Falsche Fünfziger waren in VS in Umlauf.
Falsche Fünfziger waren in VS in Umlauf. (Foto: Andreas Arnold)
Cornelia Spitz

Bisweilen lohnt sich der Blick auf die Seriennummern der Geldscheine im Portemonnaie. Tragen alle 50-Euro-Scheine dieselbe, dürfte es sich um falsche Fünfziger handeln. Zwölf davon hielt ein Mann aus Villingen-Schwenningen im August 2018 in den Händen – als Bezahlung für ein im Internet über eine Ebay-Kleinanzeige inseriertes Handy.

Der 22-jährige Mann, der ihnen die 600 Euro in Form von Falschgeld angedreht hat, war nun zunächst sechs Monate im Gefängnis und saß am Donnerstag schließlich auf der Anklagebank des Villinger Amtsgerichts. Obgleich er schwere Fußfesseln trug, war es kein Schwerverbrecher, der da von den Polizisten hereingeführt wurde. In den Fesseln steckte ein junger, fast jugendlich wirkender Mann, der offenbar kaum wusste, wie ihm geschah.

Vor drei Jahren kam der Rumäne zusammen mit seiner Frau nach Deutschland, gab die Dolmetscherin seine Schilderungen wieder. Er habe, so wie einer seiner Freunde in Trossingen ein Gewerbe eröffnen wollen. In Rumänien hatte er im Baugewerbe gearbeitet. Doch der Kontakt zu einem Tuttlinger sollte ihn auf die falsche Bahn führen: 18 falsche Fünfziger hat dieser ihm verkauft – darunter vermutlich die Geldscheine, die später den Weg nach VS finden sollten.

Ein paar Tage zuvor hatte der 22-Jährige bereits in Aldingen versucht, ebenfalls nach einem Ebay-Inserat, ein Samsung-Handy für 470 Euro mit dem Falschgeld zu bezahlen. Doch die Verkäufer, ein Ehepaar, bemerkten den Schwindel, als sie die Blüten in der Hand hielten. Der Angeklagte habe sich ahnungslos gegeben, beteuert von nichts zu wissen. Er habe sich verabschiedet und in zehn Minuten mit neuem Geld zurück sein wollen. Doch er war auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Stattdessen aber bekam er bald die Polizei zu sehen und landete schließlich im Gefängnis. „Das hat ihm arg zu zugesetzt“, schilderte sein Verteidiger am Donnerstag vor Gericht. Sein Rechtsbewusstsein sei offenbar ein anderes gewesen. Vor Gericht betonte der Staatsanwalt, dass es sich um erhebliche Straftaten handele – neben dem Falschgeld drehte sich der Prozess auch noch ums Tanken mit einer fremden Tankkarte. Der junge Rumäne aber habe seine Taten laut seinem Verteidiger als Kavaliersdelikt betrachtet und sei merklich erschrocken gewesen, als er hinter schwedischen Gardinen gesessen habe.

Im Gericht nun durfte er von Richter Christian Bäumler ein mildes Urteil erfahren: Die Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten wurde zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt, zudem muss er nun 120 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.

Das Strahlen, als ihm die Fußfesseln abgenommen wurden, dürfte aber einen anderen Grund gehabt haben: Vergangene Woche war der junge Mann laut seinem Anwalt zum ersten Mal Vater geworden. „Er hat seinen Sohn noch nie gesehen und will ihn nun endlich kennenlernen.“

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