Rentnerin erlebt verrückte Woche

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 Der Hausnotruf spielte bei einer Rentnerin verrückt.
Der Hausnotruf spielte bei einer Rentnerin verrückt. (Foto: Rolf Vennenbernd)
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Erst macht ihr Hausnotruf Probleme und verursacht einen Rettungseinsatz, dann wollen auch noch Betrüger an das Ersparte der 82-Jährigen: Eine Rentnerin aus Villingen erlebt eine verrückte Woche und dankt der Polizei.

Die Dankbarkeit von Inge Sauter ist direkt spürbar, als sie die Geschichten berichtet, bei der ihr die Polizeibeamten mit Rat und Tat, aber auch mit Herz beiseite standen. „Wissen Sie, die Polizisten kriegen oft genug Prügel, da darf man auch mal so etwas erzählen.“

Angefangen hatte alles mit ihrem Hausnotruf, den sich die 82-Jährige über eine Hilfsorganisation besorgt hatte. Ein Knopfdruck auf diesen Apparat verständigt im Notfall unverzüglich Hilfe für die alleinstehende Frau. „Zwei Wochen lang erhielt die Polizei oft mehrmals am Tag Notrufe von meiner Telefonnummer“, berichtet Sauter.

Ausgelöst wurden die Notrufe durch einen zunächst nicht georteten Defekt in der Anlage, denn in einer Notlage sei sie in keinem der Fälle gewesen. Dennoch seien die besorgten Beamten stets zur Stelle gewesen – so habe beispielsweise das Führungs- und Lagezentrum des zuständigen Polizeipräsidiums in Konstanz bei ihr angerufen, um sich zu erkundigen, ob alles in Ordnung sei.

Von einer ernsten Situation mussten die Beamten jedoch ausgehen, als der Hausnotruf erneut Alarm schlug – Sauter allerdings nicht daheim war und auf die Anrufe der Polizei deshalb nicht reagieren konnte. „Da war ich gerade Kaffeetrinken in der Stadt“, erinnert sie sich. Auch die Leitstelle nahm einen Notfall an, ließ Feuerwehr und Rettungsdienst anfahren, um die Wohnungstür zu öffnen. Die 82-Jährige fand man natürlich nicht – sie saß noch immer nichts ahnend und bester Gesundheit bei einer Tasse Kaffee mit Bekannten zusammen.

Bei der Rückkehr hatten Nachbarn sie darauf aufmerksam gemacht, dass sich Feuerwehr und Polizei einen Zugang zur Wohnung verschafft hatten. „Die haben wirklich aufgepasst“, erzählt die rüstige Rentnerin. Offenbar über ein gekipptes Fenster seien die Einsatzkräfte eingestiegen, hätten dabei allerdings auf der Fensterbank stehende Blumentöpfe umschmeißen müssen. „Aber sie haben die Erde auf dem Boden dann sogar wieder zusammengekehrt.“

Am nächsten Tag habe die Polizei nochmals bei ihr nachgefragt, ob bei ihr alles in Ordnung sei oder etwas beschädigt wurde. „Ich fand das einfach großartig“, zeigt sich die 82-Jährige von der Fürsorge der Beamten und übrigen Einsatzkräfte überwältigt. Mittlerweile habe der Notruf-Anbieter die Anlage komplett ausgetauscht.

Doch damit noch lange nicht genug. Denn die verrückte Woche nahm noch weiter Fahrt auf. So habe sie einen Anruf erhalten, dass sie 380 000 Euro gewonnen hätte – allerdings könne der Gewinn nur nach Zahlung einer „Bearbeitungsgebühr“ in Höhe von mehreren tausend Euro übergeben werden. Bei der Übergabe mitsamt Geldtransporter seien zwei Polizisten sowie eine Notarin anwesend.

Doch Sauter roch die Lunte. Sie gab zunächst an, dass sie so viel Bargeld nicht besitze, anschließend forderte man sie auf, in einem Supermarkt Wertkarten für mehrere hundert Euro zu kaufen. Nach dem Anruf habe die 82-Jährige aber unverzüglich die Polizei informiert. „Auch da haben die netten Herren von der Polizei mich sehr gut beraten und Sicherheit vermittelt.“

So habe man vereinbart, dass sie sich im Falle einer geplanten Übergabe nochmals melde solle – die Polizei würde dann unverzüglich dazustoßen. Doch so weit kam es glücklicherweise nicht: „Als der Anruf kam, haben die nach zwei Mal klingeln schon aufgegeben“, so Sauter, die die dreisten Gauner eigentlich gerne ausgeliefert hätte. So eine Festnahme vor ihrer Haustür hätte vermutlich auch perfekt in diese verrückte Woche der rüstigen Rentnerin gepasst.

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