Wegen mutmaßlichen Kokainhandels steht ein 23-Jähriger vor Gericht.
Wegen mutmaßlichen Kokainhandels steht ein 23-Jähriger vor Gericht. (Foto: Christian Charisius)
Schwäbische Zeitung

(sne/sbo) - Zwischen März und August 2019 soll ein 23-Jähriger Albaner, der in der Drogenszene als „Bambino“ bekannt ist, im Raum VS selbstständigen Handel mit größeren Mengen Kokain betrieben haben. Er soll außerdem falsche Angaben zu einer weiteren, angeblich beteiligten Person gemacht haben, um sich so Strafmilderung zu erschleichen. Nun muss er sich vor dem Konstanzer Landgericht verantworten. Am Ende des ersten Prozesstages sind noch viele Fragen offen.

Der Angeklagte kam nach eigenen Angaben im Mai 2016 nach Deutschland. Er gab an, die Schule und eine Berufsausbildung als Metzger abgeschlossen zu haben. Er habe einen Asylantrag gestellt und zeitweise zu einem Tageslohn von 50 bis 60 Euro Schwarzarbeit verrichtet. Seine Freundin in Deutschland sei mit Zwillingen schwanger.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Angeklagten, in drei Fällen 50 Gramm Kokain zu je 2500 Euro an Dealer verkauft zu haben. Auch der Verkauf einer kleineren Menge wird ihm zur Last gelegt. Auf dem Dachboden seiner Wohnung in Schwenningen seien zudem 374 Gramm hochwertiges Kokain sichergestellt worden. Der Angeklagte, der zuerst keine Angaben zur Sache machen wollte, räumte den Besitz und den Verkauf der kleineren Menge an Kokain schließlich über seinen Verteidiger ein, nicht aber den Verkauf der größeren Mengen. Denn Mitte April sei er abgeschoben worden – er konnte demnach die Taten gar nicht begangen haben – und habe in seinem Heimatland eine Frau geheiratet, um mit geändertem Nachnamen im Juni wieder nach Deutschland zu kommen.

Der 22-jährige Hauptzeuge aus VS und ehemalige Kunde des Angeklagten sagte allerdings aus, den Angeklagten etwa eine Woche nach seiner Abschiebung nochmals getroffen zu haben. Im Laufe der Verhandlung räumte der Angeklagte ein, versucht zu haben, sich durch falsche Angaben zu einem angeblichen Beteiligten strafmildernde Umstände zu verschaffen. Außerdem gab er an, selbst schwer abhängig zu sein.

Bereits seit seinem 16. Lebensjahr würde er auch Cannabis konsumieren. Die Angaben zum Konsum seien nur schwer nachvollziehbar, merkte der Vorsitzende Richter Marc Gerster an. „Sie haben uns schon mal Angaben gemacht, die unzutreffend sind. Wir werden das kritisch prüfen. Wir glauben nicht alles, was sie uns erzählen.“ Es konnte dem Angeklagten nicht möglich gewesen sein, ohne illegale Geldquellen seine Drogensucht zu finanzieren, schlussfolgerte der Richter. Der Hauptzeuge, der wegen seiner Beteiligung bereits verurteilt wurde, gab an, den Angeklagten des Öfteren bei Geschäften gesehen zu haben und selbst bei ihm Drogen gekauft zu haben.

Zu Beginn fanden die Drogengeschäfte in der Lessingstraße in Schwenningen statt, später dann in diversen Hotels in Villingen-Schwenningen und im Terrawohnpark in Marbach. Außerdem beschrieb der Zeuge den Ablauf einer Übergabe an einem Waldstück in Unterkirnach, bei dem der Angeklagte beteiligt gewesen sein soll. Überführt werden konnten die beteiligten Personen unter anderem durch Telefonüberwachungen, der Angeklagte insbesondere durch Zeugenaussagen und die beim ihm sichergestellten Beweismittel.

„Ich habe das in den letzten zehn bis 15 Jahren nicht mehr erlebt, dass man am Telefon so offen über diese Geschäfte redet“, gab ein Kriminalbeamter an. Der Richter ging am Ende des ersten Prozesstages davon aus, dass man bei dem Angeklagten von einem Kokainverkauf vor und nach der Abschiebung ausgehen kann, auch wenn er um die Ungenauigkeiten der Angaben des Hauptzeugens weiß. Er halte ihn dennoch für glaubwürdig.

Der Verteidiger hingegen wies darauf hin, dass die Beweislage nur wenig überzeugend sei, zumal der Angeklagte durch seinen Reisepass nachweisen kann, zu den Tatzeiten nicht in Deutschland gewesen zu sein.

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