Die Träger der Schulsozialarbeit in Villingen-Schwenningen befürchten, die Trägerschaft selber übernehmen möchte.
Die Träger der Schulsozialarbeit in Villingen-Schwenningen befürchten, die Trägerschaft selber übernehmen möchte. (Foto: Karmann)
sbo

Die Stadt plane Trägerstrukturen der Schulsozialarbeit in VS zu zerschlagen. Diesen Vorwurf äußern die Träger in einer gemeinsamen Mitteilung.

Wie die Träger der Schulsozialarbeit in VS – KiFaz der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn, das Diakonische Werk Schwarzwald-Baar, die Stiftung Lernen Fördern Arbeiten und der Caritasverband für den Schwarzwald-Baar-Kreis – erfahren haben, plant die Stadt Villingen-Schwenningen, die Schulsozialarbeit in eigene Trägerschaft zu übernehmen.

Im Frühjahr hatte die Stadt kurzfristig sämtliche Verträge mit den Trägern der Schulsozialarbeit zunächst mit dem Argument gekündigt, die Vergabe der Trägerschaft der Schulsozialarbeit an den Schulen in VS müsse öffentlich ausgeschrieben werden, heißt es von Seiten der Träger. Wegen der Kurzfristigkeit hätten die Träger ihren oft langjährigen Mitarbeitern sofort kündigen müssen. Diese hätten sich dann natürlich nach neuen sicheren Arbeitsplätzen umgesehen und nicht darauf gewartet, ob der Träger eventuell erneut den Zuschlag für die Arbeit erhalten hätte. „Bei dem aktuellen Mangel an Fachkräften in diesem Bereich ein fatales Signal“, erklären die Träger.

Auf Druck aus dem Jugendhilfeausschuss und den Fraktionen habe die Stadt daraufhin nochmals Übergangsverträge mit den Trägern geschlossen und versprochen, alsbald ein geregeltes Ausschreibungsverfahren mit genügend Zeit durchzuführen, um Übergänge zwischen Trägern zu gestalten und die Arbeit an den Schulen lückenlos zu garantieren. Nachdem die Zeit für einen reibungslosen Übergang zum Ende des Schuljahres 2020/21 erneut knapp zu werden drohte, gingen die Träger erneut auf die Stadt zu, um nun zu erfahren, dass sie gar keine Ausschreibung mehr vornehmen, sondern die Trägerschaft selbst übernehmen wolle.

„Diese Nachricht entsetzt die Träger gleichermaßen. Waren doch alle bisher vom zuständigen Amt, dem Jubis, aufgefordert worden, sich an einer Ausschreibung zu beteiligen, weil man die gute und kompetente Arbeit der Träger sehr schätze. Auf Nachfrage beim Kommunalverband für Jugend und Soziales, der die Schulsozialarbeit mit Mitteln des Landes fördert, erfuhren die Träger dann auch, dass die Trägerschaft landesweit in der Mehrzahl der Fälle bei freien Trägern liegen würde, etwa 60 Prozent. Die Frage an solch eine Übernahme ist auch, ob denn die Schüler und Eltern oder auch die Schulleiter und Lehrer so glücklich mit der Vorstellung wären, dass Schulträger, Jugendamt und Schulsozialarbeiter letztlich einem gemeinsamen Dienstherren verpflichtet sind. „Gerade die Unabhängigkeit der freien Träger war bisher ein Qualitätsmerkmal, das viele Zugänge zu Schülerinnen und Schülern aus allen Schichten, Kulturen und Religionen aber auch zu Eltern oder Lehrern ermöglicht hatte. Eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt und dem städtischen Jugendamt hatte es dennoch gegeben“, schreiben die Träger.

Die freien Träger vermuten angesichts klammer Kassen, dass die Stadt sich von der Übernahme der Trägerschaft Kosteneinsparungen verspricht. Da Stadt und freie Träger gleichermaßen an Tarifstrukturen gebunden seien, die sich kaum unterscheiden dürften, bliebe nur, sich vonseiten der Stadt die Leitungskosten zu sparen, die an die Träger zu bezahlen waren. „Das würde aber bedeuten, dass sich die Stadt die Arbeit schön rechnet, denn auch in der Stadtverwaltung müssten entsprechende Leitungs- und Qualitätssicherungsstrukturen aufgebaut und finanziert werden“, heißt es weiter.

Dass dieser Schritt vonseiten der Stadtverwaltung in Erwägung gezogen wird, könne möglicherweise auch damit zusammenhängen, dass es Differenzen zwischen Trägern und Verwaltung darüber gab, wie die Schulsozialarbeiter während der Schulschließungen im Lockdown im Frühjahr eingesetzt waren. Während die Träger ihren Schulsozialarbeitern, denen das Betreten der Schulen untersagt war, ein mobiles Arbeiten von zuhause aus ermöglicht hatten und die Sozialpädagogen digitale, telefonische und einzelne persönliche Kontakte zu den Schülern und Eltern pflegten, wollte das Jubis die Schulsozialarbeiter für eigene verwaltungsinterne Zwecke des Jubis einsetzen. „Dies wurde den Trägern im Nachhinein vorgeworfen, obwohl während der Krise selbst keinerlei Ansinnen in diese Richtung benannt worden war oder man sich je darüber ausgetauscht hätte“, erklären die Träger.

Für die Träger steht fest, dass eine Zerschlagung der über 20-jährigen Strukturen und des breiten Erfahrungsschatzes der Träger, „die diese wichtige Arbeit anfangs auch gegen Widerstände aufgebaut und entwickelt haben, nicht ohne negative Folgen für Schulen, Schüler und Eltern bleiben wird“. Einspareffekte werde es auch nur dann geben, wenn die Anzahl der Schulsozialarbeiter reduziert und damit gegen das erklärte Ziel gearbeitet würde, die Schulsozialarbeit an allen Schulen auszubauen.

„Es bleibt zu hoffen, dass sich die Gemeinderäte gegen die Zerschlagung stellen und sich für eine Fortführung einer, wie in allen Jugendhilfeausschusssitzungen bestätigt, qualitativ guten Schulsozialarbeit an den Schulen Villingen-Schwenningens entscheiden“, so die Träger.

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