Der Bau der Anbindung des Industriegebiets Ost an die Bundesstraße 523 sorgt für Diskussionen.
Der Bau der Anbindung des Industriegebiets Ost an die Bundesstraße 523 sorgt für Diskussionen. (Foto: SBO)
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Den Bau der Anbindung des Industriegebiets Ost an die Bundesstraße 523 hat der Gemeinderat vergangene Woche mehrheitlich beschlossen. Doch wer glaubt, das Thema ist nun vom Tisch, der täuscht. Während die Bündnisgrünen gegen den Beschluss wettern, jubelt die Wirtschaft.

Die Anbindung des Industriegebiets Ost an die Bundesstraße 523 könnte in die städtische Geschichte eingehen. Und das nicht nur, weil zwischen Aufstellungsbeschluss und Baubeginn acht Jahre liegen, sondern auch weil kaum ein Thema derart umstritten diskutiert wurde. Ruhe herrscht noch immer nicht.

Am Montag veröffentlichten sowohl Ortsverband und Gemeinderatsfraktion der Bündnisgrünen, als auch der Gewerbeverband Oberzentrum (GVO) Schreiben, in denen die einen ihrem Unmut über den Gemeinderatsbeschluss nochmals Luft machten, und die anderen die Entscheidung im Sinne der Unternehmen und der Wirtschaft lobten.

Die Grünen kritisieren den Projektbeschluss im Wesentlichen aus zwei Gründen: Zum einen seien „10,4 Millionen Euro für den Neubau einer fragwürdigen Zubringerstraße“ deutlich zu teuer und die vorgesehene Baumaßnahme „völlig überdimensioniert“. Zum anderen würde der Ausbau des Museumsquartiers auf dem Bürk-Areal in Schwenningen dieser Investition zum Opfer fallen. Die Kritik richtet sich vor allem an die Kollegen der anderen Fraktionen im Gemeinderat, der nach Meinung der Grünen „dem Bau leichtfertig zugestimmt“ habe.

Das Argument, die Stadt würde rund zwei Millionen Euro Fördermittel nicht in Anspruch nehmen, wenn auf den Bau der Straße verzichtet worden wäre, lassen die Grünen nicht gelten. Das sei aufgrund des hohen Eigenanteils der Stadt von über acht Millionen Euro „ausgesprochen naiv“, heißt es in dem Schreiben.

Auch vom Nutzen der geplanten Trasse sind die Bündnisgrünen nicht überzeugt. Da bestünden durchaus unterschiedliche Meinungen. „Je nach Lage im Industriegebiet und Anfahrtsrichtung ist die heutige Zufahrt sogar kürzer“, heißt es.

Das sieht der GVO in Person seines Präsidenten Joachim Müller ganz anders, wie in einer unabhängig vom Schreiben der Grünenfraktion versendeten Pressemitteilung deutlich wird. Darin heißt es: „Der Gewerbeverband Oberzentrum begrüßt die Entscheidung des Gemeinderats der Doppelstadt, die Anbindung des Schwenninger Industriegebiets Ost an die B 523 zu realisieren.“ Damit sei eine bereits seit Jahren diskutierte Entscheidung „endlich getroffen worden“, wird Präsident Joachim Müller zitiert. Zwar bedauere Müller, „dass sich durch die wiederholte Vertagung der Umsetzung die Baukosten so drastisch erhöht haben“, allerdings ist er überzeugt, dass diese Entscheidung dem Wirtschaftsleben und den Bürgern gleichermaßen Vorteile bringen wird.

Während von politischer Seite die hohen Kosten angeprangert werden, kritisiert Müller vor allem die Verzögerung: „Wäre der Beschluss bereits vor fünf Jahren gefällt worden, hätte man mit rund sechs Millionen Euro Baukosten noch erhebliche Mittel in andere Maßnahmen (...) stecken können.“ Dass das Projekt nun zehn Millionen Euro koste, sei eine „bittere Pille“.

Die Gewerbetreibenden und Unternehmen hatten sich schon vor Jahren für diese Anbindung stark gemacht. Auch Müllers Vorgänger, Gerhard Waldmann, war ein Verfechter der Straße, die nun ab Oktober gebaut werden soll. Auf dessen Argumente von 2015 bezieht sich nun auch Müller. Dazu zählt eine pünktliche Warenlieferung ebenso wie die Entlastung der Innenstadt vom Schwerlastverkehr.

An letzterer zweifeln vor allem die Bündnisgrünen. „Die Entlastung der Schwenninger Innenstadt vom Schwerlastverkehr dürfte sich in Grenzen halten, da der gesamte Verkehr von Süden, Norden und Osten – insbesondere auch von der A 81 – schon heute nicht durch die Innenstadt fährt.“ Die gesamte Konzeption für den Zubringer sei über 20 Jahre alt und stamme aus einer Zeit, „als der Neubau von Straßen als Allheilmittel gesehen wurde“.

Welche Vorteile bringt die Verbindungsstraße tatsächlich mit sich? Ist die geplante bauliche Gestaltung mit Brücke und vier Auffahrtsspuren wirklich notwendig? Können die geplanten Kosten von 10,4 Millionen Euro eingehalten werden? So zwiespältig die Meinungen auch sind: All diese Fragen werden sowohl Gegner als auch Befürworter in den kommenden Monaten und Jahren genauestens im Auge behalten.

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