Die Dekane Wolfgang Rüter-Eberl (Mitte) und Josef Fischer erläutern Moderatorin Marianne Winkler ihre Einstellung zu Waldbestat
Die Dekane Wolfgang Rüter-Eberl (Mitte) und Josef Fischer erläutern Moderatorin Marianne Winkler ihre Einstellung zu Waldbestattungen. (Foto: Bombardi)
Rainer Bombardi

„Es gibt in Villingen-Schwenningen auf absehbare Zeit keinen Bestattungswald“, hat Oberbürgermeister Rupert Kubon während einer Informationsveranstaltung resümiert, welche Neue Wege der Bestattungskultur – nter besonderer Berücksichtigung der Baumbestattung in den Fokus rückte.

Auf Initiative des Kreisverbandes der Schutzgemeinschaft deutscher Wald (SDM) waren zahlreiche Besucher in die Neuen Tonhalle gekommen, um sich ganzheitlich über die Baum- oder Waldbestattung, als Alternative zur klassischen Erdbestattung aus kommunaler, politischer und kirchlicher Sicht zu informieren. Kubon, der als letzter Gastredner die Bestattungskultur beleuchtete, nannte die Vielfalt an bislang 20 möglichen Bestattungsformen auf dem gesamten Stadtgebiet, finanzielle Aspekte oder die fehlende Zugänglichkeit als Argumente gegen die Baumbestattung.

„Wir verbessern kontinuierlich die Zugänglichkeit auf unseren Friedhöfen“, was angesichts der jährlich 1000 Bestattungen im Stadtgebiet konsequent sei. Die Bestattungen teilen sich zu einem Viertel auf Sarg-, zu drei Viertel auf Urnenbestattungen auf. Die Quote einer anonymen Bestattung läge noch sehr tief, rückte Kubon auch finanzielle Aspekte für die Kommune im Falle einer Baumbestattung in den Fokus.

Dass das Thema Baumbestattung im Landkreis ein Thema sein könne, schloss der stellvertretende Vorsitzende Reinhold Mayer, zugleich Dezernent am Landratsamt, keineswegs aus. Zuständig seien die einzelnen Gemeinden. „Mit der heutigen Veranstaltung wollen wir Impulse zu Diskussionen über eine Bestattungsart auslösen, die es bislang im Kreis nicht gibt. Die ganzheitliche Betrachtung soll die Entscheidungsfindung der Besucher erleichtern,“ erläuterte Karl-Wilhelm Röhm, SDM-Landesvorsitzender zu Beginn.

Schulleiterin Marianne Winkler von der Christy Brown Schule übernahm die Moderation. Britta Bauer vom Landesministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz skizzierte die Entwicklungen der Baumbestattungen, im In- und Ausland, stellte Vor- und Nachteile gegenüber und ergänzte ihre Präsentation mit Hintergrundinformationen. In einer Baum- und Waldbestattung spiegle sich der Einklang des Menschen mit der Natur wider, berichtete sie von einem ansteigenden Interesse einer Bestattungsform, die landesweit inzwischen in 70 Wäldern möglich sie. Im Gegensatz zu vielen ausländischen Staaten mache sich Deutschland mit der Ausweisung von Waldflächen für Bestattungen nicht einfach.

Als Herausforderungen führte sie die räumliche Trennung zwischen dem Aufenthaltsort der Lebenenden und Toten, die fehlende Infrastruktur, den Verlust an Traditionen, negative Auswirkungen auf den Trauerprozess oder ein völlig neues Zusammenspiel zwischen Waldeigentümer, Träger und Betreiber der Friedhöfe, Trauernden und Seelsorgern auf. Bauer reihte Baumgräber als eine Bestattungsalternative ein, die zu einer Auflockerung des Bestattungszwangs führt. Sie sprach von einer Chance für Forstbetriebe und Kommunen, die ihre Ertragsziele bei gleichzeitigem Erhalt besonderer Waldbestände erfüllen können. Der Wald und seine Eigentümer sorgen dadurch für einen veränderten Umgang mit dem Abschied nehmen.

Eine liberale Haltung gegenüber Baum- und Waldbestattungen zeigten die beiden Dekane Josef Fischer von der katholischen und Wolfgang Rüter-Eberl von der evangelischen Kirche. Beide waren sich einig, in einer vielfältigen Gesellschaft zu leben, in der es rechtlich möglich sei, diese Art der Bestattung zu wählen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen