Die Schwenninger Wild Wings, hinten Jamie MacQueen (blau), mussten sich nach einer schwachen Leistung den Nürnberg Icetigers (v
Die Schwenninger Wild Wings, hinten Jamie MacQueen (blau), mussten sich nach einer schwachen Leistung den Nürnberg Icetigers (vorne Patrick Reimer) 3:5 geschlagen geben. (Foto: direvi)
Heinz Wittmann

In Schwenningen schrillen die Alarmglocken. Vier von fünf Heimspielen gingen in der Deutschen Eishockey-Liga verloren, von möglichen 24 Punkten in acht Partien wurden nur deren sieben geholt. In den letzten drei Spielen gab es keine Zähler.

Nach zwei blamablen Auftritten ist es in Schwenningen schon wieder ungemütlich: Am Freitag unterlagen die Wild Wings in Straubing sang- und klanglos 0:5. Am Sonntag gegen Nürnberg vor der Minuskulisse von 2713 Zuschauern war beim 3:5 eigentlich auch nur das Ergebnis besser. Ex-Nationalverteidiger und Fernsehexperte Andi Renz ist bezüglich seines Heimatklubs skeptisch. „Das ist die teuerste Mannschaft, die Schwenningen je hatte. Allerdings sind ihre Qualitäten in der Defensive fragwürdig“, so der 42-Jährige.

Um den Bauchenberg war zu vernehmen, dass man in Schwenningen nicht gewillt sei, so lange wie in der vergangenen Saison bei Trainer Pat Cortina, der mit sieben Punkten auf dem Konto erst nach 15 Spielen gehen musste, zu warten. Offiziell bewahren die Verantwortlichen bei der Wild Wings GmbH Ruhe. Geschäftsführer Christoph Sandner meinte auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wir geraten jetzt nicht in Panik. Es ist noch sehr früh in der Saison.“

Doch woran liegt es, dass es bei den Wild Wings nicht läuft? Der ehemalige Nationalspieler, der seit Sommer als Geschäftsführer in Schwenningen fungiert: „Da bin ich sportlich nicht nah genug an der Mannschaft, um das zu beantworten.“ Ist eine Trennung von Trainer Paul Thompson kein Thema? „Das ist absolut kein Thema, wir haben vollstes Vertrauen zu unserem Trainer“, so Sandner.

Auch Kapitän Mark Fraser bittet die Fans um Geduld. „Wir haben es nicht verdient, Letzter zu sein. Ein Team mit so vielen Neuzugängen braucht einfach seine Zeit, bis es eingespielt ist. Wir waren schon auf gutem Weg. Jetzt gab es aber diesen Rückschlag. Wir kassieren zu viele Strafzeiten. Und wir müssen unsere Defensivarbeit verbessern.“

Coach Thompson hatte vor der Saison ja Härte als neue Schwenninger Identität ausgegeben. Vielleicht sollten die Wild Wings dann mal anfangen, wenigstens den Gegner anzugreifen. Wie man im zweiten Drittel 80 Sekunden lang bei einer angezeigten Strafe, Nürnberg mit sechs gegen fünf hat spielen lassen, war völlig unverständlich. Selbst wenn man müde ist, so viel Energie muss man dann halt noch aufbringen, um wenigstens einmal an den Puck zu kommen, damit die Schiedsrichter abpfeifen können.

Immerhin: Fraser knöpfte sich im zweiten Drittel den ehemaligen Schwenninger Kapitän Will Acton bei einem Faustkampf vor. Er weiß, dass seine persönliche Leistung am Neckar noch ausbaufähig ist. „Die DEL ist eine deutlich stärkere Liga als die slowakische Liga, wo ich zuletzt gespielt habe. In der Slowakei gibt es viele Talente, aber keine solche Spielstruktur wie in Deutschland.“

„Waren im Panik-Modus“

Im letzten Drittel ging beim SERC gar nichts mehr. „Wir waren von unserer Spielstruktur weg“, bemängelte Thompson. Noch mehr hatte den Schwenninger Übungsleiter aber das erste Drittel geärgert, als die Wild Wings nach dem Führungstor von Mike Blunden im Gegenzug nach einem Wechselfehler den Ausgleich kassierten und dann weitere zwei Gegentore schlucken mussten. Thompson: „Da waren wir zehn Minuten im Panik-Modus. Das ist inakzeptabel.“ Laut dem Coach müssten jetzt die Fehler ehrlich und schonungslos aufgearbeitet werden. „Wir haben diese Saison doch schon bewiesen, dass wir es können. Es geht aber gar nicht, wenn Spieler meinen, sie bräuchten einen Gegner nicht ernst genug zu nehmen.“

Am Montag waren die Wild Wings auf dem Cannstatter Wasen bei ihrem Hauptsponsor Fürstenberg im Zelt eingeladen. Am Freitag gastieren die Neckarstädter in Bremerhaven, am Sonntag empfangen sie die Düsseldorfer EG. Dann sollte auch das Unterzahlspiel, das mit einer Erfolgsquote von 65,6 Prozent das schlechteste der Liga ist, wieder verbessert werden. Die Gegner scheinen sich auch auf das Überzahlspiel der Schwäne eingestellt zu haben, die Erfolgsquote ging in den letzten drei Spielen jedenfalls von einer märchenhaften Erfolgsquote von 45,5 Prozent auf 25,5 Prozent zurück.

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