Jörg Röber tritt bei der OB-Wahl in Villingen-Schwenningen an.
Jörg Röber tritt bei der OB-Wahl in Villingen-Schwenningen an. (Foto: Röber)
Cornelia Spitz

Seit zweieinhalb Jahren ist Jörg Röber der persönliche Referent des Oberbürgermeisters Rupert Kubon. Jetzt will er selbst OB von Villingen-Schwenningen werden. „Ja, ich werde mich für die Stelle bewerben“, gibt er nach monatelangen Spekulationen um seine Person nun zu.

Die Pilzkopf-Frisur, die lange Zeit sein Markenzeichen gewesen ist, ist Schnee von gestern. Und auch aus dem Schatten des Oberbürgermeisters Kubon tritt der 38-Jährige längst immer öfter hervor. Aber könnte er als künftiger OB auch einen neuen Kurs einschlagen als dieser? Oder stünde ein Oberbürgermeister Jörg Röber ganz bewusst für Kontinuität und den gewohnten Fortgang in Villingen-Schwenningen? Weder noch – zumindest hat Röber sich offenbar beides vorgenommen: Positives weiterführen, aber auch eigene Akzente zu setzen.

„Ich habe schon immer meine eigene Meinung und die sage ich auch“, erklärt er selbstbewusst während des Pressegesprächs im Umweltzentrum auf der Möglingshöhe in VS-Schwenningen. Warum eigentlich gerade dort – vielleicht als Statement an die Grünen, deren Unterstützung Röber, wie vielfach gemunkelt wird, längst zugesichert worden sein soll? Damit konfrontiert, lächelt Jörg Röber und umschifft das Thema zunächst mit einer ausschweifenden Antwort über grundsätzliche Vorzüge einer nachhaltigen Stadtpolitik. Bei erneutem Nachhaken aber gibt er zu: „Ich habe da gute Hoffnung“, sowohl mit den Grünen als auch mit der SPD führe er – noch immer – sehr gute Gespräche. Sein sehr breites Strahlen aber legt den Verdacht nahe, dass etwas dran ist an den Gerüchten, wonach ihm die Unterstützung längst signalisiert worden sein soll.

Im Gespräch bestätigt er, dass bereits ein richtiges Team hinter ihm steht – der ehemalige Hoerco-Geschäftsführer Rudolf Reim, die Historikerin Anja Rudolf und der zweite Vorsitzende des GVO, Sparte Handel Schwenningen, Hansjörg Böninger sollen dazugehören.

Urlaub ab September

Dass aber Kubon ihn zu einer Kandidatur ermuntert habe, wie ebenfalls oft erzählt wird, das dementiert er mit einem klaren „Nein“ – er habe aber sowohl OB Kubon als auch Bürgermeister Detlef Bührer über seine Pläne informiert. Ab sofort gebe er für die Dauer des Wahlkampfes die Zuständigkeit für die städtische Pressestelle ab, und ab September werde er Urlaub nehmen, um sich einerseits ganz dem Wahlkampf widmen zu können, andererseits in keinen Konflikt zwischen seiner Tätigkeit und seinen Wahlversprechen zu kommen. Denn dass Röber nicht immer einer Meinung mit Kubon ist, macht er im Pressegespräch deutlich. In Sachen Breitbandausbau stehe die Stadt als einer der größeren Dienstleister lediglich „am Rand und schaut zu – das kann nicht so bleiben“, findet er beispielsweise. Und auch hinsichtlich des Flächenmanagements für Gewerbeansiedlungen will er einen anderen Kurs einschlagen, die Umlandgemeinden stärker mit ins Boot holen, anstatt alles “am Planungsrecht festzumachen“ – auch dort gebe es viel Potenzial für Firmen.

Ferner pocht er auf mehr Flexibilität und längere Öffnungs- und Randzeiten in der auszubauenden Kinderbetreuung und ist ihm sowohl die Villinger Scheuer als auch das jugendkulturelle Zentrum wichtig. Bei den in seinen Augen zunehmenden Konflikten in diesem Bereich habe man „in letzter Zeit vielleicht eher übereinander gesprochen als miteinander“, das wolle er ändern – „da braucht es aber auch den Oberbürgermeister dazu“.

Einen „Plan B“ für den Fall, dass er die Wahl verliert, hat der Mann, der als OB mit seiner Familie auch von Singen nach VS ziehen wolle, nicht. Könnte er sich vorstellen, unter einem anderen OB, also einem seiner aktuellen Konkurrenten, weiterhin als Referent bei der Stadtverwaltung zu arbeiten? „Diese Was-wäre-wenn-Überlegungen stelle ich gar nicht erst an“, betont er, aber auch, dass er Angestellter der Verwaltung und nicht von Rupert Kubon sei.

Entsprechend eindeutig ist seine Pressemitteilung: Er habe sich, schreibt Röber, „für die kommenden acht Jahre fünf Schwerpunkte gesetzt“: Gute Verkehrsinfrastrukturen schaffen (Straßensanierung, alternative Angebote zum eigenen Auto, bessere Radwege, mehr Tempo-30-Zonen, Carsharing und Nachtbusse), liebenswerte Innenstädte (Citymanagement, ÖPNV, aber auch Erhalt der Lebensqualität in den Ortschaften), ein gemeinsames VS (Etablierung Jugendkulturzentrum, Demographie-Strategie für die Ortschaften, Förderung altengerechter Wohnangebote, Integrationsförderung) sowie die Stärkung des Bildungs- und Wissenschaftsstandortes VS (mehr und flexiblere Kinderbetreuung, Sanierungsstau an Schulen reduzieren, Unterstützung der Hochschulen bei Ausbau und Sanierung, VHS und Bibliotheken in beiden Stadtbezirken).

Eine Planänderung

Und was ist aus seiner Aussage auf Anfrage von Renate Breuning (CDU) um die Neujahrs-Ansprache herum geworden, wonach er andere Lebenspläne habe, als OB von Villingen-Schwenningen zu werden? „Manchmal kommen solche Gelegenheiten, und das ist eine davon“ – und die packt er voller Tatendrang an: „Ich freue mich wirklich, dass es jetzt losgeht!“

Vita

Privates: 1980 in Zittau (Sachsen) geboren, verheiratet, Vater zweier Söhne (drei und 14 Jahre alt) Beruflicher Werdegang: 2000 Abitur, Grundwehrdienst, Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaft in Konstanz, Erasmus Semester in Nottingham, Promotion an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen 2012 bis 2014 Freizeit: Zeit mit den Kindern verbringen, Kanufahren, Laufen, Fußballfan (von Dynamo Dresden)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen