Gesellschafter Thomas Burger (rechts) war von der Schiedsrichterschelte von Trainer Paul Thompson auf der Pressekonferenz nach
Gesellschafter Thomas Burger (rechts) war von der Schiedsrichterschelte von Trainer Paul Thompson auf der Pressekonferenz nach der Partie gegen Krefeld wenig begeistert. (Foto: Heinz Wittmann)
Heinz Wittmann

Paul Thompson kämpft verzweifelt um seinen Job. Der Trainer der in der Deutschen Eishockey-Liga spielenden Schwenninger Wild Wings ging nach dem Null-Punkte-Wochenende mit zwölf Gegentoren auf die Schiedsrichter los.

Einer 3:6-Niederlage in Ingolstadt ließen die Schwäne eine 4:6-Heimpleite im Kellerduell gegen Krefeld folgen. Die Wild Wings bleiben Letzter, sind mit 79 Gegentoren die Schießbude der Liga. Ihr Rückstand auf Rang zehn, den Wolfsburg einnimmt, ist auf sieben Punkte angewachsen. Und dabei haben die Schwäne bislang an fast allen möglichen und unmöglichen Stellschrauben gedreht: Der bei vielen Fans unbeliebte Jürgen Rumrich gab vor Wochen seinen Rücktritt als Sportmanager zum Saisonende bekannt. Freilich ist Rumrich aktuell weiterhin in seinem Job tätig, auch was Dinge bezüglich der Planung für die neue Saison betrifft. So weilte er am Wochenende zwecks Scouting in Salzburg, wo es bekanntlich eine riesige Nachwuchsakademie gibt. Außerdem ließ Rumrich offen, ob er in anderer Funktion nicht für die Wild Wings weiterhin tätig ist.

Dann wurde Topscorer Jamie MacQueen von Wild-Wings-Geschäftsführer Christoph Sandner freigestellt. Der kanadische Stürmer war offensichtlich weniger pflegeleicht als gedacht. Außerdem wurden mit Verteidiger Colby Robak und Stürmer Jordan Caron zwei neue ausländische Spieler verpflichtet. Robak schaffte es aus dem Stand zum Verteidiger Nummer eins in Schwenningen und auch Caron hatte seinen Anteil daran, dass der SERC gegen die beiden besten Mannschaften der Liga, München und Straubing, am vorletzten Wochenende vier Punkte einfuhr.

Jetzt setzte aber gegen die Mittelfeldmannschaft Ingolstadt und Kellerkind Krefeld jeweils sechs Gegentore. Gleich deren vier schenkte Daniel Pietta den Neckarstädtern am Sonntag ein. Dies brachte freilich SERC-Coach Thompson auf die Palme. „Es gab Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Das Tor zum 1:2 hätte nicht zählen dürfen, da unser Torwart Dustin Strahlmeier behindert wurde. Daniel Pietta hätte wegen seines Fouls an Marcel Kurth fünf Minuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe bekommen müssen. Es kann nicht sein, dass Pietta weitermachen darf und dann noch drei weitere Tore gegen uns schießt.“

Bezüglich der Gültigkeit des Treffers zum 1:2 kann man verschiedener Meinung sein. Für den Beobachter sah es nach einem dummen Revanchefoul von Benedikt Brückner, der seinen Gegenspieler Jacob Lagace mit einem hohen Stock traktierte, aus. Der Krefelder rutschte in Torwart Strahlmeier hinein, der stürzte und Philipp Kuhnekath schoss zum 1:2 ein. Der Schwenninger Übungsleiter legte anstatt herunterzufahren auf Nachfrage aber noch einmal gegen die Unparteiischen der DEL nach: „Aktuell laufen die Schiedsrichterentscheidungen gegen uns.“

Seine Mannschaft nahm der Brite diesmal in Schutz. „Bis auf ein paar individuelle Fehler war ich mit dem Einsatz und der Leistung meiner Mannschaft zufrieden“, antwortete Thompson auf die Frage, welche Impulse man bei der Mannschaft jetzt noch setzen könne. Thompson sieht keine Impulse als nötig an. Nun, der nächste Impuls, der kommen würde, würde wohl ihn treffen. Egal, wie sehr die Schwenninger die Gesetze des Profisports aushebeln möchten.

„Paul macht klare und deutliche Ansprachen, wir Spieler sind auf dem Eis und müssen diese umsetzen“, stellt sich Abwehrmann Brückner hinter seinen Trainer. Die Situation beim Treffer zum 1:2, bei dem er maßgeblich involviert war, beurteilte er aber ein wenig anders als sein Coach: „Das war Mist, das muss man anerkennen. Der Krefelder wollte zu unserem Tor ziehen, ich wollte ihn abblocken. Dustin kam dann zu Fall und der Puck ging irgendwie gegen den Pfosten und dann rein. Die Schiedsrichter haben es im Videobeweis noch einmal angeschaut und werden es schon richtig gesehen haben.“

Gesellschafter Thomas Burger weilte am Sonntag übrigens auch auf der Pressekonferenz nach der Partie gegen Krefeld. Nicht unbedingt ein gutes Zeichen für den Briten. Die Ausführungen von Thompson gegen die Schiedsrichter hatten Burger augenscheinlich nicht sonderlich gefallen. In der DEL haben die Gesellschafter beschlossen, dass sich Trainer, Funktionäre und Spieler nicht zu Schiedsrichterleistungen äußern dürfen. Auf die Wild Wings dürfte für die Aussagen ihres Übungsleiters zumindest eine saftige Geldstrafe seitens der DEL zukommen. Gegenüber unserer Zeitung wollte Burger freilich nichts sagen. Auch nicht ob Thompson weiter Trainer der Wild Wings bleibt. Geschäftsführer Christoph Sandner war auch zu keiner Stellungnahme zu erreichen.

Sandner könnte allerdings versuchen, Thompson zu halten. Der Geschäftsführer hatte bislang bedingungslos dem Trainer den Rücken gestärkt. Wie lange ist dies aber noch möglich? Kurth hat übrigens bei dem Foul von Pietta eine Verletzung im Hals-Nacken-Bereich eventuell auch am Kopf erlitten, wie lange der Stürmer ausfällt, ist noch offen. Mike Blunden, der in Ingolstadt eine Unterkörperverletzung erlitt, fällt voraussichtlich sechs Wochen aus.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen