Dicke Luft vor dem Schwenninger Tor – ein Bild mit Symbolwert für den bisherigen Saisonverlauf der Wild Wings.
Dicke Luft vor dem Schwenninger Tor – ein Bild mit Symbolwert für den bisherigen Saisonverlauf der Wild Wings. (Foto: Dieter Reinhardt)
wit und Heinz Wittmann

Die Deutschland-Cup-Pause ist bei den in der Deutschen Eishockey-Liga spielenden Wild Wings traditionell die Zeit, Zwischenbilanz zu ziehen. Die fällt mal wieder bescheiden aus, das Team ist Letzter. Es gibt aber Anlass zu Hoffnung.

Den Etat erhöht, namhafte Spieler verpflichtet, die Wild Wings sollten sich nach einer Katastrophensaison nach oben schwingen. Mit kanadischer Härte sollte der Gegner am Bauchenberg eingeschüchtert werden. Die Bilanz zur Länderspielpause, wo fast ein Drittel der Saison gespielt ist, fällt aber ernüchternd aus: Von 48 möglichen Punkten haben die Schwenninger 15 geholt. Nur vier der 16 Spiele wurden gewonnen. Der SERC ist Tabellenletzter.

Die Mannen vom Neckarursprung legten einen Horror-Start hin, im ersten Saisonspiel unterlag man vor den mit hohen Erwartungen in die Helios-Arena gekommenen Fans dem ERC Ingolstadt zweistellig mit 4:10. Das Defensivverhalten der Schwäne ist schwach, 56 Gegentore, so oft schlug es nur noch im Augsburger Kasten ein. Dabei sah man teils lasche Abwehrarbeit der Stürmer, der Verteidiger, wie beispielsweise des oft überforderten, zu langsamen Kapitän Mark Fraser und auch Torwart Dustin Strahlmeier gab der Hintermannschaft allzu oft keine Sicherheit. Tiefpunkt war der blutleere Auftritt des gesamten Teams am 27. Oktober beim 0:4 gegen Wolfsburg.

Am vergangenen Wochenende zeigte der SERC zwei gute Leistungen, ein klarer 4:1-Heimsieg gegen Iserlohn und eine etwas unglückliche 2:3-Niederlage nach Verlängerung in Düsseldorf sprangen für Schwenningen heraus. Welches Potential, zumindest nach vorne, die Wild Wings haben, bewiesen sie beim 6:1-Heimsieg am 20. Oktober gegen die Adler Mannheim.

Aktuell hat der SERC mit einer Powerplayquote von 24,4 Prozent ein gutes Überzahlspiel, nur Düsseldorf (25,0) und Straubing (24,6) sind besser. So gut das Überzahlspiel ist, so schwach ist das Unterzahlspiel. Im Penalty-killing hat Schwenningen mit einer Erfolgsquote von 74,6 Prozent das drittschlechteste Unterzahlspiel, nur Augsburg (71,6) und Mannheim (71,4) sind schwächer. Die Wild Wings agierten mit einem Mann weniger auf dem Eis oft zu passiv, wobei dies auch teils den läuferischen Defiziten, die das Team ohne Zweifel aufweist, geschuldet war. Die Abwehrarbeit der Verteidiger direkt vor dem eigenen Tor, dem sogenannten „Slot“, zeigt immer wieder eklatante Mängel.

Die Offensive ist insgesamt mit 42 erzielten Toren hingegen recht ordentlich. Die Heimbilanz ist auch passabel, elf der 15 Zähler fuhren die Schwäne in der Helios-Arena ein, auf fremdem Eis nahm man nur vier Zähler mit. In der Fair-Play-Tabelle bewegen sich die Blau-Weißen im Mittelfeld, 10,3 Strafminuten kassierten sie im Schnitt pro Partie, was ihnen Rang sechs einbringt. Am fairsten sind die Nürnberg Ice Tigers mit 9,6 Strafminuten, die „bösen Buben“ sind die des EHC Red Bull München mit 15,2 Strafminuten pro Begegnung.

Schlichtweg fantastisch sind die Fans. Trotz des enttäuschenden Tabellenplatzes kamen im Schnitt 3774 Zuschauer zu den bisherigen neun Heimspielen. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 3302 Fans, die im Durchschnitt bis zur Deutschland-Cup-Pause in die Helios-Arena pilgerten.

Jamie MacQueen ist nicht nur Toptorjäger, sondern auch Topscorer der Wild Wings. Er bringt es auf 18 Punkte (elf Tore/sieben Beihilfen). Besser in der Liga sind nur noch Chad Costello von den Krefeld Pinguine mit 21 Punkten (neun Treffer/zwölf Assists), Michael Connolly von den Straubing Tigers mit ebenfalls 21 Zählern (vier Tore/17 Vorlagen), sowie der Düsseldorfer Reid Gardiner mit 19 Punkten (fünf Treffer/14 Vorlagen). Auf Platz zwei und drei der klubinternen Wild-Wings-Scorerliste sind Pat Cannone mit 15 Punkten (vier Tore/elf Assists) und Troy Bourke mit 14 Zählern (fünf Treffer/neun Beihilfen).

Die Wild Wings haben diese Woche trainingsfrei, erst am kommenden Montag bittet Trainer Paul Thompson das Team wieder aufs Eis. Am Freitag, 15. November, empfangen die Schwäne die Kölner Haie, am Sonntag, 17. November, gastieren sie in Nürnberg. Der Rückstand auf Platz zehn beträgt fünf Punkte, wobei die Wild Wings noch ein Nachholspiel vom sechsten Spieltag bei den Eisbären Berlin, welches allerdings erst am 3. März kommenden Jahres ausgetragen wird, in der Hinterhand haben.

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