In vielen deutschen Städten ist der Klimanotstand bereits ausgerufen – was würde das für Villingen-Schwenningen bedeuten? Zum B
In vielen deutschen Städten ist der Klimanotstand bereits ausgerufen – was würde das für Villingen-Schwenningen bedeuten? Zum Beispiel keinen Dienstwagen mehr für den OB wie in Konstanz? (Foto: dpa/Hendrik Schmidt)
sbo und Johannes Volz

Der Gemeinderat in VS diskutiert darüber, ob in der Doppelstadt der Klimanotstand ausgerufen werden soll. Andere Städte, wie Konstanz oder Münster, setzen bereits Maßnahmen um. Welche Folgen es für VS haben könnte, zeigt sich dort.

In Konstanz beispielsweise kündigt der Oberbürgermeister den Leasingvertrag für seinen Dienstwagen oder auch ein Verbot von Fleisch in öffentlichen Kantinen steht im Raum.

Konstanz war die erste Stadt in Deutschland, welche am 2. Mai 2019 den Klimanotstand ausgerufen hat. Seitdem muss jede Entscheidung auf ihre Klimaverträglichkeit geprüft werden, und das hat Konsequenzen: Erstes prominentes Opfer ist das Feuerwerk am Seenachtfest, das dieses Jahr wahrscheinlich zum letzten Mal stattfinden wird. Das selbe Schicksal könnte der „Langen Nacht der Kultur“ in Schwenningen blühen, welche traditionell ebenfalls mit einem Feuerwerk endet.

Fahrrad als Alternative zum Auto

Außerdem werden in Konstanz Maßnahmen diskutiert, wie man die Bürger dazu bewegen könnte, auf das eigene Auto zu verzichten. Neben höheren Parkgebühren in der Innenstadt gibt es die Idee, dass Bürger, welche freiwillig ihr Auto abmelden, ein Jahr kostenlos den öffentlichen Nahverkehr nutzen dürfen. Begleitend zu Bus und Bahn soll auch das Fahrrad immer mehr eine Alternative für das Auto darstellen.

So plant Konstanz Zuschüsse für den Kauf eines Lastenrads und die Fahrradwege sollen ausgebaut werden. Auch der Oberbürgermeister hat beschlossen, ab sofort auf seinen Dienstwagen zu verzichten. Durch Förderungen soll ein Anreiz geschaffen werden, alte Gebäude zu sanieren und energieeffizienter zu gestalten. Neubauten sollen so weit wie möglich ihre Energie aus erneuerbaren, regionalen Quellen beziehen.

Nachdem Münster am 22. Mai den Klimanotstand ausgerufen hat, werden jetzt verschiedene Sofortmaßnahmen diskutiert. Ein Vorschlag ist eine Klimauhr am Rathaus. Diese soll die CO2-Emission in Tonnen pro Sekunde anzeigen. Weitere Vorschläge sind das Verbieten von Inlandsflügen für Mitbarbeiter der Stadtverwaltung oder die Maßgabe, ab 2020 in städtischen Kantinen nur noch vegetarisches oder veganes Essen aufzutischen. Als weiteren Schritt ist Münster eine Klimapartnerschaft mit seiner Partnerstadt Monastir in Tunesien eingegangen. Die beiden Städte wollen sich untereinander austauschen und von der Erfahrung des jeweils anderen lernen. Monastir erhofft sich vor allem in Sachen klimafreundlicher Mobilität Impulse.

Eine Maßnahme von Karlsruhe ist es, zu versuchen, den CO2-Ausstoß der ansässigen Industrie zu verringern. Dafür soll eine kommunale Plattform geschaffen werden, auf welcher sich Unternehmen austauschen können. Weiteres Potenzial sieht die Stadt im Ausbau von Photovoltaikanlagen. Würden alle potenziellen Flächen genutzt, könnten 54 Prozent des Strombedarfs von Karlsruhe durch Photovoltaikanlagen gedeckt werden. Um dies umzusetzen, soll ein Informationszentrum eingerichtet werden, in welchem sich die Bürger informieren können. Bei städtebaulichen Maßnahmen könnte es Pflicht werden, Photovoltaikanlagen zu verbauen.

Heidelberg ist Modellkommune

Heidelberg ist schon seit 2012 eine Modellkommune des Bundesumweltministeriums. Die Stadt beteiligt sich an dem Förderprogramm „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“, dessen Ziel eine klimaneutrale Kommune bis 2050 ist. Zur Verstärkung dieses Ziels hat Oberbürgermeister Eckart Würzner jetzt noch den Klimanotstand ausgerufen.

Erste Maßnahme ist das Austauschen von Fahrzeugen des kommunalen Fuhrparks. Nach und nach sollen alle Dienstfahrzeuge durch emissionsfreie Elektro-Autos ersetzt werden. Stand jetzt besitzt die Stadt Heidelberg fünf Elektro-Autos für den öffentlichen Dienst.

In Erlangen plant man nun, nach der Ausrufung des Klimanotstands, das Poetenfest möglichst klimaneutral zu veranstalten. Dafür soll der benötigte Strom aus erneuerbaren Energiequellen kommen und nur regionales Essen verkauft werden. Transporte für das Fest sollen weitestmöglich mit Fahrrädern oder Elektroautos getätigt werden.

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