Verena Parage

VS-Schwenningen (sbo) - Die Wurst in der Hand, die Sonne am Himmel und den Blick auf die Schützenstraße gerichtet: So lässt es sich aushalten. Auch deshalb ist „Schilling’s Imbiss“ eine Institution in VS-Schwenningen.

Wurstverkäufer in einer Imbissbude ist nicht gerade die Berufsbezeichnung, die sich ein Vater für seinen Sohn erhofft. In der Familie Schilling ist das ein bisschen anders. Seit 48 Jahren steht ein Schilling in VS-Schwenningen an der Fritteuse. Fast genauso lange isst mancher Schwenninger dort schon seine Currywurst. Der Imbiss auf dem Parkplatz an der Ecke Au- und Schützenstraße ist längst Kult. Angefangen hat Vater Benno Schilling gegenüber, auf dem heutigen ’s Rössle-Areal. Mit dem Bau des Einkaufszentrums folgte der Umzug auf die andere Straßenseite.

Vor 14 Jahren übernahm dann Sohn Christian die Imbissbude. Schon als Kind und Jugendlicher war er dort zu Hause. Trotzdem habe er erst einmal eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann sowie den Handelsfach- und Betriebswirt gemacht, erzählt der 36-Jährige. Sein Gedanke damals: „Falls es nicht klappt, gehe ich andere Wege.“ Geklappt hat es. „Es lohnt sich, aber es ist viel Arbeit“, erzählt Christian Schilling.

„Viele schwarze Schafe“

Sechs Tage die Woche hat der Imbiss geöffnet. Wenn um 9 Uhr die Tore aufgehen, dann dauert es nicht lange, bis die ersten Kunden kommen. Currywurst geht auch früh morgens. 80 bis 90 Prozent seiner Abnehmer seien Stammkunden. „Von jung bis alt, von arm bis reich“, erzählt er. Und „vom Multimillionär bis zum Schichtarbeiter“. Für manchen ist der Imbiss zur zweiten Heimat geworden. Auch, weil Schilling die Soßen selber macht. Deren Rezeptur stammt von seinem Vater, genau wie die für die Würste. Sie werden in einer Landmetzgerei in Eisenbach extra für Schilling hergestellt.

Qualität sei ihm wichtig, genau wie die Sauberkeit. Zumal es in seiner Branche „viele, viele schwarze Schafe“ gebe. Deshalb hat Christian Schilling kürzlich auch mal einen kritischen Kunden in seinen Wagen schauen lassen. „Ich nehme das keinem übel.“ Sein Reich ist nur etwa 4,5 Quadratmeter groß. „Wir arbeiten auf engstem Raum“, sagt er über sich und seine Mitarbeiter. Dort bereiten sie unter anderem Frikadellen, Schaschlik, Bratwurst und Cheeseburger zu. Auf Wunsch erhalten Kunden auch eine feurige Variante.

Aber es ist nicht nur das Essen, sondern es sind auch die Kontakte, die das Besondere am Imbiss ausmachen. Seine Stammkunden seien ihm ans Herz gewachsen. Und natürlich bekomme man viel von deren Leben mit – genau wie von VS-Schwenningen. „Das ist so schlimm wie beim Friseur“, erzählt er scherzend. Zumal es eine kleine Stadt sei, in der viele Bürger einander kennen.

Werner Feilen kann das bestätigten. Er kommt schon, seit er ein Kind ist, an den Imbiss – und isst drei bis vier Mal die Woche Currywurst. Vom Imbiss aus hat er auch die Schützenstraße im Blick. „Da winkt man immer den Leuten. Jeden Zweiten, der vorbeikommt, kennt man ja“, meint der 54-Jährige. Wenn er seine Wurst dann verspeist hat, trinkt er noch eine Afri-Cola. Erst hinterher, damit sie kalt bleibt. Christian Schilling weiß das natürlich, er kennt seine Spezialisten. Und er freut sich über sie. Etwa über einen Kunden, der ein Vermögen auf dem Konto, aber offensichtlich auch ein großes Herz hat. Dieser habe einmal eine Runde für Schüler, die sich etwas zu essen holen wollten, geschmissen. „Die haben sich riesig gefreut“, erzählt Schilling, der nicht sagen durfte, wer für die Kosten aufkam. Oder an das Brautpaar, das seinen Gästen nach dem Gottesdienst unbedingt Currywurst auftischen wollte. Also lieferte der 36-Jährige an die Kirche.

Solche Erinnerungen überwiegen. Dabei kommen auch Pöbeleien und Vandalismus vor. Dass er morgens Müll aufsammeln muss rund um seinen Stellplatz, daran hat sich Christian Schilling längst gewöhnt. Dass sein Wagen immer wieder beschädigt wird, „gehört zum Geschäft. Da darf man sich nicht aufregen.“ Dies sei aber der Hauptgrund, warum er keinen neuen anschaffen möchte. Auch einen Fall von Zechprellerei hat der Gastronom schon erlebt. Damals klemmte sich eine Mutter ihre Kinder unter den Arm und rannte davon, ohne zu zahlen. „Das vergess' ich nie.“

Dennoch fühlt er sich wohl, dort wo er ist. Dabei ist sein Standort, der wenig einladende Parkplatz, das einzig Ungewisse. „Da muss eines Tages was gemacht werden“, dessen ist sich der Herr über die Currywürste bewusst. Was dann mit „Schilling’s Imbiss“ passiert? Aus VS-Schwenningen jedenfalls ist er kaum wegzudenken.

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