneuert. Damit komme die Stadt laut Beha dem erklärten Ziel einer „radfahrergerechten“ Verbindung zwischen dem Villinger Bahnhof und dem Kurgebiet näher. Ganz neu im Stadtgebiet zu finden sind die „vorgesetzten Anforderungstasten“ für Radfahrer. Der Radler drückt sie schon etliche Meter vor der Überquerung und erhält Grün, wenn er den Straßenrand erreicht. „Die Technik wird immer ausgefeilter“, sagt Herbert Beha und man spürt seine Begeisterung dafür.

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