Nach der Vorbereitung wird es für die Schwenninger Wild Wings, das Bild zeigt Cedrik Schiemenz (rechts) im Testspiel bei den ZS
Nach der Vorbereitung wird es für die Schwenninger Wild Wings, das Bild zeigt Cedrik Schiemenz (rechts) im Testspiel bei den ZSC Lions (links Raphael Prassl)in der Schweiz, am Freitag ernst. Um 19.30 Uhr steht in der Helios-Arena das erste Saison-Punktspiel gegen den ERC Ingolstadt an. (Foto: imago-images)
wit und Heinz Wittmann

Der deutsch-finnische Weg ist bei den in der Deutschen Eishockey-Liga spielenden Wild Wings beendet. Die Schwenninger kehren zu ihren Wurzeln zurück, wollen mit kanadischer Härte Erfolg. Der Etat wurde erhöht, Platz sieben scheint möglich.

Die abgelaufene Saison war für die Wild Wings mit dem letzten Platz zum Vergessen. Vom „Schwenninger Weg“, bei dem besonders die jungen deutschen Spieler gefördert werden sollten, wurde abgerückt. Dass deutsche Spieler sich loyaler zum Klub verhalten, war eine Illusion. Die Wahrheit ist: Sobald junge deutsche Spieler Fortschritte machen, ziehen sie weiter zu vermeintlich besseren Vereinen. So wie beispielsweise Mirko Höfflin und Dominik Bittner, die in Mannheim keine Chance erhielten, sich in Schwenningen im Falle Höfflin bis zum WM-Teilnehmer entwickelten und jetzt nach Ingolstadt (Höfflin) beziehungsweise Wolfsburg (Bittner) wechselten.

Auch mit der Maxime des in der vergangenen Saison früh geschassten Trainers Pat Cortina, das Läuferische stehe über allem anderem, wurde aufgeräumt. Opfer davon sind vor allem die finnischen Spieler, die zuweilen fast schon „steriles“, emotionsloses Eishochey zeigten. Mit dem kampfstarken Markus Poukkula ist nur noch ein Finne im Team verblieben. Hatten die Wild Wings in der vergangenen Saison mit Stefano Giliati nur einen Kanadier im Team, so sind es nun deren sechs. Mit der nordamerikanischen Härte, mit der es der SERC Anfang der 1980er-Jahre in die erste Bundesliga schaffte und die eine lange Tradition am Neckarursprung hat (Rich Chernomaz, Tony Currie, Brian Tutt, Mark MacKay, um nur ein paar Namen zu nennen), will man jetzt die Fans zurückgewinnen, aber natürlich auch sportlichen Erfolg. „Härte ist unsere Identität“, sagt Trainer Paul Thompson.

Sinnbild dieser Philosophie ist die Verpflichtung des neuen Kapitäns Mark Fraser von HKM Zvolen. Der 32-jährige Verteidiger gilt zwar nicht als der schnellste Skater. Seine körperliche Präsenz bescherte ihm aber immerhin 224 NHL-Spiele. Kein Kind von Traurigkeit ist auch sein gleichaltriger, gleich großer (1,93 Meter) Landsmann Stürmer Mike Blunden. Er brachte es auf 135 Partien in der besten Liga der Welt.

Das Wichtigste im Eishockey ist neben dem Tore verhindern aber das Tore schießen. Und da könnte sich mit dem umsichtigen Center, dem US-Amerikaner Patrick Cannone, dem technisch überaus versierten Schweden und Weltenbummler Andreas Thuresson und der mit einer gnadenlosen Abschlussstärke ausgestattete Jamie MacQueen schon in der Vorbereitung ein Sturm gebildet haben, der höchsten DEL-Ansprüchen genügen könnte.

In der Abwehr stehen mit dem Kanadier Dylan Yeo und Christopher Fischer Spieler, die an der gegnerischen blauen Linie für Gefahr sorgen. Die beiden, die von der Mannschaft mit den meisten Gegentoren in der vergangenen Saison (189), den Iserlohn Roosters, kamen, müssen aber ihre Leichtsinnsfehler in der Defensive abstellen. Auf der Torhüterposition machte Ilya Sharipov, der vom Zweitligisten Bietigheim Steelers kam, in der Vorbereitung klar, dass mit ihm zu rechnen ist. Allerdings ist Dustin Strahlmeier, um den herum ja diese neue Mannschaft laut den Wild-Wings-Verantwortlichen aufgebaut wurde, zum Saisonstart die klare Nummer eins.

Der zum Verteidiger umfunktionierte Simon Danner fällt die ersten Monate der Saison wegen einer Knieverletzung aus. Die Kadertiefe ist mit acht Verteidigern und 14 Stürmern nicht sonderlich üppig. Die Liga ist jedoch nicht unbedingt stärker geworden, im Gegenteil. Platz sieben oder acht, also das Heimrecht in den Pre-Play-offs, sollte für Schwenningen ein realistisches Ziel sein, auch wenn, was immer passiert, mal der eine oder andere Spieler verletzungsbedingt ausfällt.

Etat liegt bei 6,3 Millionen Euro

Der Etat der Wild Wings liegt in dieser Saison bei 6,3 Millionen Euro, wurde gegenüber der vergangenen Saison um rund 600 000 Euro erhöht. Die Schwenninger kalkulieren mit einem Schnitt von 4000 Zuschauern, in der vergangenen Saison kamen aber nur 3576. Die Schwäne haben wieder rund 1500 Dauerkarten verkauft, damit liegt man im selben Bereich wie in den vergangenen Jahren. Mit dem ehemaligen Nationalstürmer Christoph Sandner wurde ein hauptamtlicher Geschäftsführer eingestellt.

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