Renate Zährlund Cornelia Spitz

Neue Theaterstühle, neues Programm. Münchner Freiheit – so nannte sich das Gastspiel des Bayrischen Junior Balletts München, mit dem im voll besetzten Theater am Ring die Spielzeit eröffnet wurde.

Oberbürgermeister Rupert Kubon begrüßte die zahlreichen Gäste zur feierlichen Eröffnung der neuen Spielzeit. „Und? Wie fühlt man sich so?“, fragte er verschmitzt lächelnd das Publikum, das auf den nigelnagelneuen roten Theaterstühlen Platz genommen hatte. Rundum neu also war an diesem Abend nicht nur das Programm, sondern auch der Zuschauerraum des Villinger Theaters – auch dank vieler Stuhlpaten, deren Einsatz sich bislang auf über 60 000 Euro beziffern lässt, und es könnten noch weitere Stuhlpatenschaften übernommen werden, ließ Kubon wissen.

Dieser Neubeginn ging gleichzeitig einher mit einem ganz besonderen Gastspiel-Projekt: Der Kooperation mit dem Bayerischen Junior Ballett, die sich in der nächsten Zeit an vielen Schulen und sonstigen Einrichtungen in der Doppelstadt bemerkbar machen wird. „Villingen-Schwenningen moves“, prophezeite Ivan Liška, der Leiter des Ensembles. Mit der Unterstützung von Tanzland Deutschland, der Kulturstiftung des Bundes, begann in 2018 die dreijährige Partnerschaft zwischen dem Bayerischen Junior Ballett München und dem Kulturamt der Stadt Villingen-Schwenningen.

„Ziel der Kooperation ist es, die traditionsreiche Geschichte des deutschen Tanzes wieder zu beleben“, so der Leiter Ivan Liška. Die ausgewählten Mitglieder des internationalen Ensembles erhalten eine Exzellenzausbildung, sammeln Erfahrung im Bayerischen Staatsballett und kreieren neue Werke.

In Villingen nun erhielten die Zuschauer Einblicke in diese kreativen Prozesse, indem die jungen Tänzerinnen und Tänzer ihr breites Repertoire von klassischem, neoklassischem und zeitgenössischem Ballett, zeigten. Dynamik, schnelle Drehungen, ausdrucksstarke Hebungen, klassischer und moderner Tanz, dies alles wurde den begeisterten Zuschauern geboten. Mit „Bilder einer Ausstellung“ nach der Musik von Modest Mussorgsky, gelang es, das Schaffen von berühmten bildenden Künstlern des 20. Jahrhunderts wie Josef Beuys, Ives Klein, Pablo Picasso, Paul Klee oder auch die Nana-Figuren von Niki de Saint Phalle auf unterschiedlichste Weise und passend zu den jeweiligen malerischen Stilen in Szene zu setzen. Anmutig war die Choreografie „Blues in a-minor“ anzusehen – getanzt wurde ein reizvolles Duett zu einer Jazzversion, das die Vorstellung von Geschlecht und Identität in Frage stellte. Klassisch und doch kreativ interpretiert wurde der berühmte Schwanensee – ein Pas de six zur Musik von Peter Tschaikowsky. Die eigene Diplomarbeit in Choreografie, Evanesce, tanzte Lotte James mit verhaltenen Bewegungen. Es war „ein Solo zu zweit“, so Ivan Liška – der Körper in Weiß, die Seele in Schwarz, widergespiegelt wurde die Suche nach sich selbst.

Den Abschluss bildete klassisches dynamisches Ballett mit der Musik von Dimitri Shostakovich und verschiedenen Miniaturen im harmonischen Zusammenspiel der Künstler. Für den professionellen, ästhetisch gelungenen und unterhaltsamen Abend bedankten sich die Zuschauer mit stürmischem, teils stehendem Applaus.

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