An der „Muslen“ stehen einige Läden leer.
An der „Muslen“ stehen einige Läden leer. (Foto: sbo)
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Die Muslen: einst beliebte Flaniermeile mit attraktiven Einkaufsmöglichkeiten, heute graue Fußgängerzone mit vielen Leerständen. Der Immobilienbesitzer Klaus Dieter Müller spricht über die Gründe – und Möglichkeiten, dagegen anzukämpfen.

Seit Dezember 2018 steht die neueste Immobilie von Geschäftsmann Klaus Dieter Müller, das ehemalige Juweliergeschäft Müller, leer. Als klar wurde, dass der Juwelier seinen Laden aufgeben wird, habe er die Flächen gekauft, berichtet Müller im Gespräch mit unserer Zeitung. „Um das ewige Auf und Ab zu stoppen und etwas Vernünftiges hineinzubekommen“, erklärt er. Denn Müller habe die Flächen vor einer weiteren Shishabar oder ähnlichem bewahren wollen. Erfolgreich: Wie bereits berichtet, wird das Geschäft, so Müller, nach umfangreicher Totalrenovierung ab Oktober von der Firma Hosenshop aus Nagold mit zwei weiteren Modelabels weiterbetrieben – langfristig. Die Firma Hosenshop führe ihre bisherige Filiale am Muslenplatz als Erstnutzer seit 40 Jahren sehr erfolgreich, habe sie zudem zweimal vergrößert. Müller ist sich sicher, dass ihr Konzept in den neuen Räumlichkeiten ebenso aufgehen wird. An Konzepten und Ideen mangelt es bei Vermietern und Mietern in der Muslen jedoch nicht, wie der Geschäftsmann deutlich macht: Ebenso gehört ihm die Ladenfläche neben dem Eiscafé Dolomiti, in der seit rund zweieinhalb Jahren der Schulranzen-Laden betrieben wird. Ursprünglich sei jedoch eine „erfolgsversprechende Existenzgründung“, ein italienisches Tagesbistro mit Feinkost und Weinverkaufskeller, geplant gewesen, weiß Müller.

„Dem Interessenten hat es die Stadt sehr schwer gemacht, sodass er letztendlich wieder abgesprungen ist.“ „Unsinnig hohe Ablöseforderungen“ von acht Stellplätzen hätten dazu geführt. „Es ist bedauerlich für jemanden, der ein vernünftiges Konzept vorlegt.“ Lieber sei ein zwischenzeitlicher Leerstand in Kauf genommen worden. Leerstände in Kauf zu nehmen – möglicherweise aus taktischen Gründen –, das sei ein weiteres Problem für die Schwenninger Fußgängerzone. Mit Unverständnis beobachtet Klaus Dieter Müller demnach, dass die evangelische Kirchengemeinde als Inhaber die Flächen neben dem 1-2-3-Brillengeschäft seit drei Jahren leerstehen lässt. Als weiteres Beispiel nennt er den rund zweijährigen Leerstand an der Seite des Bibliotheksgebäudes, in das sich der ehemalige City Rondell-Betreiber wegen Mitspracherecht am geplanten Forum eingekauft hatte. Dieser Leerstand ist jedoch nun vorbei: In Kürze wird hier ein Brautmodengeschäft eröffnen.

Große Hoffnung neues Einkaufszentrum

Dass die Innenstadt eine derartige Entwicklung genommen hat, sieht der Geschäftsmann im zu langsamen Handeln der Stadt begründet. „Als die Fußgängerzone nicht mehr angenommen wurde, hat diese es verschlafen, ein für eine Kleinstadt passendes Konzept zu entwickeln.“ Das Hauptproblem liegt laut Müller in der fehlenden Zufahrt zum Muslenplatz. „Wäre es nicht sinnvoll, den Fahrrad- und auch teilweise Autoverkehr im Schritttempo mit Kurzzeitparkplätzen einbahnig vom City Rondell zum Busbahnhof wieder zuzulassen?“, fragt er sich und ist sich sicher, dass die Läden folglich besser vermietbar seien. Viele Kunden wollten mittlerweile so nah wie möglich an das Geschäft heranfahren.

Was der Innenstadt, insbesondere dem Muslenplatz, zudem fehle, seien Geschäfte für den täglichen Bedarf, egal ob Metzger, Bäcker-Café oder ein Blumenladen. „Man muss die Kunden wieder in Schwenningens Mitte locken!“, wünscht sich der Immobilienbesitzer.

Grundsätzlich sieht er dem geplanten Einkaufszentrum Forum VS positiv entgegen – sofern die Ankermieter tatsächlich unterschreiben. Für den Hosenshop beispielsweise bedeute dies zwar massive Konkurrenz, Müller geht aber nicht davon aus, dass das Geschäft Einbußen machen wird.

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