Perspektiven für das „Herz“ Bad Dürrheims

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 Viele Wünsche äußerten befragte Bürger zur künftig Optik Bad Dürrheims, im Bild das Narrenschopf-Museum am Kurpark.
Viele Wünsche äußerten befragte Bürger zur künftig Optik Bad Dürrheims, im Bild das Narrenschopf-Museum am Kurpark. (Foto: Archiv)
wst und sbo

Rund 160 Seiten hat die Auswertung der Bürgerbefragung „Perspektive im Herzen von Bad Dürrheim“. Stadtverwaltung und Gemeinderäte müssen die Informationsflut nun einordnen und im Optimalfall die richtigen Schlüsse daraus ziehen und Handlung ableiten.

Die Agentur Plan-Kooperativ, die die Befragung durchführte, hat in der Ergebniszusammenfassung neun Handlungsfelder eingeteilt. Eines davon wurde mit „Freiraum“ betitelt. Damit sind die Parks und Grünflächen in der Kurstadt gemeint, sprich der Hindenburgpark, die gegenüberliegende Grünfläche Ecke Bahnhof-/Luisenstraße, der kleine Salinenpark Ecke Luisen-/Huberstraße und die grüne Lunge Bad Dürrheims, die vom Hindenburgpark über den Kapfwald hinaus reicht und bei der auch das Gebiet gegenüber der evangelischen Kirchengemeinde und die ehemalige Gärtnerei und künftiges Baugebiet Hofen II gemeint ist. Zunächst: Die ehemalige Gärtnerei wird bebaut, das ist so gut wie sicher, das stellte auch Bürgermeister Jonathan Berggötz klar. Schaut man von dort in Richtung Hindenburgpark, gehört bis zum Weg entlang der Stillen Musel das Abschüssige Gelände zum Großteil der evangelischen Kirche. Die restlichen der genannten Grünflächen sind in städtischem Eigentum.

Was nun hat die Bevölkerung in der nicht repräsentativ durchgeführten Befragung an Wünschen genannt? Von den 1401 Beiträgen beinhalteten 108 Defizite und 171 Potenziale. Grundsätzlich soll man den Grünflächenverbrauch in Bad Dürrheim eindämmen. Man wünscht sich die Weiterentwicklung der Grünanlagen in den Bereichen Gesundheit, Klima, Frischluftschneisen und Biodiversität. Handlungsbedarf sieht man in den Bereichen Salinen- und Kurpark, auf Hofen, in der Friedrich- wie auch in der Luisenstraße.

Die Bürger möchten gerne das Element Wasser in der Stadt sichtbarer thematisieren und so zu einer gesteigerten Aufenthaltsqualität beitragen. Auch hätte man gerne eine bessere Vernetzung der Grünflächen.

Für die beiden Betreuer von Plan-Kooperativ, Matthias Burgbacher und Steffen Becker, leiten sich mehrere Fragestellungen dazu ab. Unter anderem: Welche Möglichkeit gibt es, bestehende Freiräume in Bad Dürrheim zu bewahren und neue urbane Freiräume auszubauen? Wie können die Grünflächen vernetzt werden? Welche Sichtbezüge sind zu berücksichtigen? Welche Nutzung kann am Uferbereich der Stillen Musel entstehen und für welche Zielgruppen? Wie kann Bad Dürrheim als Erholungsstandort gestärkt und gleichzeitig eine Belebung der Innenstadt erreicht werden?

In den einzelnen Beiträgen sah man die Bebauung Auf Hofen äußerst kritisch. Die einen wollen gar keine Bebauung, die anderen sehen die enge Bebauung als kritisch an. Ein anderer sieht die Bebauung konträr zu der Absicht „Erholungsflächen aufzuwerten und zu erhalten“.

Bei den Ideen und Potenzialen sehen andere die Möglichkeit, den ehemaligen Garten in den Park zu integrieren oder sehen die Möglichkeit, einen Spielplatz zu errichten. Ein anderer erinnerte daran, dass es sich bei der Fläche um ein privates Grundstück handle, und man könne einen Privatbesitzer nicht zwingen, sein Grundstück in eine öffentliche Parkanlage umzubauen.

Zum Kurpark lobte ein Bürger: „Der Dürrheimer Kurpark ist einer der schönsten weit und breit. Wenn man die weiterführenden Spazier- und Wanderwege dazu nimmt, ist dies ein Angebot von großer Vielfalt.“ Als eine Option sah man auch die Einrichtung eines Mineralwassertrinkbrunnens. Gelobt wurde immer wieder auch die Arbeit der Kurgärtnerei im Kurpark. Auf der anderen Seite gab es auch insgesamt Kritik, einer nannte den Kurpark eine „Friedhofslandschaft“, und der große Springbrunnen hätte eine neue – naturnahe – Gestaltung notwendig. Andere sehen mit den Einrichtungen Adventuregolfplatz, Pit-Pat oder auch Fitness-Parcours eine Einschränkung und nicht mehr die Großzügigkeit und Harmonie im Sinne eines Parks. Es werden fehlende Mülleimer bemängelt, und er sei zu dunkel.

Die Meinungen gehen in Sachen Park und Grünflächen somit weit auseinander. Und es ist eher schwer, eine Handlungsempfehlung zu erstellen. Ein Beispiel: Einig sind sich alle darin, dass der Hindenburgpark erhalten werden muss. Eine Idee ist, die Musel mehr einzubeziehen. Doch die Musel hat das Bachbett in etwa drei Meter Tiefe und ist ein Bach – kein Fluss, wie etwa die Brigach in Donaueschingen, und mehr Wasser kann auch nicht zugeführt werden. Was soll da also erlebbar gemacht werden? Nutzbar ist der Park aber bei Festivitäten wie im vergangenen Sommer beim Lichterfest – allerdings ist die Frage hier: Soll man die Grünfläche nutzen, auch wenn es regnet?

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