Die Nachsorgeklinik Tannheim kann nach derzeitigem Stand am 6. April wieder den Betrieb aufnehmen.
Die Nachsorgeklinik Tannheim kann nach derzeitigem Stand am 6. April wieder den Betrieb aufnehmen. (Foto: Patrick Seeger)
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Großes Aufatmen in der Tannheimer Nachsorgeklinik: Nachdem die Rehaeinrichtung wegen eines mit dem Coronavirus infizierten Vaters alle jungen Patienten und ihre Angehörigen heimschicken musste, hat sich bisher niemand angesteckt – weder bei den Mitarbeitern noch in den betreuten Familien.

„Gott sei dank“, stellen die beiden Geschäftsführer Thomas Müller und Roland Wehrle unisono fest. Alle Tests seien negativ gewesen, und so könne die Klinik ab 6. April wieder krebs-, herz- und mukoviszidosekranke Kinder und Jugendliche samt ihren Familien zur Reha aufnehmen.

Die Nachsorgeklinik musste schließen, nachdem beim Vater eines Kindes Covid-19 nachgewiesen wurde. Nach Angaben der Klinik hatte der Mann zuvor verschwiegen, dass er im Risikogebiet Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) war, um die Reha für sein Kind nicht zu gefährden. Die gesamte Klinik wurde geräumt. 60 Kinder und Jugendliche — mit ihren Familien 160 Menschen — mussten den Aufenthalt in der Klinik abbrechen. Auch 160 Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt.

Bewährt hätten sich in dieser Situation die hohen Hygienestandards, ist sich Wehrle sicher. Die Klinik habe viele Spender mit Desinfektionsmittel für die Hände aufgestellt und die Patienten samt deren Familien bei der Ankunft auf die richtigen Verhaltensweisen hingewiesen.

Froh sind er und Müller über all die tollen Rückmeldungen, die sie in den vergangenen Tagen bekommen haben, auch von den Familien, die in der vergangenen Woche frühzeitig die Koffer packen mussten. Viele Spenden seien eingegangen, um der Klinik in dieser wirtschaftlichen Schieflage zu helfen, erklärte Wehrle. Fehle es durch den frühzeitigen Abbruch der Reha doch an fest einkalkulierten Einnahmen. Derzeit gebe es Gespräche, ob die Klinik finanzielle Unterstützung aus dem staatlichen Rettungsschirm bekomme oder die Versicherung einspringe. Zur Not müsse die Klinik zunächst auf Spenden aus der Weihnachtsaktion zurückgreifen, die für den Bau eines Kinderhauses geplant gewesen seien, um den Betrieb sicherzustellen.

Um so mehr hoffen Müller und Wehrle, dass am 6. April wieder der Alltag in Tannheim einkehrt. Wenn es erst Anfang Mai weitergehen könne, „wäre das eine Katastrophe“, erklärt Wehrle. Auf 1,4 Millionen Euro summiere sich das Minus, falls die vierwöchige Reha zwei Mal ausfallen müsse. Aber auch für die Mitarbeiter sei die Wiederaufnahme des Betriebs existenziell, stellt Müller fest.

Die Rehaträger jedenfalls hätten schon wieder eine Fülle von Zusagen erteilt. Und in enger Abstimmung mit Patienten und Kliniken gehe es an die Planung der nächsten Reha-Wochen. Auf alle Fälle sei vorgesehen, weniger Kinder und deren Angehörige als üblich aufzunehmen, um mehr Abstand zu schaffen. Das führe allerdings zu einem weiteren Ausfall von 200 000 Euro je Vier-Wochen-Turnus.

Müller und Wehrle geben sich dennoch optimistisch. „Tannheim ist es gewohnt, immer nach vorne zu blicken“, schildert Wehrle die Stimmung im Team. Diese Energie übertrage sich von den Patienten, die selbst in ihrer schweren Situation noch Lebensmut ausstrahlen, ergänzt Müller. Gerade in Zeiten der Corona-Krise würden sich viele Familien gut in Tannheim aufgehoben fühlen, erläutert Wehrle. Bestehe bei den Reha-Teilnehmern doch ein besonderes Risiko, falls sie an Covid-19 erkranken würden. Da vermittle ihnen die Tannheimer Klinik das Gefühl, sich auf einer geschützten Insel zu befinden. So wollen die beiden Geschäftsführer und ihre Mitarbeiter auch in den nächsten Wochen und Monaten den Kinder und Jugendlichen weiter zur Seite stehen.

Die Tannheimer Nachsorgeklinik hat angesichts der Corona-Krise die Sicherheitsvorschriften noch einmal nach oben geschraubt. Schon die Anreise ist nur noch im Privatwagen erlaubt, um eine mögliche Ansteckung in öffentlichen Verkehrsmitteln zu vermeiden. Bei der Ankunft heißt es dann, die Patienten und deren Angehörige auf Fieber zu kontrollieren. Falls es einen Verdachtsfall gibt, kann die Klinik die Betroffenen vorübergehend in Familienappartements isolieren. Beim Ausfüllen des Fragebogens macht die Klinikleitung verstärkt auf die Konsequenzen von falschen Antworten aufmerksam. Und sie appelliert an ihre Mitarbeiter, sich mehr denn je an die Kontaktsperre zu halten.

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