Andreas Heidinger (von links), Ulrich Kotthaus und Torsten Bleich mit Studierenden im zukünftigen „Freiluft-Hörsaal“.
Andreas Heidinger (von links), Ulrich Kotthaus und Torsten Bleich mit Studierenden im zukünftigen „Freiluft-Hörsaal“. (Foto: Schück)
Felicitas Schück

„Klar ist: Die Mittel sind nicht auskömmlich. Die Hochschule kommt in Schwierigkeiten, wenn sie nicht mehr Geld bekommt.“ Das stellte das Leitungsteam der Dualen Hochschule VS-Schwenningen in einem Pressegespräch klar.

„Das Ausmaß ist schon groß. Es geht nicht um fünf, zehn oder 20 Millionen, sondern darum. dass wir sicherstellen, dass wir unsere Studienangebote auskömmlich finanzieren“, erklärte der neue Rektor Ulrich Kotthaus. Nur 50 Prozent aller Kurse seien hinreichend finanziell gesichert. Seit mehr als zwei Jahren wartet die Duale Hochschule außerdem auf eine Zusage des Landes, beziehungsweise des Landesbetriebs Vermögen und Bau, dass ein Investor im Auftrag des Studentenwerkes Freiburg an der Schramberger Straße 28 in VS-Schwenningen für den Studienbereich Sozialwesen ein neues Hörsaalgebäude errichten darf.

Schon der Vorgänger von Ulrich Kotthaus, Jürgen Werner, war enttäuscht, dass zum Zeitpunkt seiner Verabschiedung im Frühjahr nicht wenigstens der Spatenstich erfolgte.

Selbst wenn die Zusage jetzt käme, würde es noch mindestens zwei Jahre dauern, bis der Neubau stünde, rechnete Verwaltungsdirektor Andreas Heidinger vor. Auf 2000 Quadratmetern sollten 15 neue Hörsäle für die Fakultät Sozialwesen entstehen, damit rechnete man schon 2015. Wenn das positive Signal des Landes kommen sollte, wird zunächst eine europaweite Ausschreibung folgen. Der Investor soll einen langfristigen Mietvertrag bekommen, den das Land abschließt.Vorgesehen war, dass das Land die Miete für das Gebäude gemäß dem Hochschulfinanzierungsplan für mindestens zehn Jahre übernimmt.

Doch das Hochschulfinanzierungsgesetz läuft nur bis 2020. Was danach kommt, ist noch offen. Hoffnung schöpft Kotthaus, nachdem die Abgeordneten der Region deutlich gemacht haben, dass sie sich für das Projekt beim Land einsetzen wollen. „Ja, wir haben Untersützung, aber kein politische Signal“ Einstweilen muss die Unterbringung der Studierenden wohl in Provisorien stattfinden. „Das ist unwürdig“, erklärt Andreas Heidinger und verweist darauf, dass die Studierenden schließlich die Visitenkarte eines Hochschulstandortes seien.

2500 sind es momentan in Schwenningen. Kotthaus will die Studierendenzahl ungefähr auf diesem Niveau halten. Es sei nicht mit weniger Studienanfängern zu rechnen als in den Vorjahren. Obwohl die Hochschule den ausdrücklichen Auftrag zur Forschung habe, bekomme sie keine finanziellen Mittel dafür. Forschung könne nur auf der Grundlage des persönlichen Engagements einzelner Professoren stattfinden. „Da ist die DHBW einfach schlechter gestellt als andere“, erklärt Prorektor Torsten Bleich. Grund ist, dass die Berufsakademien offiziell nicht als Hochschulen galten, bis sie zur Dualen Hochschule Baden-Württemberg zusammengefasst wurden.

Digitalisierung und Industrie sieht Ulrich Kotthaus als Schwerpunkte für neue Studiengänge. Die Internationalisierung will er ebenfalls vorantreiben. „Attraktive Studienangebote sind das A und O“, erklärte Prorektor Torsten Bleich, Dekan der Fakultät Wirtschaft. Im Bereich BWL wird nächstes Jahr der Studiengang Digital Finance starten, für den es, so sagten Kotthaus und Bleich, bereits großes Interesse bei der regionalen Wirtschaft gebe. Vermittelt werde Grundlegendes zur Digitalisierung. Die Personalauswahl bei Bewerbungen zum Beispiel, so erzähltt Bleich, wird schon bald digital stattfinden. „Die Studierenden sollen Grundvoraussetzungen haben, nicht selbst programmieren können.“ 30 Plätze werden angeboten. Obwohl Digitalisierung in allen Bereichen auf dem Vormarsch ist, ist nicht an eine rein virtuelle Vermittlung von Lerninhalten gedacht. Grundsätzlich wird dies auch in Zukunft nach wie vor im Hörsal geschehen. „Blended Learning“ wird die Präsenzpflicht nicht ersetzen. Die Studierenden haben die Möglichkeit, Auslandsemester an Partnerhochschulen zu belegen. Obwohl in einigen Fachbereichen, wie zum Beispiel Steuern und Prüfungswesen, Banken sowie Sozialwesen, die 950 Dualen Partner bei 16 Partner-Studiengängen auch aus anderen Regionen sind, sind die Studierenden nach wie vor hauptsächlich aus Deutschland. Es könne aber durchaus sein, dass mittelständische Unternehmen im Ausland Studierende fänden, die dann dort später einen Job im Unternehmen bekämen. Die Zusammenarbeit mit der benachbarten Hochschule Furtwangen und mit der Stadt VS sei sehr gut, erklärte Kotthaus.. Am 22. Oktober findet erneut ein Zukunftsforum mit der HFU statt. Thema: „China, Potenzial oder Konkurrent.“

Als einzige Duale Hochschule bekommt VS-Schwenningen demnächst einen Freiluft-Hörsaal. Das sei den Studierenden zu verdanken, erklärte Kotthaus. Ihr Projekt am ehemaligen Schwimmbad der Unternehmervilla, auf deren Gelände die Duale Hochschule steht, bekam den Zuschlag und wird mit 40  000 Euro finanziert. Eingerichtet werden sechs Tische, an denen eine Gruppe unterrichtet werden kann.

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