Wegen der Corona-Krise sinkt die Zahl der Einbrüche.
Wegen der Corona-Krise sinkt die Zahl der Einbrüche. (Foto: Marcus Fahrer)
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Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Kriminalität. Während Einbrecher momentan schlechte Karte haben, versuchen Betrüger aus der Situation Profit zu schlagen. Befürchtet wird darüber hinaus ein Anstieg bei der häuslichen Gewalt.

Fast tägliche Einbrüche, verdeckte Ermittlungsarbeit der Polizei in betroffenen Wohngebieten und Nachbarschaftshilfe, um gegen die Ganoven gefeit zu sein: Während vor wenigen Wochen insbesondere im Schwarzwald-Baar-Kreis und Villingen-Schwenningen das Thema Wohnungseinbrüche noch in aller Munde war, ist es nun angesichts der Corona-Krise fast von der Bildfläche verschwunden. Verständlicherweise. „Die Menschen sind mehr daheim, deshalb gibt es auch weniger Einbrüche“, sagt Polizeisprecher Dieter Popp. Gänzlich Entwarnung in diesem Bereich vermag er aber nicht zu vermelden. Denn die Polizei registriert, dass die Einbrecher nun vermehrt andere Objekte ins Visier nehmen, „insbesondere im Gastronomiebereich, da hier derzeit viele Stätten verwaist sind“.

Die Polizei reagiere aber darauf und schlage gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn im Rahmen der Kontrollfahrten hinsichtlich der Einhaltung der Landesverordnung, welche den Betrieb von Gaststätten jeder Art – außer, wenn Speisen mitgenommen oder bestellt werden – untersagt, könne auch kontrolliert werden, ob möglicherweise Ganoven dort ihr Unwesen treiben.

Überhaupt würden derzeit die Einzeleinsätze für die Beamten auf der Straße zurückgehen. Weniger geöffnete Geschäfte bedeutet zugleich ein Rückgang von Ladendiebstählen, während die nachlassende Frequenz im öffentlichen Raum dazu führt, dass weniger Verkehrsunfälle verzeichnet werden.

Im Bereich des Betrugs verzeichne man derzeit einen drastischen Anstieg. Die Kriminellen würden gezielt mit der Angst der Menschen spielen. „Da wird zum Beispiel erzählt, dass Mitarbeiter des Robert-Koch-Institutes oder Mitarbeiter des Gesundheitsamtes verseuchte Geldscheine abholen möchten“, berichtet der Polizeisprecher von einem Fall.

Auch Begegnungen an der Haustür mit Fremden seien mit Vorsicht zu genießen. So sind dem Weißen Ring, Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, Fälle bekannt geworden, in denen sich Personen als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgegeben haben, die aufgrund eines Corona-Verdachts angeblich die Räume des potenziellen Opfers inspizieren und gegebenenfalls desinfizieren müssten. Während der angebliche Mitarbeiter des Gesundheitsamts das Haus begutachtete, kam ein Komplize durch die angelehnte Haustür geschlichen und nahm Wertsachen und Bargeld mit.

Laut Polizeipsychologe Adolf Gallwitz gebe es immer einen gewissen Prozentsatz in der Bevölkerung, die auf solche Betrügereien hereinfallen, „mit der zusätzlichen Angst derzeit ist der Prozentsatz derjenigen, die anfällig dafür sind, noch gestiegen“, berichtet der Profiler. Beim Blick in die Zukunft könnte die Polizei aber durchaus wieder verstärkt bei Einsätzen eingebunden sein – insbesondere in Wohnhäusern. „Wir haben die Befürchtung, dass es viele Menschen nicht gewohnt sind, auf engem Raum mit ihren Angehörigen zu leben“, so Gallwitz. Aufgrund der fehlenden Unternehmung bestehe die Gefahr, dass die Menschen aufeinander losgehen und es zu einem Anstieg bei der häuslichen Gewalt kommt. „Das wird dann an der Familie, dem Partner oder den Kindern ausgelassen.“

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