Mutter hat „dermaßen die Schnauze voll“

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Ein Video von Tanja Seidel hat online für Aufsehen gesorgt.
Ein Video von Tanja Seidel hat online für Aufsehen gesorgt. (Foto: Facebook)
sbo und Helen Moser

Tanja Seidel ist sauer – und macht ihrem Ärger über die Lüft-Praxis an der Schwenninger Schule ihrer elfjährigen Tochter in einem Video in den sozialen Medien Luft. Das ist zwar nur knapp drei Minuten lang, verfehlt seine Wirkung aber ganz und gar nicht: Fast 8000 Mal wurde das am Mittwoch hochgeladene Video bis Freitag aufgerufen, rund 350 Mal geteilt und mehr als 160 Nutzer markierten es mit „Gefällt mir“.

Viele der fast 130 Kommentare signalisieren Zustimmung – obwohl durchaus auch kritische Stimmen zu finden sind. „Ich als Mutter hab jetzt dermaßen die Schnauze voll, dass ich das nicht mehr hinnehmen will“, sagt Seidel im Video. Sie sei weder eine „Übermutter“ noch Corona-Leugnerin, aber dass man ihr beim Elternabend empfehle, ihre Tochter mit Winterjacke und Decke in die Schule zu schicken, weil coronabedingt ständig gelüftet werden müsse, und dass die Schüler keine Möglichkeit hätten, sich bei Regen in den Pausen unterzustellen, „geht zu weit“. Seidel ist überzeugt: „Es ist eine Frage der Zeit, dass alle Kinder krank werden.“ Die Schuld gibt die den gut durchlüfteten Klassenzimmern, deren Heizungen laut Seidel ausgeschaltet sind. Die erhöhte Anzahl an kranken Kindern, die der Winter ohnehin auch in einem normalen Jahr mit sich bringe, „wird jetzt ja noch viel schlimmer“.

Um Kinder besorgt

Laut den Hygienehinweisen für Schulen, die das baden-württembergische Kultusministerium erstellt hat, müssen Schulen mehrmals täglich, mindestens aber alle 45 Minuten ihre Klassenzimmer lüften. Die Empfehlung der Kultusministerkonferenz im September geht aber noch weiter: alle 20 Minuten jeweils drei bis fünf Minuten stoßlüften, heißt es darin. Das kritisiert Seidel. Sie ist überzeugt: Selbst mit eingeschalteter Heizung wäre es „natürlich nicht möglich, in diesen 20 Minuten auf eine angenehme Temperatur zu kommen“. Mindestens 20 Grad Raumtemperatur, zitiert sie das Arbeitsstättenverordnung, muss die Raumtemperatur bei sitzender Tätigkeit – wie in der Schule üblich – betragen. „Also stehen unseren Kindern diese 20 Grad zu.“

Sie ist der Ansicht, dass „das alles auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen wird“. Wie sie betont, ist das Video keine Einzelinitiative. Vielmehr stünden dahinter mehrere Eltern, die um ihre Kinder besorgt seien. In Bezug auf die aktuelle Situation sind sie überzeugt: „Das können wir so nicht hinnehmen.“

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