Um das Mangin-Areal wird immer noch kräftig gerungen.
Um das Mangin-Areal wird immer noch kräftig gerungen. (Foto: Eich)
sbo und Cornelia Spitz

Ausgerechnet rund um ein ehemaliges Kasernenareal wird in Villingen-Schwenningen gerade kommunalpolitisch erbittert gekämpft: das Mangin-Areal. Und dabei geht es längst nicht mehr nur um die dort geplante Bündelung der Stadtverwaltung.

Am Donnerstagabend sollte Mangin gewissermaßen zum Schauplatz einer besonderen Auseinandersetzung werden: Kubon vs. Roth – beide hatten Konzepte für die Zukunft von Mangin erstellt, doch wessen Argumente würden eher überzeugen? Die SPD Villingen-Schwenningen hatte zum Mitgliederdialog geladen. Hinter den Kulissen gab es schon im Vorfeld große Diskussionen, und das lag an einer besonderen Konstellation: Erwartet wurde zu der Dialogveranstaltung, die eigentlich dem Austausch und der Information der SPD-Mitglieder dienen sollte, auch der ehemalige Villingen-Schwenninger Oberbürgermeister Rupert Kubon. Auch er ist SPD-Mitglied und somit Adressat der Einladung zum Mitgliederdialog. Roths neue Variante hat auf Anhieb viel Zuspruch geerntet, im Gemeinderat, aber auch darüber hinaus.

Charme-Offensive: V und S gleichberechtigt

Den größten Charme entdeckten darin jene, die in der Verwaltungskonzentration vor allem auf dem Mangin-Areal in Villingen eine einseitige Bevorzugung des badischen Stadtbezirks sahen und eine Schwächung von Schwenningen befürchteten. Roths Credo bei seinen Plänen war klar: Beide Stadtbezirke sollen gleichberechtigt sein. Und: Er wollte die Dienststellen der Stadtverwaltung vor allem in eigenen statt in angemieteten Räumlichkeiten unterbringen. Skeptiker kritisierten freilich, dass die Zusammenführung der Verwaltung nicht weit genug gehe.

Die Grünen hingegen sehen in Roths Vorlage nach wie vor Ausschlusskriterien – und zwar jede Menge. Laut Fraktionssprecher Joachim von Mirbach sei die im Juli 2018 unter dem damaligen OB Rupert Kubon zugrunde liegende Variante der richtige Weg.

Mit Spannung erwartet wird die Gemeinderatssitzung. Nach Jahren des Diskutierens, Planens und Erörterns forderte Roth den Gemeinderat nun dazu auf, sich für oder gegen die Weiterentwicklung seiner Mangin-Pläne auszusprechen. Am kommenden Mittwoch sollen die Würfel fallen. Bis dahin geht es hinter den Kulissen rund. Reservefläche für späteren Neubau? Die Lage ist aktuell so: CDU und Freie Wähler sowie SPD sollen hinter der Roth-Variante stehen oder dieser zumindest mehrheitlich zugetan sein, der FDP soll die „Erneuerung“ der Verwaltung darin nicht weit genug gehen, die meisten Grünen sollen sie komplett ablehnen, ebenso die AfD. Da jedoch aktuell noch keine Fraktion über ein wirklich geschlossenes Meinungsbild verfügen soll, dauert die Sondierung an, wobei die meisten Ablehnenden dies vor allem damit begründen, dass sie sich eine stärkere Zentralisierung und Bündelung gewünscht hätten.

Die Sozialdemokraten haben sich am Donnerstag an der Basis umgehört. Der Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Edgar Schurr, sprach sich aus mehreren Gründen für die neue, von Roth empfohlene Variante aus: Man könne sie über einen längeren Zeitraum realisieren, das gebe der Stadt Spielraum für weitere Projekte – Schulen, Kitas oder Straßen. Während der Veranstaltung wurde auch Raum für andere Argumente für und gegen Roths Vorschlag gegeben. So erinnerte Siegfried Heinzmann daran, dass man bei der Vereinigung zu V und S zu VS vertraglich vereinbart habe, beide Bezirke gleich zu behandeln – in Kubons Entwurf sehe er das nicht. Bernd Lohmiller stellte die Kostenberechnung in Roths Modell in Frage – für diese müsse ein Gebäude hinzugekauft werden, die Kosten dafür seien nirgendwo gelistet. Und, ja, auch Alt-OB Kubon hielt ein flammendes Plädoyer für „sein“ Modell: Die Immobilien-Erlöse müssten in Roths Rechnung angepasst werden und „mittelfristig brauchen wir eine deutliche Reduzierung der laufenden Kosten“.

Waren die Wogen ob der Erwartung dessen, dass sich Kubon in die Debatte um den Vorschlag seines Nachfolgers einmischen würde, im Vorfeld auch hoch geschlagen – Ortsvereins-Vorsitzender Nicola Schurr freute sich über eine dann doch gelungene Veranstaltung und sachliche Diskussion. Ein geschlossenes Bild müsse die SPD am Mittwoch in der Abstimmung nicht geben – jeder solle nach bestem Wissen und Gewissen seine Entscheidung treffen.

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