Viele Landwirte sorgen sich um die Grundausrichtung der Agrarmarktpolitik und deren Folgen für ihre Tiere.
Viele Landwirte sorgen sich um die Grundausrichtung der Agrarmarktpolitik und deren Folgen für ihre Tiere. (Foto: Matthias Balk)
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Die Situation, in der sich die Milchviehhalter befinden, kann nach Ansicht vieler Milchvieh haltender Landwirte nur als Dauerkrise bezeichnet werden. Andreas Schleicher, Landwirt aus Dauchingen, ist der hiesige Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) und gibt Einblick in die Lage.

Unterdurchschnittliche Erntemengen im Getreidebereich, eine unter dem Vorjahr liegende Milchanlieferung, trotzdem deutlich niedrigere Milcherzeugerpreise und gleichzeitig Preise für Kälber und Schlachtrinder, die als unterirdisch zu bezeichnen sind.

„Mit einem Milcherzeugerpreis von aktuell rund 33 Cent pro Kilogramm Milch, Tendenz weiter fallend, liegen wir deutlich unter dem Vorjahresniveau und weit entfernt von einer Deckung der Vollkosten, die bei rund 43 Cent pro Kilogramm liegen. Von Gewinnen, mit denen wir unsere Betriebe nachhaltig weiterentwickeln können, sind wir meilenweit entfernt“, kommentiert Schleicher die wirtschaftliche Situation von ihm und seinen Kollegen.

„Wenn man beispielsweise für ein völlig gesundes Kalb mit Glück noch 50 Euro erlösen kann, beziehungsweise in einigen Fällen beim Verkauf mit Gebühren sogar noch draufzahlt, zeigt das eine Schieflage des Marktes, die dramatisch ist“, und weiter: „Wenn Lebewesen nur noch billige Agrarrohstoffe sein sollen oder liefern sollen und nur die Ernährungsindustrie sowie der Handel in diesem Spiel Gewinne machen, sollte doch auch der Letzte begreifen, dass die bisherige Grundausrichtung der Agrarmarktpolitik auf immer billiger, immer mehr überdacht und dringend geändert werden muss“, betont Schleicher.

Er beschreibt die Lage. Die Landwirte sollen und wollen in das Wohl der Tiere weiter investieren, gleichzeitig sei das Tier selbst aber nicht mehr als eine Tankfüllung wert. Das passe überhaupt nicht zusammen und sei ein eindringliches Zeichen, wie hoch der Marktdruck bereits sei.

Die Schizophrenie, dass die Politik regional mehr Maßnahmen für Artenvielfalt, Tierwohl, Klima- und Gewässerschutz einfordert, aber auf globaler Ebene den Markt mit Freihandelsabkommen wie Mercosur weiter öffne und somit die Landwirte noch stärker unter Druck setze, „baden die Landwirte voll aus“, kritisiert der engagierte Landwirt weiter.

Die aktuell laufende Diskussion der Weiterentwicklung der gemeinsamen Agrarpolitik GAP 2020 bietet nach Ansicht des BDM, und diese Meinung teilt Schleicher, ganz konkret die Möglichkeit, daran etwas zu ändern. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man die GAP-Diskussion nicht zum wiederholten Male alleine auf die Gestaltung der Zahlung von Agrargeldern beschränkt.

Als Teil der GAP 2020 müssen Veränderungen in der Ausgestaltung der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) vorgenommen werden, so dass die Milchviehhalter ihr Einkommen hauptsächlich über ihr Produkt und den Markt erzielen können. Ein erster wichtiger Schritt wäre die Weiterentwicklung des EU-Sicherheitsnetzes um wirkungsvolle Krisenmanagement-Instrumente, weitere wichtige Schritte zur Verbesserung der Marktstellung und Marktteilhabe der Milchviehhalter.

Der BDM habe die nötigen Instrumente und Maßnahmen dafür in seiner BDM-Sektorstrategie 2030 näher beschrieben. Ein weiterer Vorteil: Wenn die Agrargelder nicht mehr im Wesentlichen zur Einkommensstützung verwendet werden müssen, können die ohnehin knapper werdenden Agrargelder zielgerichtet und mit mehr Wirkungskraft für die Erreichung wichtiger gesellschaftlicher Ziele eingesetzt werden.

Das Handelsabkommen zwischen der EU und Südamerika umfasst 22 Bereiche, darunter: Zollsenkung auf den Märkten von Gütern, Zugang zum Dienstleistungssektor, gesundheits- und pflanzenschutzrechtliche Maßnahmen, öffentliches Beschaffungswesen, Wein- und Destillatanhang, Zollzusammenarbeit, Subventionen, Handel und nachhaltige Entwicklung. Unter anderem soll der Import von Fleisch aus Südamerika in die EU erleichtert werden.

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